Foto: Charles Engelken, noisiv.de

Vergange Woche wurde das langersehnte zweite Album „Neintology“ von Adam Angst veröffentlicht. Wir hatten bereits auf dem Heart van Cleef Fest Ende August die Chance, ausführlich mit Roman und Felix über den Entstehungsprozess der neuen Platte und die tiefere Bedeutung der einzelen Songs zu quatschen. Wir führten wilde Diskussionen über Social Media, Genderidentitäten und Urlaube in fremden Kulturen. Aber lest selbst:

Im Jahr 2015 kam euer Debütalbum raus und es war damals so, dass alle Songs schon standen und du Felix, dann erst die Band dazu geholt hast. Wie lief das bei „Neintology“ ab? Textlich machst du ja immer noch alles, richtig?

Felix: Genau. Es ist jetzt ein bisschen anders geworden. Die Band ist jetzt ein bisschen mehr in den Vordergrund gerückt. Die Texte bleiben weiterhin bei mir. Aber es ist jetzt bei den meisten Songs so gewesen, dass ich im Prinzip eine Demo bei mir zuhause gemacht habe und dann wurde es rumgeschickt und daran rumgewerkelt. Im Gegensatz zum letzten Album ist es so, dass quasi alle ihren Part dazugesteuert haben. Das heißt, dass diese Demo nicht in Stein gemeißelt ist, sondern jeder sagt, was er so denkt. Was dazu am besten passt, aber so, dass der Song nicht grundlegend verändert wird. Und es gibt zwei Songs wo David die komplette Musik dazugesteuert hat.

Welche Songs waren das?

Felix: Das sind „D.I.N.N.“ und „Kriegsgebiet“.

Heutzutage ist es eigentlich sehr mutig, sich für ein neues Album drei Jahre lang Zeit zu lassen. Habt ihr euch Gedanken darüber gemacht oder ist das einfach so passiert.

Felix: Mir war es komplett egal. Ich bin einfach der Meinung, wenn wir uns Zeit lassen und Leute dann deswegen die Musik nicht mehr hören oder sich dafür nicht mehr interessieren, dann haben sie sich auch nie für uns interessiert. Ich persönlich bin jetzt nicht auf die Musik angewiesen, um damit meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Letztendlich ist es deshalb eine ganz bequeme Geschichte. Denn so kann man Musik machen, ohne jemals irgendwie Druck zu spüren. Ich persönlich hatte nicht so viel zu sagen und hatte persönlich auch ein Jahr lang keinen Bock, weil es mir einfach zu viel war, und sich im Netz auch alles irgendwie so überworfen hat. Das hat mich irgendwie gestört und ich wollte erstmal ein bisschen Abstand gewinnen.
Roman: Ich glaube auch, dass es wichtig ist. Wir haben alle noch Berufe auf die wir angewiesen sind, um unsere vollen Kühlschränke zu bezahlen. Wenn man dann den Zwang hat, ein Album in einem Jahr rauspressen zu müssen, weiß man, dass die Qualität darunter leidet, dass man selber nicht damit zufrieden ist. Und wer möchte etwas rausbringen, mit dem man selber nicht zufrieden ist? Dann geht die Lust immer weiter runter und im schlimmsten Fall löst man sich am Ende auf. Da muss man auch einfach mal sagen, dass unser Label Grand Hotel Van Cleef uns sehr entgegen gekommen ist und uns keinen Druck gemacht hat.
Felix: Es gibt viele Sachen auf die wir scheißen. Es gibt viele Bands, die einen Leitfaden benutzen, wie oft man in Social Media etwas posten muss. Und das machen wir halt nicht. Bisher sind wir gut damit gefahren. Noch ein bisschen ein Beweis dafür, dass sich die Musik am Ende durchsetzt.

