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Mittwoch, der elfte März, S-Bahn-Haltestelle Reeperbahn. Der Ort, an dem die „waffenfreie Zone“ ausgeschildert werden muss. An dem spätestens zwei Tage später wieder das kollektive „Wochenende, saufen, geil!“ praktiziert wird. Und der Ort, an dem das durch Gentrifizierung vom Spielbudenplatz verdrängte Molotow seine neuen Pforten geöffnet hat, nun also am anderen Ende der sündigen Meile. Das Molotow ist rappelvoll. Eine ordentliche Masse an Menschen, die sich zusammengefunden hat, um Felix Schönfuss mit seiner neuen Punkband Adam Angst bei Tourstopp Nummer zwei beizuwohnen.

Wie bereits am Abend zuvor in Köln, ist der erste Hamburg-Gig von Adam Angst also restlos ausverkauft. Eine dankbare Situation für die schweizerischen Lyvten, die an diesem Abend in die Adam Angst-Tour als Support einsteigen und ihren mit Postpunk- und Screamo-Elementen gespickten Indie der dicht-an-dicht stehenden Menge präsentieren. Kein schlechter Anheizer – aber warum hat die Vorband eigentlich mehr Merchandise dabei, als der Hauptact? Da kann man wohl gespannt sein, was von der Band noch so kommen wird.

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Nach kurzer Umbaupause beschallt den Raum der wohl am einprägsamsten mit Galgenhumor verbundene Song „Always look on the bright side of life“, Eric Idles zum Klassiker gereifter Singalong aus Monty Pythons „Das Leben des Brian“. Ein plötzlich einsetzender Schrei durchbricht das Stück, das Licht geht aus, die komplett in schwarz gekleidete Band tritt auf die Bühne und performt das Intro des Album-Openers „Jesus Christus“. Die ersten Töne von Adam Angst, die wir im Album-Teaser zu hören bekamen, sind also auch die ersten Töne, die Hamburg live von Adam Angst dargeboten bekommt. Und wie schon auf dem Album – nachzulesen in unserer Review – ist es ein großer Moment, in dem Frontmann Felix Schönfuss seinen Platz am Mikrofon einnimmt und den Messias des modernen, deutschen Punks gibt. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Hallelujah!

Nach diesem als epochal betitelbaren Einstieg dann das optimale Lied, um das Molotow zum Ausrasten zu bewegen: Die Uptempo-Nummer „Am Ende geht es immer nur um Geld“. Der Laden hitzt sich in Windeseile auf – sicher nicht nur aufgrund der defekten und, wie Schönfuss zwischen den Songs erzählt, durchgehend bollernden Heizung. Man sieht es ihm an – sein schwarzes Hemd ist nach nur zwei Songs vollkommen durchnässt. Das will man ihm auch nicht verdenken, bei der Hingabe mit der der ehemalige Sänger von Frau Potz und Escapado seine neuen, klar politischen Lyrics in die Gehörgänge seines Publikums schreit. Und das ist voll dabei – weit vorn entsteht ein Moshpit, das ganze Molotow brüllt mit bei „Ja ja, ich weiß“, der ersten Singleauskopplung. Dabei kümmert sich Felix Schönfuss gut um die ersten Reihen, sucht die Nähe zu den Leuten, die ihn mit Kusshand – oder doch eher zur Musik geballter Faust – begrüßen. Stimmung? Mega.

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Das Bossa-beeinflusste „Was der Teufel sagt“ wird als „tanzbar, aber nicht pogbar“ von Schönfuss angekündigt, was seine Zuschauer auch prompt befolgen. Das sorgt für eine gute Abwechslung von den aggressiven Stücken, die die Band zuvor spielte. Aber darum geht es eben bei Adam Angst – um Wut, Hass, politische Statements. Also ab dafür – das Synthesizer-Intro zu „Professoren“ setzt ein und spätestens jetzt ist der gesamte Saal merklich Feuer und Flamme für Adam Angst. Kein Mund bleibt zu beim Chorus.

Mit „Altar“ beenden Adam Angst ihr fulminantes Set. Nicht wirklich, ist ja klar, „das mit der Zugabe ist zwar schwachsinnig, aber das gehört einfach dazu“, wie Felix Schönfuss sagt. Und welcher Song könnte für ein großes Finale besser geeignet sein, als „Splitter von Granaten“? Zwei Gäste begeben sich zum Stagediving in die Hände der Masse und dann packt es auch Schönfuss, der die Bühne verlässt und in den Moshpit tritt, welcher mit ihm gemeinsam die letzten Zeilen des Songs a capella in die Nacht brüllt. Der definitive Höhepunkt der ohnehin sagenhaften Atmosphäre, die die Band mit allen auf dem Album enthaltenen Songs an diesem Abend geschaffen hat. Besser kann man den Gig nicht zu Ende führen. Alles richtig gemacht, Adam Angst!

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  • Setlist:
    • Jesus Christus
    • Am Ende geht es immer nur um Geld
    • Ja ja, ich weiß
    • Wunderbar
    • Lauft um euer Leben
    • Was der Teufel sagt
    • Professoren
    • Wochenende, saufen, geil
    • Flieh von hier
    • Altar
    • Splitter von Granaten (Zugabe)

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