Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Mit seinem Album „Welt in Klammern“ hat Max Rieger alias All diese Gewalt für ordentlich Aufsehen gesorgt. Vor kurzem erschien dann eine Zusatzveröffentlichung in Form von „Welt in Klammern (Addendum)“, die einige zusätzliche Songs, Remixes und Live-Aufnahmen beinhaltet. Grund genug, um nochmals auf Tour zu gehen. Zur damaligen Release-Tour habe ich es Mitte Oktober leider nicht ins Hamburger Golem geschafft. Dass ich mir nun das Konzert im Westwerk auf keinen Fall entgehen lassen wollte, lag da auf der Hand.

Das Westwerk ist keine der typischen Konzertstätten Hamburgs, finden in dem einst besetzten Haus dort tendenziell doch eher kleinere Kunstaustellungen, Vorträge und dergleichen statt. Durch den künstlerischen und exzentrischen Anspruch, den Riegers Musik im Rahmen seines Soloprojekts jedoch hat, passt ein solches Konzert wohl nirgendwo besser hin, als eben in das Westwerk.

Mit an Bord war auch Levin Stadler, der wiederum in diesem Jahr unter dem Titel Levin Goes Lightly seine dritte Platte „GA PS“ veröffentlichte und den Abend eröffnete. Seine Mischung aus Psychedelic-Pop und 80s-Wave war fesselnd und schlug eine hervorragende Brücke zwischen klassischem Sound und moderner Präsentation.

Live stehen sie zu dritt auf der Bühne. Der Sound ist voller Details, dabei jedoch kalt und distanziert. Gerade das macht zusammen mit Stadlers spezieller Bühnenpräsenz auch die Faszination dessen aus, was man da vor sich sieht und hört. Ein alles in allem toller Auftakt in diesen Konzertabend.

Nach Levin Goes Lights kam dann Max Rieger mit seinen drei Mitstreitern auf die Bühne. Hypnotisch und mitreißend von der ersten Sekunde an, die Band ist absolut in ihrem Element. Je länger das Konzert dauert, desto mehr verliert sich Rieger in seiner Musik und desto besessener spielt er.

Während die Songs auf Studio-Veröffentlichungen teilweise bis zu 200 Spuren und dementsprechend viele Details beinhalten, bestand die Aufgabe live vor allem darin, diesen umfangreichen Sound passend auf die Bühne zu transportieren. Selbstredend kommen die Songs dadurch etwas roher daher, teilweise hören sie sich, wie beispielsweise „Kuppel“, auch sehr anders an. Zu jedem Zeitpunkt war die Akribie, die in dieser gewissen Restrukturierung und Reduktion steckte, offensichtlich und motivierte so zum genauen Zuhören und -sehen.

Bekannt ist Rieger auch dafür, dass er allergisch auf Dinge reagiert, die ihm missfallen. Umso mehr scheint ihn das Konzert im Westwerk aber selbst angetrieben zu haben. Immer wieder bedankte er sich lächelnd bei den Zuschauern für das respektvolle Zuhören. Die Musik von All diese Gewalt ist keine für die Moshpits dieser Welt und würde auch gar nicht in diesen Rahmen passend. Stilles, aber dafür sehr genaues Zuhören mit großem Applaus nach jedem Song war also gerade die richtige Belohnung.

Nachdem das reguläre Set mit „Morgen alles neu“ beendet wurde, spielte Rieger den ersten Song der Zugabe komplett alleine und in umso intimerer und leiserer Atmosphäre, bevor die Band abschließend nochmal auf die Bühne kam, um den Abend zu beenden. Hinter uns lag nun ein Konzertabend mit anspruchsvoller und schlicht „anderer“ Musik, die im perfekten Rahmen stattfand und vollends überzeugen konnte. Akribie, Perfektion, Begeisterung und ein gewisser Wahnsinn lagen hier nahe beieinander – das Westwerk befand sich in den Klammern Riegers und Stadlers.

Fotogalerie: All diese Gewalt

Fotogalerie: Levin Goes Lightly

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