Zu dem neuen Album-Cover. Mit „Neintology“ kann man natürlich ein wenig eine Ableitung zu Scientology finden. Felix, du stehst in der Mitte und wenn man das ein bisschen von dem alten Album ableitet, dann stehst du da wie Jesus Christus und die Band steht wie unschuldige Schüler im Hintergrund. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Felix: Eigentlich wollten wir ein richtig schön kitschiges Cover haben. Zum einen wollten wir, dass die Band auf dem Cover ist – natürlich stehe ich zwar vorn, aber das hat mehr damit zu tun, dass ich der Sänger bin – und, dass es eben ein typisches Band-Foto ist. Auf der anderen Seite wollten wir ein richtig schräges…
Roman: Das sollte einfach falsch sein.
Felix: Viele sagen, dass es einfach das schlimmste Cover ist. Es soll auch nerven, und wir wissen auch, dass es schlimm aussieht. Irgendwie hatten wir Bock auf diese schrägen Gesichter, die auch hier und da noch ein bisschen bearbeitet sind.
Roman: Das war auch gar nicht so einfach, das so hinzubekommen. Bei so einem Fotoshooting, wo du denkst, da stellt man sich einfach in Reihe hin und dann wird das geblitzt. Das war nicht so einfach so doof zu gucken.

Punk ist der erste Song der Platte und natürlich ist das ist ein sehr ironischer Song. Nun gibt es zum Beispiel Massendefekt, die auch einen ironischen Song „In/die Hölle“ über diese Thematik haben. Man hat schon ein bisschen das Gefühl, dass sich viele Punk Bands gerade über sich selbst lustig machen.  Ist Punk nicht mehr das, was es mal war?

Felix: Was ist denn Punk? Gegenfrage. Das müsstest du erstmal definieren, was das überhaupt ist. In unserem Song geht es darum, dass es einfach viele Leute gibt, für die Punk ein gewisser Leitfaden bedeutet. Regeln, an die man sich zu halten hat, wie man aussieht, was man denken soll, was man sagen soll – dann ist man irgendwie Punk. Und das finde ich affig. Ich würde mich nie selbst als Punk bezeichnen. Es liegt ja bei jedem selbst was Punk für einen ist.

Aber die schwarzen Klamotten habt ihr trotzdem alle an.

Felix: Ja gut, aber alleine, dass wir alle schwarz tragen ist für die meisten schon gar kein Punk mehr. Ehrlich gesagt nervt es mich sowieso, dass Leute uns als Punk bezeichnen. Und dann sagen wiederum Leute „ihr seid nicht Punk weil… und ihr benehmt euch so auf der Bühne“. Und das ist alles irgendwie so falsch, überhaupt nicht authentisch. Bla bla bla. Ob wir jetzt Punk genannt werden oder nicht, das können wir überhaupt nicht beeinflussen und das ist mir auch scheißegal. Und wenn das Punk ist, dann will ich kein Punk sein.
Roman: Wir haben uns auch nie als Punk Band betitelt oder uns in das Genre Punk gesetzt. Das ist das, was viele Leute schreiben, weil es vielleicht der Überbegriff ist. Das ist vielleicht auch so ein bisschen das Thema. Punk hat einfach eine große Welt für die Musikbranche und den Lifestyle eröffnet, auch politisch vor allen Dingen. Ich weiß gar nicht, wer sich von uns überhaupt als Punk bezeichnen würde. Ich glaube keiner. Wie Felix gesagt hat, es ist ihm scheißegal. Ist das schon wieder Punk?

Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

„Alexa“ war die erste Single, warum gerade „Alexa“?

