Murs & 9th Wonder

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Besser hätte das neue Jahr nicht starten können. Zumindest für mich. Wer einen Blick in meine Jahresbestenliste 2015 geworfen hat, könnte bemerkt haben, dass ich einen Faible für Murs habe. „Murs 3:16: The 9th Edition”, das erste Album mit Produzent 9th Wonder, erschien 2004 und gilt zurecht als Klassiker – zumindest für mich. Im Laufe der Zeit folgten diverse Projekte und drei weitere Alben mit 9th Wonder, aber Hand aufs Fan-Herz: An den Erstling der beiden kam keine der folgenden Scheiben heran. Und zu allem Übel sollte das 2012er Werk „The Final Adventure“ das (man ahnt es bereits) Letzte der beiden sein.

Murs & 9th Wonder - Brighter Daze

Nun erschien am 01.01.2016 mit „Brighter Daze” ein neues Album über Bandcamp – Kostenfrei! Ohne Vorankündigung! Und dann klingt das auch noch so überzeugend! Man darf mit Sicherheit behaupten, dass 9th Wonder durchaus auch schwache Phasen hatte. Für mich klingt dieses Album soundtechnisch jedoch wieder unglaublich fresh.

Anfang der Nullerjahre hatte es der Typ aus North Carolina geschafft, einen Trademark-Sound zu erschaffen, den man schon innerhalb weniger Sekunden nach dem ersten Anschlag erkannte. Soulfulle Beats und diese eine Snare. Nun hat 9th Wonder einen neuen Sound gefunden, der ihm und Partner Murs perfekt zu Gesicht steht. Immer noch sample-basiert, aber musikalischer. Die Drums sind differenzierter, bleiben im Hintergrund und lassen dem Rap den nötigen Platz.

Murs & 9th Wonder

Bildquelle: Facebook / Foto: Sarah Dope

Inhaltlich bleibt sich Murs treu. Es gibt Tales aus der Hood („How To Rob with Rob“), Berichte von der letzten Damenbekanntschaft („Lover Murs“) und eine versöhnliche Abrechnung mit der Ex-Frau („If This Should End“). Die ein oder andere Geschichte hat man so oder so ähnlich schon einmal zu hören bekommen, aber worüber beschwer ich mich? Das Album ist geschenkt und immer noch verdammt stark: Man höre nur mal Songs wie „No Shots“ mit einem, wie immer, großartigen Mac Miller oder die Pharcyde Hommage „Otha Fish“.

Für mich schafft „Brigther Daze“ eine Balance zum letztjährigen „Have A Nice Life“, macht aber auch klar, warum es bloß auf Bandcamp veröffentlicht wurde: Murs hat sich weiterentwickelt. Nach viereinhalb Alben ist die Luft raus und jeder, der sich ein zweites 3:16 wünscht, hat den Sprung in dieses gar nicht mehr so junge Jahrzehnt verpasst. Ich zitiere Samy Deluxe: „Du willst meinen alten Scheiß? Kauf mein altes Album“. Dennoch: „Brighter Daze“ ist ein geiles Album und gerade für diejenigen geeignet, die Murs bisher nicht auf dem Schirm hatten. Absolute Download-Empfehlung!