Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Das Hamburger Indie-Label Grand Hotel van Cleef, gegründet von Thees Uhlmann, Marcus Wiebusch und Reimer Burstorff, ist 15 Jahre alt geworden! Das gehörte natürlich gefeiert – mit einem großen Open Air am Großmarkt vor dem Mehr!Theater. Über 10.000 Menschen feierten zusammen mit Label, egal ob Sonne oder (zumeist) Regen (und davon nicht zu wenig).

An diesem Abend sollten vier Acts auf der Bühne stehen. Den Anfang machte das Trio Fortuna Ehrenfeld rund um den Produzenten Martin Bechler. Am gleichen Tag veröffentlichten die Kölner ihr zweites Studioalbum „Hey Sexy“ über GHvC, dementsprechend gab es am Vorabend wohl schon genug zu feiern, sodass Bechler im Schlafanzug und mit Bärentatzenschuhen auf die Bühne kam. Optisch ist die Band ohnehin immer ein Hingucker und so gab es hier bereits zu Beginn eine Menge zu lachen – insbesondere bei den Zwischenansprachen.

Auch musikalisch wussten sie zu überzeugen – wenn man eben den Zugang zu dieser etwas speziellen Musik findet. Das Highlight gab es aber zweifelsohne zum Ende des Sets hin mit dem Song „Hundeherz“. Die Zeile „Mit’m Kopfsprung in Dein Hundeherz“ ist eine so wunderbare Songzeile, die sich sofort im Kopf einbrennt, einen nicht mehr loslässt und vollumfänglich in diesen Anlass hineinpasst.

Daraufhin wurde es deutlich ruhiger: Gisbert zu Knyphausen übernahm die Bühne und spielte ein intimes Akustik-Set. Der Wiesbadener, der eigentlich über [PIAS] veröffentlicht, ist selbst schon eine gewisse Kultfigur in der deutschen Musiklandschaft, dementsprechend kam sein Set auch bei den Zuschauern an.

Nun durfte es so langsam ans wirklich Eingemachte gehen: Die Label-Gründer waren nun gefragt. Doch, Moment: Erst eine kleine Überraschung! Der Seemannschor Hannover betrat die Bühne. St.-Pauli-Fangesänge, Coversionen von Thees‘ „Zum Laichen und Sterben ziehn die Lachse den Fluss hinauf“ und Kettcars „Landungsbrücken raus“ – das war eine feine Überraschung!

Nun aber wirklich zu Kettcar. Inzwischen regnete es wie aus allen möglichen Kübeln. Ob das die Menschenmenge davon abhielt, sich von der Kult-Band begeistern zu lassen? Natürlich nicht! Die Stimmung war großartig! Gänsehautstimmung war dann vor allem bei der Performance der neuen Single „Sommer ’89 (Er schnitt Löcher in den Zaun)“ angesagt, die live bereits sehr gut funktioniert und mit der Kettcar in eine deutlich andere Kerbe schlagen, als man es bisher von ihnen gewohnt war.

Anderthalb Stunden dauerte das Set, in denen die Gruppe Songs quer durch die Diskographie spielte. Ob nun gleich zu Beginn mit „Deiche“, gegen Mitte des Auftritts mit „Money Left to Burn“ oder am Ende mit „Landungsbrücken raus“ und „Mein Skateboard kriegt mein Zahnarzt“ – da war alles mit dabei und eigentlich hätte es auch gar nicht enden brauchen.

Gerne hätte allerdings der Regen enden können; tat er aber nicht. Auch Headliner Thees Uhlmann spielte mit seiner Band zu Beginn im strömenden Wolkenbruch. Sicherlich: Das Fest van Cleef fand am gleichen Wochenende statt, an denen das Highfield Festival, das Chiemsee Summer, das Green Juice Festival und zig weitere Veranstaltungen bis zur (teilweisen) Absage abgesoffen sind – im Nachhinein konnten wir uns also alle noch glücklich schätzen, dass es in Hamburg zur Abwechslung mal nur halb so wild war.

Doch zurück zu Thees: Die Gruppe begann ihr abschließendes Set mit „Die Toten auf dem Rücksitz“ – eine kleine Überraschung direkt zu Beginn, war dieser Song in den vergangenen Jahren immer am Ende jeder Setlist zu finden. Das sollte aber bei weitem nicht die einzige Überraschung sein. Während „Zugvögel“ wird auf dem Bildschirm hinter der Band ein Zugvögel-Video abgespielt – so offensichtlich, wie es genauso passend und schön ist.

Über den Abend hinweg spielten Thees und seine Band auch insgesamt vier Tome-Songs. Für „Das hier ist Fußball“ kam auch der Seemannschor Hannover nochmal auf die Bühne. Mit der Zeit verzog sich sogar der Regen. Einen großen Unterschied machte das an den vollständig vollgesogenen Klamotten nicht mehr, aber das interessierte ohnehin nicht so wirklich.

Zum Abschluss des Fest van Cleef spielte Thees als Zugabe noch ein Tomte-Cover von „Die Schönheit der Chance“ – ganz alleine stand er dabei auf der Bühne. Ein schönes und – trotz der über 10.000 Menschen auf dem Gelände – intimes Ende eines wunderbaren Abends. Komplett durchnässt, aber glücklich. So lässt sich dieses Open Air passend zusammenfassen.