Felix: Also ich persönlich fand die Geschichte lustig. Den witzigsten Kommentar den ich gelesen habe, war: „Oh, jetzt springen sie auf den Verschwörungstheoretiker Zug auf“. Dazu müssen die erstmal das ganze Album hören. Fand ich richtig bekloppt. Aber das sind Leute, die finden dann überall was. Das ist einfach nur eine fiktive, völlig überzogene Geschichte. Natürlich werden diese Smart Devices und Google Home und so nicht dafür sorgen, dass die Welt untergeht. Aber ich fand die Geschichte lustig, wenn wir so terminatormäßig für unseren eigenen Untergang verantwortlich sind. Da gibt es tatsächlich noch einen weiteren Song, der viel verrückter ist. Da wo Aliens vor Wuppertal landen. Ich persönlich habe Spaß an fiktiven Geschichten und etwas völlig aufzubauschen und krude wirken zu lassen. Natürlich gibt es immer eine Brücke zu dem, was Leute sich dabei denken könnten. Das hat vielleicht etwas mit unserem Fluchtverhalten zu tun. Kann jeder selbst entscheiden was er daraus macht. Nur weil wir so einen Text bzw. Song schreiben, heißt es immer, dass es unsere persönliche Meinung ist, dass wir fünf glauben, jetzt dringend die Produktion von Alexa oder so einstellen zu müssen.
Roman: Das machen wir jetzt gerade, das ist unser Kampf gegen Alexa (lacht).

Nun könnte man ja annehmen, dass ihr etwas gegen Social Media oder das Internet allgemein habt. In „Blase aus Beton“ geht es zum Beispiel um Menschen, die immer das glauben, was im Internet steht. Dann gibt es den Song „Physik“ wo das Thema auch im weitesten Sinne vorkommt. Es ist ja schon so, dass man das Gefühl hat, dass Menschen alles glauben was sie lesen.

Roman: Man kann es jetzt nicht über einen Kamm scheren. Aber klar gibt es Leute, die das alles für voll nehmen. Gerade Verschwörungstheorien sind etwas, worüber wir uns viel unterhalten. Weil es einfach spannend oder manchmal lustig ist.
Felix: Man kann jetzt auch nicht sagen, dass wir alle gegen Social Media oder die digitale Entwicklung sind. Wir benutzen es selbst natürlich auch. Aber es ist einfach schon ein sehr wichtiger Teil unserer Generation. Ich glaube, dass wir Menschen noch nicht ganz gelernt haben richtig damit umzugehen. Ich finde es sehr interessant wo das Ganze dann hingeht. Dadurch formen sich Meinungen, dadurch formen sich ganze Gesellschaften. Ich hab selbst in meiner Blase oder in meinem Freundeskreis Leute, wo ich so denke… Habt ihr sie noch alle? Ich hab keinen Bock das zu kommentieren, das ist viel zu anstrengend. Ich komme aus einer Generation, wo es sehr wichtig ist, mit Leuten zu reden. Wenn ich jetzt etwas kommentieren würde und mich Leute da angehen, dann nehme ich das ernst. Ich glaube es wächst gerade eine Generation heran, der das scheißegal ist, die das einfach als eine Parallelwelt sehen. Vielleicht bin ich einfach zu empathisch dafür – ich interessiere mich dafür, wenn irgendjemand was zu mir sagt. Ich glaube wir sind einfach noch nicht so weit, das vernünftig zu nutzen.

[Eine Diskussion über Social Media entbrannte]

Nun seid ihr in euren Songs natürlich auch wieder sehr politisch. Wenn ich den Song „Immer noch“ mit den Außerirdischen für mich selbst interpretiere, geht es dort eventuell um die Flüchtlingskrise?

Felix: Kann man ein bisschen so interpretieren, aber eigentlich ist es wieder die Zerstörung der Menschheit durch sich selbst. Wir glauben ja immer, dass andere für unser Leid oder für unseren Untergang verantwortlich sind. Ich fand halt einfach diese Story witzig, dass Außerirdische landen. Es geht insofern um die Flüchtlingskrise, da hast du schon Recht, das Fremde kommen und die Menschheit wieder ihr typisches Verhalten an den Tag legt. Das sind Fremde, was wollt ihr hier und so weiter. Letztendlich machen sie nichts, aber die Menschheit zerstört sich dann am Ende selber, durch die ganze Panik die dort ausbricht. Du kannst das natürlich ein bisschen mit der Flüchtlingskrise gleichsetzen, aber das überlasse ich gerne allen Hörern.
Roman: Ich musste das ja auch interpretieren. Dann sitzt du auf der Couch und bekommst eine neue Demo von Felix und bist total gespannt. In erster Linie war es für mich auch einfach nur eine Geschichte die er erzählt, so storytellingmäßig. Klar, es kommt das Fremde und was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Je öfter man es hört, desto mehr Gedanken macht man sich natürlich.

