like clockwork Sechs Jahre ist Era Vulgaris, das letzte Album der Queens Of The Stone Age, nun her und in dieser Zeit ist viel passiert: Frontmann Josh Homme hat mit Dave Grohl und John Paul Jones einen Meilenstein der Rockmusik namens Them Crooked Vultures geschaffen, vor allem aber ist er durch schwere Zeiten gegangen. Im Oktober 2010 unterzog er sich einer lange aufgeschobenen Operation an seinem linken Knie, während der er kurzzeitig einen Herzstillstand erlitt und für ein paar Sekunden praktisch mit anderthalb Beinen „auf der anderen Seite“ war.

I woke up and there was a doctor going, ‚Shit, we lost you’”

Um das nun frisch erschienene Album der Band …Like Clockwork zu verstehen, muss man über diese Umstände Bescheid wissen, denn sie haben diesen Mann in seinen Grundtiefen verändert. Während der Zeit nach der OP und diesem Beinahe-Disaster dachte er über die verschiedensten Dinge nach: Sterblichkeit, Freunde, Liebe, Schicksal und dergleichen. Das alles spiegelt sich nun in diesem neuen Album wider.

Generell ist die Band ruhiger geworden. Nur noch wenige wirklich aggressive und antreibende Riffs, nicht mehr diese beinahe schon „jugendliche“ Rebellion. Auf …Like Clockwork zeigen sich die Königinnen der Steinzeit deutlich gereifter und insgesamt erwachsener. Das hört man schon im ersten Song Keep Your Eyes Peeled: „Don’t look, just keep your eyes peeled“ heißt es da. Generell wirkt der Track sehr dunkel, roh und erinnert an alte Stoner-Wurzeln.

queens of the stone age - i appear missing

Noch stärker kommt es aber im dritten Song The Vampire Of Time And Memory. Homme sitzt am Klavier und beginnt den Song mit den Zeilen „I want God to come / And take me home / Coz I’m all alone in this crowd“. Im weiteren Verlauf des Songs heißt es dann „I’ve survived, I speak. I breathe, I’m incomplete“. Das klingt sicher nicht typisch für Homme und auch nicht „kreativ“ und „verworren“, wie man es in den letzten Jahren von ihm kannte. Homme schafft es jedoch, diese Textzeilen so authentisch und ehrlich zu singen, dass ich mich sofort in seinen Schmerz hineingesogen fühlte. Nicht zuletzt war dieser Song der erste, den er nach seiner OP schrieb. Diese pure Ehrlichkeit zieht sich dazu übrigens fast komplett durch das gesamte Album. Ein weiteres mehr als gelungenes Beispiel dafür ist auch I Appar Missing, einem weiteren musikalischen Meisterwerk: „Shock me awake / Tear me apart“.

In jedem Song erzählt Homme dabei eine Anekdote aus der Ego-Perspektive. In I Sat By The Ocean heißt es beispielsweise „I sat by the ocean / and drank a potion / baby to erase you“ – eine geniale Umschreibung dafür, dass er sich nach der gescheiterten Beziehung betrinkt. Es geht jedoch nicht auf dem gesamtem Album um diese „dunkleren“ Themen. In Smooth Sailing geht es z.B. darum, dass er, begleitet von einem dreckig guten Lick, sich quasi den Mund abwischt und nach vorne blickt („It’s all smooth sailing / From here on out“).

Doch auch rein musikalisch  weiß das neue Album komplett zu überzeugen: Kalopsia ist eine musikalische Offenbarung. Vom den ruhigen Strophen explodiert der Song plötzlich in einen massiven Chorus, in dem Gitarrist Van Leeuwen, Bassist Shuman und Homme derartig druckvoll und gut singen, dass es einen zusammen mit den aggressiven Instrumenten im Hintergrund schlichtweg die Schuhe auszieht. Für mich ist das einer der besten Momente des kompletten Albums. Auch können Multi-Instrumentalist Dean Fertita und Bassist Michael Shuman endlich ihr ganzes Können entfalten: Die Basslines aus I Sat By The Ocean und My God Is The Sun sind beispielsweise schlichtweg genial!

Dazu bietet …Like Clockwork eine riesige Variabilität in den Songs: Von schweren, langsamen Stoner-Songs (Keep Your Eyes Peeled), über catchy Tracks (I Sat By The Sun) und Balladen (The Vampire Of Time And Memory und Like Clockwork), bis hin zu komplexen Titeln (I Appear Missing) ist wirklich alles dabei, was man erwarten könnte, im Vorfeld aber vor allem auch nicht würde. Beim ersten Durchhören ist das Werk eine Art Überraschungstüte und auch beim x-sten Durchlauf bemerkt man immer wieder neue Details, die das Gesamtergebnis noch einmal aufwerten.

queens of the stone age

…Like Clockwork ist extrem persönliches Album, das noch stärker von Homme geprägt ist, als bereits die letzten beiden. Das ist vor allem wegen der Lyrics der Fall, in denen der Sänger tief in seine Gedanken- und Gefühlswelt blicken lässt und dabei stets ehrlich und 100%ig authentisch ist. Deswegen treten auch die vielen Kollaborationen (Als Auszug: Sir Elton John, Nick Oliveri, Dave Grohl, Alex Turner, Trent Reznor und Jake Shears) verhältnismäßig stark in den Hintergrund.

Fans des dritten Studioalbums Songs For The Deaf, die durch die Rückkehr von Dave Grohl unter Umständen ein „ähnliches“ neues Album erwartet haben, wird …Like Clockwork vielleicht vor den Kopf stoßen: Mit My God Is The Sun gibt es lediglich einen Track, der mit durchgehend hohem Tempo auffällt und entfernt an ältere Werke erinnert. Ansonsten ist …Like Clockwork ein deutlich gereifteres Album, zeigt gereiftere Musiker und vor allem einen gereiften Josh Homme.

Ein derartiger Stilwandel ist jedoch auch gefährlich: Bis zu diesem Album kannte man die Band als höchstkreative, aggressive Rock-Band. Höchstkreativ sind sie immer noch, ein bisschen zur Ruhe gekommen aber ebenfalls. Ich persönlich hätte ein solches Album zudem nie erwartet und war daher umso überraschter. „Überraschter“ allerdings in einem positiven Umfang.

Spätestens, nachdem Drummer Joey Castillo die Band im vergangenen November verlassen hat, war eigentlich klar, dass es einen musikalischen Umschwung geben würde. Dass dieser allerdings so stark ausfallen würde, war nicht abzusehen – und ich bin von diesem Umschwung absolut überzeugt. Das Album ist schlichtweg ein Meisterwerk – weniger durch einzelne Songs, viel mehr aber durch das Album als Ganzes. If I Had A Tail beschreibt es ganz gut: „Oh la la“!

Queens Of The Stone Age im Web: Webseite / Like Clockwork / Facebook / Twitter

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