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Zwei Jahre sind seit Suck It And See vergangen, sieben Jahre seit Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not. In diesen sieben Jahren ist viel passiert. Von den Darlings der britischen Indie-Szene, die in diesen Jahren ihre Blütezeit erlebte, veränderten sie ihren Stil nach dem zweiten Album Favourite Worst Nightmare ihren Stil praktisch von jetzt auf gleich vollkommen. Josh Homme zeigte als Produzent, was er mit einer jungen Band alles anstellen kann – erwachsener, trockener, beinahe schon psychedelisch. Suck It And See war die konsequente Weiterführung einer eigenen Stilfindung, die Fans in zwei Lager spaltete.

Mit AM versucht die Band um Sänger Alex Turner nun, sich abermals weiterzuentwickeln. Konsequenz und Beharrlichkeit zeigen. Nicht zum Notnagel „Back To The Roots“ greifen. Noch ein weiteres Mal mit neuen Aspekten experimentieren. Diese Marschrichtung wird spätestens beim ersten Durchlauf des Albums deutlich. Offenbar hat Turner auch Gefallen daran gefunden, seine Aussagen poetisch anspruchsvoller zu verpacken. Schon immer war Turner ein exzellenter Songwriter, aber dieses Album soll die Messlatte lyrisch nochmal anheben.

Gleich der Opener Do I Wanna Know? zeigt das eindrucksvoll: “I dreamt about you every night this week/ How many secrets can you keep?” heißt es da – viel Spielraum für eigene Interpretationen wird hier gegeben. Der Anfang ist also geebnet und mit R U Mine? wird gleich die nächste Frage gestellt. Dieser Song ist der, den die Band bereits im Februar letzten Jahres als ersten Vorreiter des Albums veröffentlichte und noch immer ist er der musikalisch stärkste Track des kompletten Albums. Der Song ist ein Feuerwerk rockigen Gitarrenklangs und Turner holt gesanglich ganz weit aus. Meiner Meinung nach gehört R U Mine? zu den drei besten Tracks der Band – albumübergreifend!

Die ersten beiden Songs sind also bereits eine Klasse für sich. Bestes Arctic-Monkeys-Material, wie man es sich nur wünschen mag. Aber nicht nur diese beiden Tracks sind stark: One For The Road ist catchy, ruhig, lyrisch stark und hört sich schlicht ausgereift und exzellent durchdacht an. Fireside erinnert entfernt an alte Humbug-Tage und das ist alles andere als despektierlich gemeint Nachdenklich und authentisch singt Turner „There’s all these secrets I can’t keep / I give my heart there’s that hotel suite / And you live there so long / It’s kind of strange now you’re gone.“ Ironisch, catchy, zum lässigen Tanzen einladend dagegen ist „Why’d You Only Call Me When You’re High?“.

Im Gegensatz zu den vielen tollen Tracks gibt es aber leider auch weniger tolle Songs zu hören. Arabella wirkt uninspiriert, auf geheimnisvoll getrimmt und Turners Gesang wirkt im Songkontext aufgesetzt und unpassend, ja beinahe durch die Wall Of Sound erdrückt. Mad Sounds wirkt langweilig, zu bekannt. Snap Out Of It erdrückt Turners Gesang dagegen einmal mehr und wirkt nicht frisch, nicht kreativ.

Eines sei gesagt: Qualitativ hat Turner noch nie besser gesungen, als auf AM. Er sind vielseitiger, denn je, experimentiert und pusht seine Stimme. No. 1 Party Anthem ist ein Zeugnis dessen. Ausgeglichen, authentisch, emotional greifbar, erwachsen. Auf dem Album ist definitiv eine Art Werdegang vernehmbar – sowohl gesanglich, als auch lyrisch. Er spielt mit Poetrie, Gleichnissen, lyrischen Bildnissen.

Turner trägt seine Band, wie sonst nur wenige Sänger. Die Alben stehen und fallen mit seinen Visionen, Ideen und Vorstellungen. Das wird auf AM deutlicher, als je zuvor. Insgesamt glückt es auch dieses Mal. Das Album mag nicht so kohäsiv wie Humbug sein und nicht so eingängig wie Suck It And See und hat seine Hänger – trotzdem aber versprüht es seine Reize. Es lädt zum Entdecken der neuen Aspekte ein, man hört gerne etwas genauer auf die Texte, macht sich Gedanken dazu und wie sie auf einen selbst zutreffen. Ein ganzes Stück weit bin ich noch immer froh, dass es Humbug gab, denn zweifelsohne wäre diese Band ohne dieses Album und dem dazugehörigen Einschnitt nun nicht da, wo sie jetzt sind und dann würde es auch dieses Album gar nicht erst geben. Die Arctic Monkeys sind am einem Punkt angelangt, an dem sie kreativ agieren können, wie sie wollen.

Bildquelle Facebook

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