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2016 ist zwar noch nicht ganz vorbei, aber ich habe keine Angst zu behaupten, dass Abramowicz eine meiner Top-Bands des Jahres ist. Die fünf Jungs sind Sänger Sören, Nils (Drums), Niki (Bass/Vocals), Sascha (Gitarre/Vocals) und Finn (Pianist). Ihre Texte sind ehrlich und lyrisch, der Sound eine Mischung aus Indie und Pop und einer guten Portion althergebrachten amerikanischen Rock. Irgendwo zwischen Bruce Springsteen und The Gaslight Anthem findet man Abramowicz. Als Molotow-Haus-Band beschimpft, haben sich die fünf Jungs bereits als Support-Acts von John Coffey und The Subways auf die großen Bühnen gekämpft. Völlig zu Recht!

Im Rahmen des Oakfield Festivals habe ich Sören, Nils, Niki, Sascha und Finn getroffen und ihnen bei ein bis zwei Kaltgetränken ein paar Fragen gestellt. Ab dafür!

2010 ward ihr noch zu dritt, Sören, Niki und Nils, seit 2014 sind Sascha und Finn dabei, haben die beiden da angefangen im Molotow zu arbeiten?

Alle: Nein!

Nils: Wie fangen wir da am Besten an? Irgendwann hatte Sören die Idee, das Bandprojekt zu erweitern und hat dann Sascha gefragt, ob er bei uns Gitarre spielen will.

Niki: Ich fand das scheiße, ich wollte eigentlich dass wir ne Dreier-Kombi bleiben. Ich kannte Sascha da halt noch nicht. Dann hat Sascha uns mal für eine Veranstaltung in der ehemaligen Molotow Bar gebucht und dann kam Sören bei mir an und meinte „hier, das ist Sascha, unser neuer Gitarrist“ und ich meinte nur „Nix“. Da hatte Sascha erst mal ordentlich Angst vor mir.

Nils: Dann kam Sascha einen Monat später zu einer Probe und da haben wir ihn lieben gelernt.

Abramowicz auf dem Oakfield Festival

Abramowicz auf dem Oakfield Festival

Niki: Ich war bei der Probe gar nicht da, ich hatte Geburtstag.

Nils: Und Sascha hat gedacht, Niki kommt jetzt nicht weil er da ist.

Sören: Kurze Anekdote noch meinerseits und zwar hab ich Sascha einfach gefragt, „Glaubst Du, Du kannst besser Gitarre spielen, als ich?“ und er hat gesagt „Ja, auf jeden Fall!“. Daraufhin meinte ich „Geil! Dann kannst du bei uns mitspielen, denn wenn Du schlechter wärst, dann bräuchten wir Dich nicht.“

Nils: Genau, und dann kam Finn auch noch mit’m Klavier dazu.

Niki: Nach ewigem Warten!

Nils: Wir haben ihn, glaub ich, zu acht Proben eingeladen und er ist nie aufgetaucht. Dann haben wir gesagt, so jetzt letzte Chance! Wir haben extra ne Orgel aus’m alten Michel gekauft, wo Finn die ersten Male immer dran geübt hat.

Weil er es vorher noch nicht konnte?

Nils: Doch, er hat ne klassische Musikausbildung, was man nicht immer so merkt, aber sie ist da. Das hat uns auch noch mal voll nach vorn gebracht und macht jetzt auch unseren Sound aus – also, dass wir zu fünft sind.

Sören: Wer sein Instrument überhaupt nicht beherrscht hat war Nils. Ich hab ihn nämlich einfach gefragt, „Hey Nils, wollen wir ne Band machen, du bist ja mein Bruder“ und er meinte, er könne ja gar nichts spielen. Ich meinte, „Ich brauche einen Schlagzeuger, das kannst Du ja lernen“. Deshalb hat sich das Projekt Abramowicz auch so lange hingezogen, bis wir überhaupt mal n Song schreiben konnten.

Sascha: Bei dem Konzert, was ich organisiert hab und wo noch nicht Teil der Band war, hing neben dem Schlagzeug noch ein Zettel mit „Boom, Chack, Boom, Chack / Boom Boom Boom Chack“.

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Okay, also ist es ein Gerücht, dass ihr alle im Molotow arbeitet?

Nils: Sören, Niki und ich arbeiten da. Sascha und Finn haben aber auch mal im Molotow gearbeitet. Also, wir haben alle mal im Molotow gearbeitet.

Ist das Molotow eine kleine Bandschmiede?

Sören: Es ist auf jeden Fall so, dass gerade zu Anfangszeiten, als wir dann zu fünft waren und unsere ersten Songs geschrieben hatten, dass wir auch mal Support von irgendwelchen Bands spielen durften. Für die Möglichkeit sind wir sehr dankbar. Es ist schon so, dass wir durch das Molotow unsere ersten Live-Erfahrungen sammeln konnten.

Nils: Natürlich ist es auch immer eine Inspirationsquelle, man kann sich halt super viele Konzerte umsonst angucken.

Eure EP „Call The Judges“ wurde Ende Mai veröffentlicht. Dazu gab es eine Release-Party im Rock Cafe St. Pauli, warum denn nicht gleich übertreiben und die Release-Party im Molotow machen?

Nils: Von der Größe her ist es ja tatsächlich das Gleiche.

Sören: Richtig, das war auch ein bisschen Konzept. Wir wurden halt schon viel darauf angesprochen. Früher hieß es sogar „Molotow-Haus-Band“ und da wollten wir uns einfach von distanzieren.

„Wir glauben einfach, dass wir mehr sind als eine Support-Band für’s Molotow.”

