Dass das Hamburger Indie-Institut vom Grand Hotel van Cleef uns mit Adam Angst ordentlich Epos um die Ohren knallen will, ließ sich im ersten Albumtrailer bereits erahnen. Die ersten Takte des sich aufbäumenden Songs und der nette Clou, den Trailer mit Felix Schönfuss‘ Ansetzen zum Krakehlen abzubrechen, machten die Escapado- und Frau Potz-Anhänger heiß auf das neue Projekt des Niedersachsen. Wenn wir heute die selbstbetitelte Debüt-LP von Adam Angst auf die Boxen loslassen und ebenjener Opener erklingt, wissen wir endlich: Das Ding ist nicht nur episch, es ist fucking „Jesus Christus“ und euer Jesus hat die Schnauze voll und hat Bock auf Gewalt! Hallelujah!

angstFelix Schönfuss kommt zurück, sein Herz mit Hass erfüllt und sein Sound mit Punk getränkt. Das ließ sich schon auf der Vorabsingle „Ja Ja, ich weiß“ erahnen – wir berichteten – und funktioniert auf Albumlänge tadellos. In den 11 Songs präsentiert Schönfuss uns gitarrenlastigen, durchdachten Punkrock mit Indie-Anleihen und Wut im Bauch – musikalisch wie textlich. Wut auf Stammtischparolendrescher, Wut auf verdummende Presse- und Medienorgane, Wut auf die Zustände. Er zeigt sich auf „Adam Angst“ als Freund klarer Worte – was im Sound durchaus an Gruppen wie Turbostaat erinnert, unterscheidet sich eklatant in der Sprachwahl, sodass eher Erinnerungen an Dritte Wahl und co. wach werden. Und doch schleicht sich in den seltensten Fällen ein zu weit gehobener Zeigefinger in die Texte ein, auch wenn klar auf die Feinde gezeigt wird.

Sie kommen in Scharen und vergiften den Verstand. Also lauft um euer Leben, lauft um euer Leben. Mit der Kamera im Anschlag stellen sie euch an die Wand und es macht „Cut, Cut, Cut!“, denn neue Versager braucht das Land. Der Makel anderer Menschen war schon immer amüsant.

Bei aller Kritik an all den Spacken dieser Welt lässt sich Felix Schönfuss selbst nicht aus, wenn er sich in „Was der Teufel sagt“ auf einem Takt, der sehr español daherkommt, frischen Feldsalat an Holunder-Vinaigrette auftischen lässt:

Ich möchte jetzt am liebsten einfach auf den Tisch steigen und dir deine blöde Pampe durch’s Gesicht reiben. Doch der Geist ist willig, nur das Fleisch ist schwach. Hör doch einmal nur auf das, was der Teufel sagt. Wie oft stelle ich mir vor, es einfach mal zu tun, doch ich bleibe ein Idiot und sag nur: „Oh, echt? Cool.“

Das Schreiben der Songs hat Adam Angst trotz der textlichen Wut hörbar Freude bereitet und bietet dem Hörer umso mehr davon. An Schönfuss‘ Ex-Band Frau Potz fühlt man sich immer mal wieder erinnert, auch die Screamo-lastigen Escapado klingen beispielsweise in „Flieh von hier“ manchmal durch, aber Adam Angst ist ohne Zweifel ein eigenständiges, richtig frisches Projekt, das gerne noch eine ganze Weile weitergeführt werden darf.

Das Album erscheint am 20. Februar beim Grand Hotel van Cleef.

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