Der dieswöchige Song of the Week kommt aus Russland. Gestern wurde der neue (alte) Präsident gewählt; da verschlägt es mir fast die Sprache, so protestierten doch Tausende in ganz Russland gegen den einstigen KGB-Agenten und ehemaligen Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB. Naja, gute Referenzen hat er scheinbar, außerdem ist er körperlich gesund, was zu Sowietzeiten noch gefürchtet war; immerhin schießt er nicht auf das eigene Volk, sondern erweckt die Toten zum Leben.

Viele Menschen, die noch nicht tot sind, trotzdem Stimmzettel ausfüllten und NICHT für Putin stimmten, gibt es immernoch zu Tausenden, und einer von ihnen ist . Da mein Russisch leider nur nahezu fließend ist, sind mir auch kaum Informationen zugefallen. Aber ich weiß, dass er ein sehr versierter Künstler ist, er nicht nur rappen, sondern auch singen kann, er spielt Gitarre und hat Unterwäsche an, in der er bei seinen Protesten gegen das System, den künftigen Krempl-Despoten mit der Lizenz zum Tigerretten, oder die Polizei ziemlich gut, konsequent und glaubhaft klingt und aussieht. Für “Beleidigungen” (genaueres liegt der Redaktion nicht vor) ging er sogar einmal in den Knast.

Mir geht Politik sehr an die Substanz, jedoch will ich das hier vorgestellte Werk ein wenig umschreiben. Im Lied Cam (zu deutsch: Selbst, oder sinngemäß das Ich) geht es um ein Thema, das schon viele Künstler aufgriffen, nämlich das Selbstbestimmen des Lebens. Nur bekommt es bei Noize MC eine weit tragendere Rolle zugeschrieben, denn jenes ist für Russen, die ihre Flügel in einem korrputen Staat spannen wollen und keine harte Währung zur Einflussnahme besitzen, schon eine weitaus gefährlicheres und gar nicht selbstverständliches Gut. Meine Dolmetscherin (Dank an Katharina) versicherte mir, dass Einhockey in Russland ein Volkssport sei, jedoch kann ich dem Video einen gewissen Sarkasmus abringen. Alle spielen E-Hockey, Putin spielt E-Hockey, also MUSS Noize M. sich doch darüber lustig machen, oder nicht?

Auch wenn ihr, wie auch ich, kein Russisch versteht, das Werk, es ist instrumental sehr ausgereift und von Ohrwurmqualität, zu unterstützen ist es allemal wert. Und in der nächsten Woche: (Wahrscheinlich) Rap aus Syrien.