Daher haben wir bewusst gesagt, wir machen es nicht dort, um den Leuten der Hamburger Szene oder Leuten, die zu unseren Konzerten kommen zu zeigen, dass wir auch woanders spielen können. Und der Laden war trotzdem ausverkauft.

Ist es ein Unterschied vor so vielen Freunden zu spielen als beispielsweise auf Festivals?

Sascha: Klar ist es was besonderes, gerade eine Release-Show in der Hometown zu spielen, keine Frage. Aber vom Ding her ist es für mich persönlich so, dass ich tatsächlich vor jeder Show zehn Minuten nervös bin. Dann geht man auf die Bühne, spielt sein Set runter und hat dabei so viel Spaß, dass man es vergisst. Vom Spielgefühl her ist es schon etwas besonderes, aber letztendlich versuchen wir bei jeder Show alles rauszuholen. Keine Frage!

Sören: Es ist auf jeden Fall was anderes, nicht mal wegen der Leute, sondern eben weil Du den Laden kennst. Du kommst wahrscheinlich gerade aus Deiner Bude und fährst zu dem Konzert. Wenn du jetzt irgendwo in Freiburg oder so spielst, dann nimmst Du, was dieses Tour-Leben generell angeht, auch viel mehr mit. Da erlebst du einfach andere Sachen, als wenn du in Deiner Heimatstadt spielst.

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Euer Video zu „Bluetown“ wurde in Eckernförde gedreht und ist in vier verschiedenen Takes zu sehen. Wie kam es zu der Idee und wie war es für euch?

Niki: Insgesamt waren es sieben Takes, das war echt mega anstrengend.

Finn: Das war wirklich anstrengend, dazu war es im April. Die Sonne hat zwar geschienen, aber es war arschkalt und wir mussten richtig viel laufen und öfter mal rennen, weil wir als Band in dem Video öfter mal vorkommen. Sören läuft ja die ganze Zeit mit dem Timo zusammen und zwischendurch mussten wir als Band immer ganz viel rennen, damit wir dahinten an der Ecke auch gleich wieder am Start sind und ihm den Schnaps präsentieren können. Warum diese vier Takes in dem Video sind lag daran, dass Julian Krätzig, der das Video gemacht hat, uns alle vier Takes in einem Video geschickt hat, obwohl wir eigentlich nur eins wollten. Sportclub Rotter Damm [Label] fand das aber irgendwie geil und so ist dann eigentlich das Video entstanden.

Niki: Ich konnte an dem Tag nicht mal richtig laufen, weil ich gehumpelt bin. Furchtbar! Das mache ich nie wieder!

Sascha: Am Ende mussten wir uns jedenfalls in der Sparkasse Eckernförde aufwärmen.

Sören: Aber das Geile war: Ich bin dann irgendwann zum Zigarettenautomaten, weil wir unbedingt Kippen brauchten. Es hatte halt keiner mehr Kippen, weil alles so aufregend war und wir die ganze Zeit geraucht haben. Ich hatte sechs Euro in der Tasche und wollte eine Schachtel holen, guck auf den Automaten und da stand: „Kredit 35 Euro“. Also hab ich erst mal sieben Schachteln Kippen gezogen und dachte, das ist der beste Tag meines Lebens (alle lachen).

Wann kommt denn das Album, auf das alle warten?

Niki: Morgen!

Nils: Bäm! Und mehr dürfen wir dazu auch nicht sagen.

Finn: Dauert noch, aber es wird kommen und es wird großartig!

Was glaubt ihr, an welchem Punkt ihr euch gerade befindet?

Sören: Also, ich glaube für mich, wenn ich das so betrachte, sind wir, dafür, dass wir ja eigentlich erst zwei EPs veröffentlicht haben, schon richtig weit gekommen. Wir durften innerhalb der letzten eineinhalb Jahren super viele Konzerte spielen, super viele Städte sehen, super viele Leute kennenlernen. Das alles ist schon mal super großartig. Gleichzeitig sind wir, glaube ich, alle so, dass wir eben weil wir noch kein Album gemacht haben, mehr wollen, als das, was wir bisher erlebt haben.

„Ich glaube, wir haben jetzt schon super viel mitgenommen und sind sehr dankbar dafür, was wir bisher alles erleben durften.”

Aber ich würde behaupten, wir sind nicht so drauf, dass es schon das Ende der Fahnenstange ist, eher der Anfang.

Niki: Wir haben den ersten Schritt gemacht, und darauf bauen wir jetzt auf.

Sascha: Darf ich dazu was sagen? Ich sehe das so: Wir sind gerade im Schwimmbad auf dem Sprungbrett und dürfen jetzt bloß nicht runter fliegen bis wir abspringen!

Möchtet ihr noch was loswerden?

Alle: Liebe Grüße an Ralf R.! [Ralf ist Fan der ersten Stunde und unterstützt die Jungs, indem er immer wieder ihre Platten kauft und diese an seine Freunde verschenkt.]


Jungs, ihr werdet noch ganz groß! Ich danke euch für das geile Interview und freue mich schon auf eure nächste Show!

Fotogalerie: Abramowicz beim Oakfield Festival

Abramowicz auf Tour mit Coppersky

  • 17.11. – DE: Koblenz, Circus Maximus
  • 18.11. – DE: Trier, Exhaus
  • 20.11. – CH: Solothurn, Kulturfabrik Kofmehl
  • 21.11. – DE: Mainz, Kulturcafé Campus Uni
  • 22.11. – DE: Stuttgart, Goldmark’s
  • 23.11. – DE: Dresden, Chemiefabrik
  • 24.11. – DE: Leipzig, die naTo
  • 25.11. – DE: Hannover, Béi Chéz Heinz
  • 26.11. – DE: Oberhausen, Druckluft

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