20 Jahre Rookie Records 71

Fotos: Charles Engelken & Marcel Sigmann, noisiv.de

Rookie Records ist nicht irgendein deutsches Indie-Label, denn wer sich 20 Jahre lang im schnelllebigen Musikgeschäft halten kann und dabei Musik abseits des Mainstreams vermarktet, trägt eine besondere Geschichte in sich. Das ist auch bei dem Punk-Urgestein der Fall, welches die meiste Zeit über in Köln beheimatet war und inzwischen in Hamburg zu Hause ist.

In Köln gab es am zweiten April bereits ein Rookie Fest zum 20. Geburtstag, am vergangenen Samstag, dem dritten September, war dann auch Hamburg an der Reihe. Im Knust gaben sich alte und neue Weggefährten die Klinke in die Hand – namentlich Schreng Schreng & La La und Illegale Farben als neuere Rookie-Vertreter sowie Walter Elf und die Spermberds als alte Haudegen.

Darüber hinaus: Eine Crowd von jung bis alt – Punker durch und durch, so weit das Auge reicht. Menschen, die den Werdegang von Rookie Records verfolgen und mit den Label-Machern Jürgen Schattner und Anne Dillmann zusammen feiern wollten. Beste Voraussetzungen also für einen wunderbaren Punk-Abend!

La Schreng und Walter Elf: Wenn Jörkk Mechenbier zu den jungen Hüpfern zählt

20 Jahre Rookie Records 08 Schreng Schreng und La La

Mit Schreng Schreng & La La begann der musikalische Abend. Neben einer Dreiviertelstunde voller starker Akustik-Punk-Songs des Duos ließ sich Sänger Jörkk Mechenbier das Witzeln natürlich nicht nehmen. Hauptthema: Wieder einmal sein Alter. Wie beim Angst macht keinen Lärm in Potsdam erzählte er, dass er keine Witze mehr über sein Alter und seine Verfassung machen dürfe. Dazu hatte er aber auch keinen Grund: Viel eher war er freudig darüber erregt, dass er ja noch zur jüngeren Generation gehören würde. Auch davon ab waren Jörkk und Lasse, wie immer, höchst sympathisch unterwegs. Lasse gab sich schüchtern sowie gleichermaßen offenherzig betrunken und sie erzählten von den besten zweieinhalb Stunden Bahn-Verspätung, die sie jemals hatten.

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20 Jahre Rookie Records 15 Schreng Schreng und La La

Neben all den Erzählungen gab es natürlich auch die angesprochenen Songs zu hören: Von „Dschungelkoffer“ über „Natalie“ bis hin zur Düsseldorf-Hommage „Oberblik“. Besonders stach jedoch das Buffalo-Tom-Cover von „Summer“ heraus, das sich Lasse voller Inbrunst von der Seele sang und einen vollends verknallt schauenden Jörkk hinterließ. Das Publikum wusste all dem wunderbar zu danken, indem der Applaus nach jedem Song lauter wurde und sie die beiden am Ende kaum noch gehen lassen wollten.

20 Jahre Rookie Records 25 Walter Elf 20 Jahre Rookie Records 20 Walter Elf

Nach der Umbaupause kamen Walter Elf auf die Bühne – die Band, bei der auch Rookie-Macher Jürgen Schattner Gitarre spielt. Das passt dann natürlich, wie die Faust aufs Auge! Den Anlass nutzte die Band dann auch, um ihren Song „Peter ist ein Arschloch“ umzutexten. Das Ergebnis: „Jürgen ist ein Arschloch“!

Überhaupt waren Walter Elf mit ihrem klassischen Deutschpunk wohl genau das Richtige für das Publikum. Vor allem diejenigen, die seit ewigen Jahren dabei sind, rasteten vollkommen aus und brüllten jeden Song überschwenglich mit. Alleine das war absolut herrlich anzusehen und auch für einen großen Teil des Spaßes verantwortlich – die Chemie zwischen Band und Publikum war schlichtweg absolut klasse!

Illegale Farben und Spermbirds: Der Abriss zum Finale

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Die Illegalen Farben aus Köln hatten dann den undankbaren Job, zwischen Walter Elf und Spermbirds auf der Bühne zu spielen. Dass der Job tatsächlich nicht einfach war, zeigte sich ziemlich schnell: War die Crowd bei Walter Elf noch extrem gut gelaunt, hielten sie sich bei den Illegalen Farben zurück und der typische Halbkreis vor der Bühne war wieder da.

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Die Band hat sich davon aber beileibe nicht entmutigen lassen. Stattdessen spielten sie sich, wie man es von ihnen kennt, die Seele aus dem Leib. Thom, Sänger der Gruppe, bewegte sich unermüdlich und sprang ständig vor der Bühne umher, um mit der Crowd auf Tuchfühlung zu gehen. Das kam an, sodass die Leute nach einigen Songs auftauten und immer mehr tatsächlich tanzten. Da haben sich die Farben also ein paar neue Fans erspielt und so konnten sie dann auch mit gutem Gewissen ihr Set mit ihrem selbstbetitelten Song „Illegale Farben“ beenden.

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Dann das große Finale: Die Spermbirds! Hardcore-Punk der alten Schule war angesagt! Es wurde laut, es wurde schnell, die Temperaturen im Knust stiegen auf astronomische Höhen. Das Publikum ist irrsinnig durchgedreht – Stagediving, Crowdsurfing, Textsicherheit – da war alles gegeben!

Spätestens hier hat sich gezeigt, dass eine Menge Leute beim Rookie Fest waren, die das Label seit Jahren begleiten und überhaupt: Nicht umsonst genießen die Spermbirds in der Szene ein sehr hohes Ansehen und das bewiesen sie an dem Abend mit Bravur! Klassiker, wie „You’re not a punk“ schlugen wie ein Brett ein und trieben die Crowd immer weiter. Nach einer Zugabe gingen sie sichtlich zufrieden von der Bühne, während das Publikum nicht genug bekam und noch eine Zugabe wollte.

Ein großartiger Abend für ein großartiges Label

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Die Menschen hinter Rookie Records: Anne Dillmann und Jürgen Schattner

Spätestens nach dem Rookie Fest ist klar, dass Rookie Records ein vielseitiges Label mit einer großen Anzahl toller Bands ist (schaut euch alleine mal ihre Band-Übersicht an). Da treffen sich klassischer Punk und Hardcore mit modernen Ausrichtungen. Diese Vielseitigkeit und Geschmackssicherheit ist wohl einzigartig in der deutschen Label-Landschaft – da spielen nur ganz wenige andere Labels auf diesem Niveau mit.

Wenn man dann auf dem Rookie Fest dabei ist, zur Seite blickt und in die zufriedenen und glücklichen Blicke von Anne und Jürgen schaut, dann weiß man: Die sind ungelogen mit Herz und Seele bei der Sache. Da geht es nicht ums große Geld oder um den schnellen Fame, sondern um ehrliche Musik und Leidenschaft gegenüber einer Subkultur, die sie selbst stark geprägt hat.

Letztlich muss man den beiden von Herzen (und für mich ist es eine Herzensangelegenheit) dafür danken, dass sie Rookie Records zu dem machen, was es ist: Ein ehrliches Punk-Label mit Hand und Fuß! Danke, dass ihr das organisiert habt und überhaupt: Danke, dass ihr all das macht!

Konzertfotos: 20 Jahre Rookie Records im Knust

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