Zulu Winter

Bildquelle: Facebook

In dieser Episode „Alt aber Gold“: Eine Band, die gar nicht so alt ist, aber irgendwie dann doch, weil es sie gar nicht mehr gibt: Zulu Winter! 2011 in London gegründet, anschließend im Folgejahr das Debütalbum „Language“ veröffentlicht, 2014 die Auflösung verkündet und im gleichen Zuge als Abschied noch das Mini-Album „Stutter“ veröffentlicht. Das waren also drei turbulente Jahre, in denen das Quintett zwei großartige Werke veröffentlichte, die wir hier im Blog aber nie behandelt haben. Eine Todsünde, wie ich finde und deswegen möchte ich eure Aufmerksamkeit auf diese, sehr besondere, Musik lenken.

Die gemeinsame Historie von Will Daunt, Iain Lock, Dom Millard, Henry Walton und Guy Henderson reicht aber weit vor die Gründung der Band zurück, denn bereits seit ihrem 15. Lebensjahr musizierten sie gemeinsam. Diese Vertrautheit merkt man dem Erstling „Language“ zweifelsohne an. Sie wussten, wie sie in der Gruppe funktionieren, wo ihre Stärken lagen und wie ihre gemeinsame Musik klingen sollte. Das Album verfolgte eine Idee – ein Konzept, das sich nicht in einer Art Story zeigte, die sich über das Album hinweg zieht, sondern viel mehr darin, auf welchen Sound sie abzielten.

Language: Der Beginn

Zulu Winter - Language

Language“ ist getrieben von einer bestimmten Verträumtheit sowie einem Sehnsuchtsgefühl, welches sich auch in den Texten niederschlug – Zwischenmenschlichkeit ist das übergeordnete Thema des Albums. Vielschichtige Kompositionen, durchgehend angereichert durch zig kleine Details und mit einer Engelsstimme sondergleichen sowie perfekten Harmonien als Topping verziert. Drums, die treibend voranpreschen können, aber auch mal ganz lazy in der Hängematte relaxen, jedoch immer von Variationen geprägt sind. Und dann sind da auch noch die überaus kreativen und groovigen Basslines, die sich ins Hirn fressen und dort einnisten – oh, boy!

„We Should Be Swimming“, eine der insgesamt vier Single-Auskopplungen, geht mit Abstand am Stärksten nach vorne: Tanzbar, laut und treibend geht es zu. „You Deserve Better“ hingegen fängt sehr geruhsam und in sich gekehrt an, steigert sich nach und nach und bricht nach der Bridge in einem emotional-musikalischen Feuerwerk aus. „Let’s Move Back To Front“ ist in sich ein schlichtweg wunderschöner Song mit tollen Drum-Patterns und der Closer „People That You Must Remember“ beendet das Album in ruhiger Gangart und zeigt dabei, wen man sich damals ins Gedächtnis einschließen sollte: Zulu Winter.

Auch live hatten sie es übrigens richtig drauf. Die Songs klangen nicht, wie auf dem Album; sie waren live noch einmal besser. Vor allem aber merkt man bei Live-Aufnahmen, dass Daunt tatsächlich eine so gute Stimme hat. Außerdem spürt man eine besondere Chemie bei der Band. Überzeugt euch selbst:

Stutter: Das Ende

Zulu Winter - Stutter

„Language“ blieb allerdings das einzige Album in voller Länge, denn im Juni letzten Jahres gaben sie ihre Trennung bekannt. Gleichzeitig kündigten sie mit „Stutter“ ein Mini-Album mit zehn Songs als Abschiedsgeschenk an ihre Fans an. Hierbei handelt es sich aber nicht um halbfertige Songs, die Zulu Winter mit mehr Zeit in ein kommenden Album hätte packen können. Stattdessen ist auch dieses Mal jeder einzelne Song richtig, richtig gut.

Im Gegensatz zu „Language“ wirkt das Abschiedsgeschenk aber weniger hypnotisierend, sondern eher etwas reduziert, trotzdem aber bleibt die verträumte Note erhalten. „Games“ ist sehr rhythmisch und relaxed, „Other Man“ lehnt sich zurück und lässt das groovige Bass auf den Hörer wirken. Generell geht es ruhiger zu auf „Stutter“. Die Kompositionen sind weniger komplex aufgebaut, stellenweise kommt ein fast schon mythischer Unterton hervor. „Let Sleep Close Your Eyes“ glänzt übrigens mit einer großartigen Komposition: Das Keyboard heult im Hintergrund beinahe schon, der Chorus wird in mehreren Gesangsebenen zelebriert und die Stimmung erinnert an einen klassischen Noir-Film.

Viel zu früh

Zulu Winter hätte eine Band werden können, die die heutige Musikgeneration nachhaltig mitprägt. Der Sound ist progressiv, kreativ, innovativ, rhythmisch, manchmal seltsam anders, aber immer wunderschön. Jeder einzelne Song hat seine Daseinsberechtigung und keiner erinnert einen anderen der Band.

Statt die größtenteils doch so dröge Musiklandschaft unserer heutigen Zeit gehörig durchzuschütteln und den allen Kids da draußen zu zeigen, was Musik eigentlich sein kann, wenn man sie nicht nur Mittel zum Zweck, sondern der Mittelpunkt des Schaffens ist, haben sie sich entschieden, ihren Herzen zu folgen. Ganz offensichtlich war ihnen Zulu Winter nicht mehr eine ausreichend hohe, kreative Herausforderung und das muss man akzeptieren.

Immerhin aber haben sie uns 21 ausgezeichnete, auf zwei Releases verteilte, Songs hinterlassen, die mit einem Begriff ganz schnell beschrieben werden können: „Zeitlos“. Eben das ist mein Grund, um euch diese Band nahezulegen, sofern ihr bisher noch nicht über sie gestoßen seid.

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