So richtig leicht gemacht hat es uns Gerard noch nie. Zumindest seit seinem unglaublichen Album „Blausicht“, das mich erst so richtig neugierig auf den österreichischen Künstler machte. Seine Alben fordern die Hörgewohnheiten heraus und regen zum Drübernachdenken an. Das ändert sich auch nicht mit seinem neuesten Streich namens „AAA“ (die Bedeutung ist variabel), der auf Gerards eigenem neuen Label Futuresfuture erscheint.

Puh. So weit meine Review. Irgendwie hänge ich schon seit Tagen am nächsten Absatz. Selten habe ich ähnliche Probleme dabei gehabt meine Gedanken über ein Stück Musik zu einem sinnvollen Text zusammenzufügen. Aber was denke ich eigentlich? Gar nicht so einfach bei diesem Album.

Auf musikalischer Ebene wird es nämlich, äh, eingängig. Nach dem merkwürdig verträumten Intro geht es mit „Mehr“ auf den Dancefloor. Das ist cheesy formuliert und tatsächlich wirkt auch der Song zunächst wie eine zu große Cola-Light auf nüchternen Magen. Ähnliche Gefühle werden mich übrigens noch häufiger überwältigen… Auf diesen Zuckerschock folgt sofort „Konichiwa“. Finde ich super und ich freue mich schon darauf diesen Song live zu erleben. So erste-Reihe-mäßig und Pogo.

Weiter geht es mit „Play / Skip“ (Dank Naked Cameo mit dem besten Chorus auf „AAA“) und der ersten Single „Luftlöcher“. Die drei Songs stellen wohl den stärksten Block des Albums. Für mich unerträglich ist „Fliege Davon“. Sorry. Den Song skippe ich konsequent und lausche lieber der Story von „The Streets“ – anscheinend ist nicht nur Fatoni Fan von Mike Skinner. Vielleicht ist dies sogar der beste Song vom Album. Es geht um die Noch-nicht-Trennung von Gerard und seiner Freundin: „Ich glaub‘, du hast noch immer nicht verstanden, was es heißt, wenn ich jetzt sag‘, dass ich bald geh’“.

Spannend wird es dann erst wieder mit „Moonbootica Mond“. Nur diese Synths nerven langsam. Mit „Eins zu eins“ und „Frösche“ geht das Album dann unspektakulär zu Ende. Hm.

Zu den Lyrics: Diese sind immer noch der ganz große Pluspunkt. Gerard ist ein verdammt guter Beobachter seiner Umwelt und auch seiner eigenen Gefühlswelt. Man könnte behaupten, dass manche Themen schon zu Genüge bearbeitet wurden. Zum Glück schafft es der Rapper dennoch, Spannung zu erzeugen und Plattitüden zu vermeiden.

Dies gelingt auf musikalischer Ebene seltener. Entstanden sind die Songs auf „AAA“ mit dem Musiker Nathan und Albin Janoska, der schon mit SOHN zusammengearbeitet hat. Das Album ist dann auch dementsprechend top produziert – so vom Sound an sich. Dennoch würde ich nicht behaupten, dass die meisten Songs raffiniert ausproduziert wurden. Eher gefällig. Etwas eintönig auf die gesamte Spieldauer. Schade. Ein bisschen Verschrobenheit und Zeitgeist im Sound hätte dem Album sicher gut getan.

Foto: kidizinsane

Bin ich nun enttäuscht von „AAA“? Nein. Ich bin weiter Fan von Gerard und wahrscheinlich werde ich dieses Album sogar häufiger hören, als seinen Vorgänger – jedenfalls das Gros der Titel. Denn hat man sich einmal an diesen Sound gewöhnt, bestechen immerhin noch die Lyrics und machen vieles wieder wett. Vermutlich würde ich mich mit der Platte auch nicht so intensiv beschäftigen, wenn ich Gerard nicht so schätzen wirde. Für mich gibt es sonst wenige Texter, die ähnlich on point schreiben. Daher: Absolute Kaufempfehlung.

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