„Damit ich schlafen kann“ ist ein sehr balladischer Song, wahrscheinlich der balladischste Adam Angst Song ever. Der Song handelt von Depressionen und da du ja der Texter bist, wie kommt man dazu, so etwas zu schreiben?

Felix: Ich bin bisher nicht an Depressionen erkrankt, glaube ich. Es ist eine Krankheit, die noch sehr wenig erforscht ist. Aber ich habe mit vielen Menschen in meinem engen Umkreis zu tun gehabt, auch eine gute Freundin von mir hat dieses Problem. Gerade bei manischen Depressionen, wo du so Schübe bekommst, wo wirklich klar ist, das muss eine Krankheit sein. Es ist nicht einfach nur schlechte Laune, weil irgendwas im Leben schlecht läuft. Das muss man schon ernst nehmen. Ich hab viel mit ihr geredet und habe viel davon auch verstehen können, wie sie sich fühlt. Und dieser Song gibt sehr viele Gefühle und Sätze wieder, die in dem Kopf eines Depressionskranken umher schwirren oder die du mal so hörst. Dieses: „stell dich nicht so an, ich hatte auch mal Burnout, ich zeig dir mal wie man das irgendwie hinkriegt“. Die haben letztendlich gar keine Ahnung. Wir alle haben noch nicht viel Ahnung und das finde ich spannend an dem Thema.

Ihr lasst auf „Neintology“ kaum Tabuthemen aus. Ihr habt zum Beispiel den Song „Alphatier“, wo es um Geschlechteridentität geht. Was glaubt ihr, warum es so viele Menschen gibt, die sich noch davor fürchten oder einfach homophob sind?

Felix: Das hat mit ganz viel zu tun. Das hat mit Erziehung zu tun, das hat mit Religion zu tun, in welches Umfeld man hineingeboren ist und wie man aufwächst. Es hat mit der grundsätzlichen Angst vor dem Fremden zu tun. Es wäre schön, wenn man jetzt an einer Schraube drehen könnte, um das Problem an der Wurzel zu packen. Aber so ist es leider nicht. Ich denke es hat viel mit dem traditionellen Denken zu tun. Die typische Rolle Mann/Frau. Da ist der Mann, der sich inmitten von anderen Männern immer stark fühlt. Es ist oft so, dass man sich in einer Gruppe von anderen Männern häufig aufspielt und sich dann natürlich auch homophob äußert zum Beispiel. Wir stehen grade erst am Anfang einer Änderung. Das dauert wahrscheinlich noch so lange, da werden wir gar nicht mehr auf der Welt sein.
Roman: Aber diese Frage, warum sind Menschen noch immer so, ist natürlich eine Frage, die man sich häufiger stellt. Dann sind wir wieder bei Facebook Kommentaren, warum sind Menschen Rassisten? Was läuft bei diesen Menschen falsch im Kopf? Ihr Leben besser zu schätzen als das von anderen Leuten, nur aufgrund ihrer Herkunft oder ihrer Hautfarbe. Auch eine Sache, warum ich keine Facebook Kommentare lesen kann – weil ich so wütend werde. Was ist bei euch falsch, dass ihr so denkt? Was ist schlimm daran, dass Menschen ihr Leben so ausleben und sich so identifizieren wie sie es gerne möchten? Diese Schraube würde man wohl gerne bei sehr vielen Themen finden – die man nur einmal umdrehen muss, damit es allen Menschen auf dieser Welt gut geht.

