Mittlerweile verbringe ich mehr Zeit in Plattenläden, als in der Uni, und entdecke immer wieder Platten, die ich haben muss, die es vor allem auch noch wert wären, wenn einer über sie referiert, weil sie meist Vergessene sind. Daraufhin haben wir die Kategorie “Abgestaubt” überlegt, in der wir euch, zusätzlich zu News & Co, vergessene Tonträger und Künstler, aber auch Geschichtsträchtiges oder besonders Interessantes vorstellen.
Den Anfang in dieser Kategorie machen , deren selbstbetiteltes Album ich im Hamburger Plattenladen “Hanseplatte” durch reinen Zufall entdeckte. Mich sprach das Cover irgendwie an.

 

Das sollte viel öfter ein Kauf-, oder zumindest ein Reinhörkriterium sein, so auch bei SDN. Die Musik, die mir da entgegentönte, war schwer zu beschreiben. Einfach interessant. Man kann dieses Machwerk definitiv in keine Schublade sortieren, drum gebe ich es den Stempel “Avantgarde”. So manch einer könnte mit diesem Genre stark unzufrieden sein, es arrogant finden, was weiß ich, aber es hat durchaus seine Berechtigung, so sehe ich Avantgarde, oder Kunstmusik, immer als ein Vorstoß an und man bemerkt, dass das, was danach (1999) auf der Indie-Bildfläche (DER Begriff ist völlig inflationär, kommt den Erwartungen im Leben nicht mehr nach) erschien, auf den 20 Titeln vertreten ist. Da ist der rebellische Retro-Indie ala Was-weiß-ich-wer-da-alles-genannt-werden-kann, der tanzbare Indie der gleichen Künstlermenge und Those Dancing Days, Post-Punk, Ekeltro-Indie; eigentlich alles, was es danach geben sollte in kleiner Prise. Was den bestehenden Stempel “Avantgarde” komplettiert, ist eine fragwürdig inkonstante Studioqualität, der man aber eine Absicht abringen kann, eine Affinität zu schmutzigen Worten und verqueren Wortspielen, eine Offenheit für komplexe intellektuelle Themen und eine kindliche Art damit umzugehen, was letztlich doch zu einem erwachsenen Ergebnis geführt hat. Das ein wichtiger Baustein des musikalischen Kollektivs Richard v. d. Schulenburg ist, der in der Hamburger Schule nicht unbekannt ist, die ja sowieso die deutsche Indieszene auf das vorbereitet hat, was kommen sollte, macht Soup De Nüll zu einem Orakel.

Ich bin nicht der Freund des Durchkauens sämtlicher Titel, bis einem die Mucke zu den Ohren herauskommt, wenn sie dann endlich rein soll und man schon alles kennt, außerdem betrachte ich, vornehmlich solche Platten, als Gesamtwerk. Und was die Jungens auf ihrer Werkbank in Vinyl geritzt haben, dass ist eine unglaublich dynamische, protestreiche, aussagekräftige, richtungsweisende, spaßbereitende, allerdings manchmal nicht ganz einfache Symphonie aus Unfug, Dagegen, Spaß an der Freude und Musik. Von der Band selbst lässt sich nicht viel erfahren, laut der Myspace-Biographie lässt sich aber sagen, dass das Herunterladen ihrer Stücke bei rock.test.at oder des Albums “Reise, Reise” bei Soundcloud erwünscht ist. Wen also die Vielseitigkeit reizt, der sollte auf jedenfall nachschauen. Mir bereitet diese Band einen irren Spaß und ich höre die Platte nun zum zweiten Mal durch, weil sie auch das, was darzustellen versucht, auch durchzieht. Wer also anschließend mehr über die Band sagen kann, oder mir mehr Material über sie geben kann, mir dann auch noch sagen kann, wo man deren Machwerke erstehen kann und es schafft rock.test.at zu besuchen (im Google-Link heißt es “it works”), der gewinnt irgendwas, auch wenn er bereits an unserem megafetten, lippenbefeuchtenden superduper Nikolausgewinnspiel mitmacht. ;)