Zuletzt ist es also rausgekommen: das lang erwartete neue Album von mit dem Namen The Path Of Totality. Lang erwartet nicht nur deswegen, weil auf dem Cover KoRn steht, sondern auch, weil sich die Band damit auf Dubstep, dem aufstrebenden elektronischen Genre, stürzt. Und das gerade einmal ein Jahr nach dem letzten Album KoRn III, mit dem sie sich auf ihre Wurzeln besinnen wollten. Jetzt gehen sie also doch einen komplett anderen Weg. Lohnt sich diese 180° Drehung oder ist sie mehr ein Schlag ins Gesicht ihrer Fans und ihrer Glaubwürdigkeit?

Korn - The Path Of Totality

Fangen wir erstmal direkt beim Guten an. Das Album ist zum Teil wirklich kein schlechtes, einige Songs funktionieren wunderbar, verbinden den alternativen Hard Rock Sound der Band, die in der Vergangenheit oft in die Nu Metal Schiene geschoben wurde, und Dubstep so, dass es sich wirklich gut anhört. Um das Kind beim Namen zu nennen sind es ausnahmslos alle Tracks, die in Zusammenarbeit mit entstanden sind. Diese sind folgende:

  • Chaos Lives In Everything
  • Narcissistic Cannibal
  • Get Up!

Wie gesagt, KoRn und Dubstep bzw. der Dubstep von Skrillex harmonisieren wunderbar, sind gut anzuhören und wirklich nicht schlecht. Get Up!, die erste Single des Albums, ist mein persönlicher Favorit des Albums, der haut hammerhart rein, erzeugt eine beklemmende Atmosphäre und Davis’ Stimme passt sehr gut zum Rest des Songs.

Das allerdings sind nur drei der insgesamt 13 Tracks (inklusive des Bonus Tracks) der LP. Was ist also mit dem Rest? Der Rest des Albums ist leider längst nicht so stark wie erwähnte drei Tracks. Oft hat man das Gefühl, dass die anderen Tracks nicht großartig ineinander zusammen passen. KoRn als Band ist oft im Hintergrund und nur unterstützend tätig – jedenfalls kommt es einem so vor. Man hört zwar z.B. immer Gitarren, allerdings sind diese nie im Vordergrund.

Bezogen auf die Band an sich frage ich mich oft, warum das Album den KoRn Stempel auf die Backe gedrückt bekommen hat. In vielen Songs ist es schlichtweg eigentlich nur , der seine Vocals zu Dubstep Sound abliefert. Die restliche Band ist dabei fast immer im Hintergrund. Das Album hätte also genauso gut als Soloprojekt von Davis herhalten können. Wahrscheinlich hätte es dann sogar besser funktioniert, weil man dann nicht den Sound von KoRn als Band erwartet, sondern evtl. noch etwas offener für den neuen Sound gewesen wäre. Perfekte Beispiele dafür sind z.B. die Songs Illuminati, Burn The Obedient, Let’s Go und Sanctuary. Der Hauptgrund dafür, das Album als Band zu veröffentlichen war wohl schlichtweg die Aufmerksamkeit und daraus folgende höhere Absatzzahlen. Irgendwo logisch, oder?

KoRn

Wenn wir einen Schritt weiter gehen und uns auf den großen Dubstep Anteil des Albums im Speziellen beziehen, stellt sich natürlich die Frage, inwieweit das im Club oder generell bei Dubstep Hörern ankommen würde? Ich wage die Prognose, dass Path Of Totality größtenteils nicht ankommen würde. Zum Einen wäre da Davis’ berühmtes Gröhlen, das er auch auf diesem Album des Öfteren benutzt. Das passt irgendwie nicht zum elektronischen Sound. Das beste Beispiel hierfür ist Way Too Far. Andererseits gibt es auch Songs, die auch aus Dubstep Sicht bestechen können. Das ist erstmal natürlich Get Up!, daneben aber z.B. noch Tension, der Bonus Track des Albums.

Wie fällt also nun mein Fazit aus? Nun ja, das Album ist wirklich längst nicht so schlecht wie ich es zunächst erwartet habe. Die drei oben genannten Tracks sind mit Abstand die besten Tracks des Albums, passen einfach gut zueinander. Der Rest ist mir persönlich zu unausgegoren, vor allem im Bezug darauf, dass es eigentlich ein KoRn Album sein soll, aber dazu gleich nochmal ein paar Worte. Im Endeffekt weiß ich aber nicht, wem ich das Album in seiner Gesamtheit ans Herz legen könnte. Dafür ist es insgesamt zu unausgeglichen, es fehlt der rote Faden, die Struktur. Ursprünglich sollte dieses Experiment übrigens “nur” eine EP werden, nicht gleich ein vollständiges Album. Ich denke, dass es die falsche Entscheidung war, gleich ein komplettes Album zu machen. Als EP mit weniger Songs wäre das Material wahrscheinlich besser verdaulich gewesen. Es hätte sich unter Umständen auch nicht so gestreckt, man hätte viel besser auf den Punkt kommen können.

Abschließend nochmal ein paar Worte zu meinem Vorwurf, dass das Album kein echtes KoRn Album ist. Oben hab ich es ja bereits angesprochen. Neben Davis ist der Rest der Band ganz klar im Hintergrund, es gibt keine Gelegenheit für Munky und , in der sie glänzen können. Zu unauffällig ist ihr Einsatz. Das lässt mich darauf schließen, dass Jonathan Davis inzwischen die komplette Vormachtstellung in der Band eingenommen hat und er nun komplett alleine alles entscheidet, sodass die anderen Beiden nur noch als bessere Statisten fungieren. Verstärkt wird mein Eindruck dadurch, dass Davis in vergangen Interviews des Öfteren davon redet, dass The Path Of Totality “sein” Album sei. Innerhalb der Band scheint also keine Demokratie mehr zu herrschen.

Eben genannte Gründe lassen mich darauf schließen, dass das Album eigentlich nicht als KoRn Album betitelt werden sollte. Es ist im Kern eigentlich ein Soloprojekt von Jonathan Davis, in dem er mit verschiedenen Dubstep DJ’s zusammenarbeitet. Das finde ich sehr schade, ich hatte in der Vergangenheit gehofft, dass die Band hoffentlich noch einmal die Kurve bekommt, nachdem die letzten Jahre musikalisch sehr schwach verlaufen sind, wenn man mich fragt. Mittlerweile denke ich, dass KoRn so gut wie tot ist und damit auch ein ganzes Stück meiner Jugendkultur.