Ein Glück gibt es dann Menschen wie euch, die ihre Fresse aufmachen und versuchen etwas dagegen zu tun.

Felix: Das ist vielleicht der Anspruch des Ganzen. Um nochmal auf diese ganze Gender Thematik zurück zu kommen: ich finde es sehr wichtig, dass man daran arbeitet und da sind wir jetzt grade dran. Da werden zum Beispiel Diskussionen geführt, wie man die Sprache verändern sollte. Die ist einfach noch männlich geprägt bzw. pro maskulin. Das ist doch eine einfache Stellschraube. Ich bin absolut für eine Sprachreform. Dass man einfach dafür sorgt, dass es genderneutral ist. Oder die Frau einfach wieder in die Sprache mit einbinden. Ich achte zum Beispiel immer darauf, ich versuche es zumindest und vergesse es auch manchmal. Aber ich glaube, dieses Verständnis dafür entwickeln, das sollte jeder mal. Ich glaube es tut keinem weh und das ändert ganz viel.

In „Alle sprechen Deutsch“, was ja so ein kleiner Urlaub Song ist, geht es musikalisch komplett anders zu, als man es von Adam Angst kennt. Da sind zum Beispiel auch Bläser mit dabei. Wie kam das?

Roman: Es gibt eine Doku, die wir uns sehr oft auf diesem Fernseher angeguckt haben. „Rentner in der Türkei“ heißt diese Doku. Da ist der Hauptprotagonist jemand, der es cool findet, dass er da ist und über die kalten Tage in der Türkei in einem Hotel lebt. Er freut sich über die Kultur und alles, aber ist auch froh, dass alle Deutsch reden und dass das Essen auch ein bisschen mehr an ihn angepasst ist. Wenn ich auf die Kanaren fliege oder so, dann freue ich mich total darüber, mal weg vom deutschen Fraß zu sein und neue Sachen zu entdecken. Er ist derjenige der sagt, es ist alles cool so, aber ich hätte gern meinen Scheiß. Ich glaube dadurch kam die Idee für diesen Song.
Felix: Genau, diese Doku war der Initiator. Und so ganz allgemein behandelt dieser Song eigentlich das Thema: Wir deutschen oder beziehungsweise die westlichen Kulturen finden es irgendwie cool zu reisen, auch gerne in ärmere Länder wo Hotel Paläste errichtet wurden, aber alle sind vollkommen abgeschottet von der eigentlichen Kultur, dem eigentlichen Land. Die kriegen da alles, zahlen unglaublich wenig und die Leute die da arbeiten, verdienen einen Scheiß. Die Leute sagen dann natürlich, es ist doch cool, dass hier Tourismus herrscht. Pustekuchen! Das ist es überhaupt nicht. Weil die Leute, die eigentlich was davon bekommen müssten, die da in dem Umland leben und da die Märkte und Geschäfte betreiben, die sehen die ganzen Touristen ja gar nicht. Die kriegen da ja alles in ihrem eigenen abgeschotteten Domizil. Das ist im Prinzip die beschissenste Art Urlaub zu machen. Dieses Thema wollten wir halt ein bisschen beleuchten.

Und um jetzt nochmal auf den musikalischen Aspekt zurück zu kommen.

Felix: Stimmt (lacht). Ich liebe den Song. Es ist eigentlich der Song, den ich mir am liebsten anhöre. Er hat im Refrain auch etwas, was wir so noch nie gemacht haben. Mit diesen ganzen Satzgesängen und so weiter. Er ist schon sehr fröhlich, ich mag diese verschiedenen Facetten einfach. In der Art wie du schon sagtest, die Bläser und die spanische Gitarre – was eigentlich totaler Schwachsinn ist. Da kommen die verschiedensten Kulturen zusammen bei diesem Song. Aber das ist genau das, was ich am liebsten mag. Es ist musikalisch ein sehr spannender Song, der nie langweilig wird. Das werden wir dann mit dem nächsten Album wahrscheinlich noch mehr probieren, mehr auszubrechen.

