Als 2005 das erste Album der Band Katze bei ZickZack Records erschien, war ich dreizehn Jahre alt und entdeckte gerade Tocotronic und Artgenossen für mich. Dummerweise hatte mich hier bereits die dumme Annahme eingenommen, Musik müsse sehr ernst sein – Dirk von Lowtzow war ja auch längst seinem Frühwerk entwachsen und ernst war eigentlich sowieso immer. So entging mir aufgrund des Titels das Katze-Erstlingswerk „…von hinten!“, das wirkte doch arg wie Quatschmusik! Wer Klaus Cornfield ist, erfuhr ich erst viele Jahre später, als ich mich mit dem Werk seiner Erstband Throw that Beat in the Garbagecan! vertraut machte. Noch viel später aber, genauer gesagt in der vergangenen Woche, wurde mir bewusst, dass es sich bei Katze um Cornfields Zweitband handelt – und, dass ich damals einen Fehler gemacht habe! Setzen, sechs.

Hätte ich damals die Platte gehört, wäre ich perfekt aufgehoben gewesen: Katzes Sound ist unleugbar nah an dem der ersten Tocotronic-Werke, aber in den Texten wird klar: Hier geht es nicht um Hass und Melancholie, hier geht es ums Lärm machen, schöne Tage zum Badengehen und um das Geld, den Ruhm und die Mädchen. Und trotzdem spielen Katze nicht wie in jungen Jahren vermutet Quatschmusik, sondern eine supersympathisch unperfekte Symbiose aus Tweepop und Hamburger Schule mit Texten, die glaubwürdig und ohne Gerede kleine, schöne Geschichten erzählen. Was Klaus Cornfield und Minki Warhol hier sprießen lassen, ist eine höchst seltene Blume in der verkrampften deutschen Musiklandschaft. Wie schaffen die es, dass es dann trotzdem nicht wie dümmlicher Funpunk klingt? Grüner Daumen, ganz klar.

Das Stück „Das Geld, der Ruhm und die Mädchen“ fand seinen Platz im Soundtrack der 2013 erschienenen Charlotte Roche-Verfilmung „Feuchtgebiete“. Zu jedem Anlass wurde durch Mister Cornfield himself ein bis dato unveröffentlichtes Musikvideo zu Tage gefördert und dann, acht Jahre nach Albumrelease, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Und das Anschauen lohnt sich: Ähnlich wie in ihrer Musik geben sich Katze auch bei der Bebilderung des Tracks dillettantisch, aber merkbar leidenschaftlich und detailverliebt. Hier gibt es mehr versteckte Katzen zu zählen, als Hasen in „Donnie Darko“!

Der Clip zeigt im guten, alten 4:3-Format zunächst Minki Warhol als 50s-Housewife in einer schön altbackenen Wohnung. Klaus Cornfield bringt – na was wohl – Katzenzungen mit und dann gibt’s auch noch Katzengezüngele. Man mag zwar im ersten Moment von der offensiv zur Schau gestellten Bauerntheater-Stimmung irritiert sein, wenn Minki Warhol wegen des Kuchens im Ofen „erschrickt“. Doch in der zweiten Hälfte des Videos geht’s richtig ab. Wie die Bandkollegen hier das Fummeln anfangen, ist so überzogen wie glaubwürdig. Fast schon unangenehm intim geht es zu, und während man noch über die abrupte Blende zum Katzenkalender schmunzelt und sich in Sicherheit vor mehr Körperlichkeit ahnt, streckt das Video dem Zuschauer förmlich die Zunge raus – Nix da, wir zeigen das jetzt! Keine Widerrede!

Spätestens, wenn Monopolygeld aus dem Kissen regnet, ist klar: Katze haben Spaß bei dem, was sie tun. Sie scheuen sich nicht, Dinge anders zu machen, als Andere. Und so erschaffen wunderbare Kunst – im Bewegtbild-, vor allem aber im Tonträgerformat. Fünf Jahre nach „…von hinten“ erschien Album Nummer zwei, „Du bist meine Freunde“. Und jetzt haben wir 2015, wieder sind fünf Jahre vergangen – liebe Katze, ein drittes Album wäre doch eine phänomenale Idee für dieses Jahr!

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