Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Prolog: Es sollte mein dritter Besuch eines Konzertes von Alt-J werden. Zuvor sah ich die Briten nur unter freiem Himmel bei den Hurricane Festivals in 2013 und 2015. Oft wurden sie für ihre Livetauglichkeit kritisiert und der Flair den sie im Studio auf die Audiospuren bannten, hat es in seiner Form nie wirklich auf die Bühne geschafft. Sollte sich das Bild beim Konzert mit Marika Hackman im Vorprogramm am 16. Januar 2018 ändern? Vor allem wenn man bedenkt, dass sie in der Hamburger Sporthalle spielen?

„Hey this is Marika Hackman“. So stellte sich die Musikerin und Ex-Model aus England nach den ersten beiden Songs des Abends vor. Um 20 Uhr sollte das Konzert starten und selten hat man eine Band pünktlicher auf der Bühne erscheinen sehen. So stark auch die Musik von der mir gänzlich neuen Band um Marika Hackman war, hat sich die Sporthalle als Sound-Location nicht überraschend schnell bemerkbar gemacht. Ihrer Stimme wurde recht viel Treble beigesteuert und so hat sich die Musik viel mehr durch die Ohren gebissen als es eigentlich hätte sein müssen.

Im Gegensatz zu Alt-J kommt ihr Sound allerdings wesentlich geordneter daher. Solide, leicht zu erahnende Strukturen ziehen sich durch das Set und man wünscht sich stellenweise etwas mehr Experimentierfreudigkeit. Mit ein bisschen mehr Feuer könnte das mal so klingen wie die Band of Skulls.

Die oberen Tribünen waren von vornherein abgehängt und die Halle füllte sich mit dem Auftritt des Openers von Song zu Song, so dass Alt-J schließlich in den Genuss kamen, direkt vor großem Publikum die ersten Chords anzustimmen. Eröffnet haben die drei Briten mit dem Song „Deadcrush“ aus dem jüngstem Album „RELAXER“. Sofort bekam man den Eindruck, dass alles stimmte und perfekt laufen würde. Der Sound hat gesessen, das Timing war auf Punkt und die Lightshow der blanke Wahnsinn. Und so wurde einem recht früh klar, dass man den Rest des Konzertes einfach genießen kann, ohne sich immer wieder über den Klang in der Sporthalle aufzuregen.

Immer wieder hinterließ der knallige Sound in Kombination mit dem Lichtgerüst staunende Gesichter in der Menge und besonders bei Songs wie „In Cold Blood“, „Every Other Freckle“ oder „Left Hand Free“ ließen sich die Fans dazu hinreißen, kräftig Körpereinsatz zu zeigen. Die Stärken von Alt-J liegen daneben aber auch in den eher ruhigeren Stücken mit einem mittleren Tempo und so durfte natürlich auch Publikumsliebling „Matilda“ nicht im Set fehlen.

Den ersten klar zu erkennenden Fehler in dieser nahezu perfekt wirkenden Show haben wir dann Joe Newman persönlich zu verdanken, der sich bei der Zugabe von „Breezeblocks“ einen kleinen Timingfehler erlaubte, ihn gekonnt mit einem „Fuck“ überspielte und lächelnd weitermachte. 

Schluss. Aus. Ende. Toll. Dass der Abend doch so gut wird, habe ich nicht geahnt. Und auch nicht, dass die große Gänsehaut sich erst auf meinen Armen wiederfindet, wenn die Band die Bühne schon verlassen hat. Denn als die Lichter in der Hamburger Sporthalle langsam wieder angingen, ertönte „Zombie“ der irischen Band The Cranberries aus den Lautsprechern. Fronfrau Dolores O’Riordan war zwei Tage zuvor überraschend verstorben und die Band zollte ihr so ihren Tribut und die gut gelaunten Alt-J Fans stimmten schnell mit ein und verließen singend die Location.

Fotogalerie: Alt-J

Fotogalerie: Marika Hackman

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