Mit dem dritten Album – also kommt eins?

Felix: Wir haben jetzt ein Zweites gemacht, also kommt auch ein Drittes.

Das Album endet mit dem Satz „Hättest du mal nicht so viel Scheiß gepostet“ aus dem Song „Physik“.  Darüber haben wir ja nun schon gesprochen, aber gibt es irgendetwas, was ihr gerne nie gepostet hättet?

Roman: Was ich nie gepostet hätte ist falsch. Was ich aber grade mache ist – bei Facebook gibt es dieses Erinnerungsding – wenn ich einen Post von mir sehe, von meiner alten Band und so nen Kram. Zum Beispiel: „Ich fahre jetzt zur Probe nach Bonn, in die Stadt wo ich herkomme, um die Stadt jetzt kaputt zu rocken“. Dann denk ich mir schon so… Oh je! Und dann lösche ich das tatsächlich.
Felix: Ich kann eigentlich nur für die Band sprechen, weil ich für mein privates Profil schon jahrelang nichts mehr gepostet habe. Aber selbst da fällt mir nichts ein, weil wir einfach so wenig posten. Wir durchleuchten das vorher auch immer komplett. Ich weiß gar nicht, wie viele Menschen auf uns zu kommen, die mit uns arbeiten, ob es jetzt Spotify oder so ist, wo es darum geht irgendetwas werbemäßiges zu posten. Das mach ich alles nicht. Ich hab da einfach keinen Bock drauf und deshalb gibt es auch nichts, was ich da bereue.

Adam Angst ist ja quasi eine Kunstfigur, ähnlich wie Alex Mofa von der Alex Mofa Gang. Wie hat sich Adam Angst seit dem letzten Album verändert?

Felix: Diese Kunstfigur gibt es in dem Sinne eigentlich gar nicht mehr. Eigentlich kann man sagen, der Name ist noch da und am Ende ist es eine Band. Wir wollen nicht, dass jeder am Ende nur mich sieht. Es ist jetzt der Typ, der eine ganz bestimmte Meinung hat. Das gibt es im Prinzip gar nicht mehr. Tatsächlich haben wir dieses Konzept einfach nicht mehr weitergeführt. Da müsste ich mir jetzt was ausdenken, aber du kannst ihn vielleicht einfach als Sektenführer bezeichnen (lacht).

Wollt ihr noch irgendetwas loswerden.

Roman: Nö, macht mal wie ihr wollt.

Vielen Dank für dieses unfassbar nette Interview. Ich hoffe, wir sehen uns in Hamburg auf eurem Konzert!

Wer Adam Angst live erleben möchte hat ab November die Chance dazu.

Adam Angst Live:

  • 15.11. – Wiesbaden, Kesselhaus (ausverkauft)
  • 16.11. – AT – Wien, Arena
  • 17.11. – München, Backstage (hochverlegt)
  • 18.11. – CH – Zürich, Dynamo21
  • 20.11. – Köln, Die Kantine
  • 21.11. – Hannover, Musikzentrum
  • 22.11. – Münster, Sputnikhalle (hochverlegt)
  • 23.11. – Bremen, Schlachthof (hochverlegt)
  • 24.11. – Hamburg, Uebel & Gefährlich (hochverlegt)
  • 25.11. – Berlin, Festsaal Kreuzberg (hochverlegt)
  • 22.02.19 – Dresden, Beatpol
  • 23.02.19 – Leipzig, Conne Island
  • 24.02.19 – Frankfurt, Das Bett
  • 01.03.19 – Stuttgart, Im Wizemann
  • 02.03.19 – Osnabrück, Kleine Freiheit
  • 03.03.19 – Dortmund, FZW Club
  • 13.-15.06.19 – Merkers, Rock Am Berg