40 Jahre Knust Hamburg: Adam Angst

Das Knust ist eines der Urgesteine der Hamburger Club-Landschaft und behauptet sich nach wie vor erfolgreich gegen das gentrifizierungsbedingte Club-Sterben der letzten Jahre. Nun feierte es das 40-jährige Bestehen und wie lässt sich so etwas angemessener machen, als mit einem eigenen Open Air? Dachten sich auch die Veranstalter. Mit Liza&Kay, Fortuna Ehrenfeld, Adam Angst sowie Kettcar wurde einiges aus dem Ensemble des Hamburger Labels Grand Hotel van Cleef geboten und der Hamburger Kneipenchor (den ich leider verpasste) stattete dem Knust auch noch einen Besuch ab.

Indie-Pop und Kölner Singer/Songwriter-Elektro-Mix zum Warmwerden

40 Jahre Knust Hamburg: Liza&Kay

Um 15 Uhr wurden die Türen geöffnet, kurz vor 17 Uhr kam ich genau rechtzeitig zu Liza&Kay an. Gerade nochmal Glück gehabt, also erstmal ein Weizenbier auf meine zeitliche Genauigkeit – ab und an muss man sich auch mal selbst belohnen. Anschließend direkt zur Bühne gestapft, da stand sie auch: Die Band rund um das Duo. Ich kannte die Musik der Gruppe im Vorfeld nicht und lies mich demnach überraschen. Bei schönstem Sonnenschein verzauberten sie die Menge vor der Bühne mit wunderbarem Indie-Pop. Gegen Ende des Sets gelang dann auch eine Singalong-Aktion. So lässt es sich doch bestens in ein Open Air starten!

40 Jahre Knust Hamburg: Fortuna Ehrenfeld

Danach wurde es musikalisch wild: Fortuna Ehrenfeld betraten die Bühne nach der obligatorischen Umbaupause. Sie stammen aus Köln und präsentieren sich gerne etwas extravagant, wie Sänger Martin Bechler mit seinen beiden Federboas klar machte. Die Musik – auf dem Album ein vergleichsweise ruhiger Mix aus Elektro und Singer/Songwriter, während es live viel stärker nach vorn geht – macht live unerwartet viel Spaß und weiß mit schrägen Sauf-Lyrics und Arrangements zu gefallen.

Durchdrehen, durchdrehen!

40 Jahre Knust Hamburg: Adam Angst

Ernster wurde es hingegen im Anschluss, denn Adam Angst übernahmen. Felix Schönfuss nimmt die Westerngitarre in die Hand und schmettert seine Anti-AfD-Hymne: „Und wenn ich etwas wirklich hasse, dann die AfD“. Gute Laune war im Publikum somit vorprogrammiert. Nun ging es an den regulären Teil des Sets, der (wie es bei der Band üblich ist) mit „Jesus Christus“ eingeleitet und später mit „Splitter von Granaten“ beendet wurde. Zwischendrin gab es mit „Wir werden alle sterben“ einen bärenstarken neuen Song vom kommenden zweiten Album. Dieser wurde frenetisch von der Crowd gefeiert und auch das weiterhin großartige Wetter hob die allgemeine Stimmung immer weiter.

Den Hamburger Kneipenchor verpasste ich dann aufgrund einer einsetzenden Hungerattacke (Grundlage, Leute! Immens wichtig!), sodass es dann bei Kettcar direkt zum Höhepunkt des Abends kam. Die Band, die mich 2012 beim Deichbrand Festival noch sehr enttäuschte, ist eine lebende Hamburger Musiklegende und das wusste das Publikum über den gesamten Auftritt hinweg entsprechend zu feiern. Fast jeder Song wurde lauthals mitgesungen. Die Ankündigung, dass man an einem neuen Album arbeite, lies die Leute nur noch stärker in ihren Glücksgefühlen schwallen. Das wiederum motivierte Kettcar offensichtlich zu Höchstleistungen, die somit einen großartigen Auftritt hinlegten und dem Open Air einen würdigen Abschluss verpassten.

Ein besonderes Open Air für einen besonderen Club

40 Jahre Knust Hamburg: Kettcar

Das Knust schleppt ein ganzes Stück Hamburger Musikgeschichte mit sich durch die Prärie. Es geht kaum angemessener, als das 40-jährige Bestehen dann mit einem eigenen Open Air zu feiern. An allen Ecken und Enden funktionierte das 40 Jahre Knust Open Air ganz wunderbar. Das, durch beinahe alle Altersklassen gemischte, Publikum war in bester Feierlaune, die Bands spielten tolle Auftritte, der Sound stimmte und auch alle weiteren Rahmenbedingungen stimmten. Ein so perfekt funktionierendes und offensichtlich kompetent geplantes Open Air habe ich selten gesehen.

Mir bleibt einzig und allein übrig, dem Knust und allen Beteiligten nochmals meine herzlichsten Glückwünsche für das Jubiläum zu übermitteln. Auf die nächsten 40 Jahre – und hoffentlich noch viele weitere im Anschluss!