Foto: Mischa Lorenz

Ach, ist es nicht schön ein lang ersehntes Album endlich in den Händen halten zu können? Und dann überkommt einen die Aufregung, ob es den hohen Erwartungen entsprechen kann oder es sich doch zu einer totalen Enttäuschung wendet. Jene hohen Erwartungen hatte ich an „Denen Die Wir Waren“, das neue Album von 8kids, und konnte es daher kaum abwarten, reinhören zu können. Mit ihrer phänomenalen Debüt-EP „Dämonen“ hatte das Trio die Messlatte ja schon echt ordentlich hoch gelegt. Nun halte ich das gute Stück virtuell endlich in meinen Händen und ihr könnt erfahren, ob sich die Freude gelohnt hat.

Die Achterbahnfahrt der Gefühle beginnt mit dem Intro des Albums, was sowohl langsam, als auch sehr dramatisch auf den ersten Song des Albums namens „Bordsteinrand“ vorbereitet. Hier wird gleich ein rauer Ton angeschlagen. Jedoch zeigt sich schon bald, dass hinter jedem wütenden Klang auch ein gebrochenes Herz versteckt ist. Nach dem raschen Anfang wird es doch schnell wieder ruhiger und über den Verlust und die Dunkelheit, die dieser mit sich zieht, gesungen. Doch wie es sich für eine gute Achterbahn gehört, kommt mit dem nächsten Song „Über Den Berg“ ein etwas Song, der wieder ein bisschen aufbaut. „Doch die Schatten der Vergangenheit weichen irgendwann dem Sonnenschein…“ mit diesen Worten lässt es sich doch gleich besser in die Zukunft blicken! Auch instrumental geht es hier mehr nach vorn und motiviert einen zum langsamen Mitwippen.

Dann wird es ruhig und ein leises Keyboard erklingt, danach die Stimme von Sänger Jonas. So beginnt „Ich Kann Die Welt Spüren“ und damit eine wundervolle fünfminütige Hommage an den Zusammenhalt zwischen Freunden oder Liebhabern, der einen neue Lebenslust einhaucht. Und nach jedem Hoch kommt auch wieder ein Tief. Aber keine Angst, so tief wird es noch nicht. Die Songs „In Den Sternen“ und „Zeit“ treiben erstmal auf ruhigem Gewässer vor sich her und lassen einen in ihren Lyrics und Instrumenten versinken.

Aufgeweckt wird man dann wieder vom Song „Zerbrechen“. Ein sehr roher, wütender und schneller Song, der vom Stil ganz aus dem Schema fällt, was man von dem Trio gewöhnt ist. Vom üblichen Sprechgesang ist nur noch ein Schreien geblieben. Mit „Biltzeinschlag“ wurde uns ein Song geschenkt, der in den Strophen zwar doch auch sehr rau wirkt, aber dann im Refrain eher die Pop-Rock Richtung einschlägt.

„Kamintrophäre“ geht raus an die Menschen, die immer noch meinen, dass Mobbing cool wäre. Hier schwingt auch wieder eine gewaltige Portion Wut und Ironie mit. Meiner Meinung nach wird die Message des Songs einfach so unglaublich gut dargestellt. Nachdem der letzte Wut nun in die Welt getragen wurde, beenden 8kids ihr Album mit drei weiteren ruhigeren Tracks. Allesamt setzen sich mit dem Dunkeln im Inneren eines Menschen und auch Selbstmord auseinander. Und damit endet die turbulente Achterbahnfahrt.

Und was treibt Menschen an?
Sind es Geschichten, die nie enden oder die, die nie anfangen?
Was soll ich sagen? Ich nenne keine Namen,
denn alle suchen das, was sie als Kinder nie bekamen!

8kids – Vis-à-vis

Wie zu erwarten ist das Album voll von Liebe, Trauer, Verzweiflung und Wut. So viele Emotionen in eine stimmige Verpackung zu stecken ist schwer, aber auf „Denen Die Wir Waren“ beweisen 8kids, dass es sehr wohl möglich ist. Das Album hat eine enorme musikalische Bandbreite, in der gezeigt wird, dass das Trio sowohl rotzige Punk-Rock-Nummern als auch ruhige Balladen schreiben kann. Das Album zeigt auf einer Länge von 52 Minuten einen tiefen Einblick in ein kompliziertes Seelenleben, welches durch wunderbare Texte zum Ausdruck gebracht wird.

Kurzum: Hat sich das Warten gelohnt? Aber auf jeden Fall! Für mich ist das Album das wohl beste deutschsprachige Release des bisherigen Jahres.

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