Im Mai fand in Scheeßel das Heimat Festival statt, bei dem ich die Ehre hatte, mich mit Manu und Timo von Anchors & Hearts über ihr anstehendes Album „Across The Borders“ (VÖ. 28.07.) ihre Herbst-Tour und anderes zu unterhalten.

Anchors & Hearts kommen quasi aus meiner alten Heimat irgendwo zwischen Hamburg und Bremen. Manu, Timo, Sebastian, Tim und Torben machen mit ihrem Melodic Hardcore schon seit 2013 die Bühnen des Landes unsicher und waren unter anderem schon mit ZSK, Schmutzki, Pyogenesis und anderen großartigen Bands auf der Bühne. Zudem organisieren die Jungs seit ein paar Jahren die „Harddaysnight“ in Gnarrenburg und geben jungen lokalen Bands so eine Plattform. „Hut ab“ würde ich sagen!

Fotos: Jasmin Reckers, noisiv.de

Am 28. Juli kommt euer neues Album „Across The Borders“ raus, was könnt ihr uns schon dazu verraten?

Manu: Wir sind uns einig geworden mit einem neuen Label.
Timo: Genau, das war ja das Ding. Es hat sich jetzt alles so herausgezögert, weil wir uns von unserem Label getrennt haben und jetzt erstmal neue Labels bemustern mussten. Jetzt sind wir bei Swell Creek Records.

Was kann für Unterschiede zu Sharkbites erwarten?

Manu: Ich würde sagen, dass die neuen Songs reifer sind und, dass wir für uns, verhältnismäßig viele Midtempo Songs haben. Nicht mehr nur komplett schnell. Und ich finde es ist aggressiver, eher roh.

Noch aggressiver?

Timo: Jo! Aber das liegt vielleicht daran, dass wir jetzt ein komplett anderes Tuning spielen. Wir spielen jetzt viel tiefer als auf Sharkbites und deswegen…

Ihr ward sehr viel als Support Band für ZSK, Schmutzki, Pyogenesis und andere unterwegs. Dann wäre die Tour im Herbst ja eure erste eigene Headliner-Tour. Ihr werdet sicherlich eine eigene Support Band (Ja, haben sie: Watch Out Stampede) mitnehmen, was würdet ihr anders machen, als die Bands, die euch als Support mitgenommen haben?

Manu: Im Prinzip meinst du, was uns nicht so gut gefiel?!

Timo: Negative Erfahrungen die wir hatten, die wir anders umsetzen würden mit den Bands?

Genau.

Manu: Also eigentlich sind wir sehr dankbar für jede Tour gewesen, die Touren waren aber alle sehr unterschiedlich. Wir haben ja von ganz großen ausverkauften Hallen bis hin zu kleinen Clubs alles gespielt. Ich würde sagen – also wir haben selber nicht die Erfahrung gemacht – bei den Support Bands immer dran denken, dass wir auch mal Support Band waren und immer noch sind und auch immer noch keine riesengroße Band sind. Also wir würden nicht hochnäsig gegenüber denen sein.

Timo: Negative Erfahrungen haben wir tatsächlich gar nicht gemacht. Das einzige, woran man vielleicht denken könnte, und was wir uns auch immer gefragt haben, so nach dem Motto „muss das jetzt sein?“ Dass die häufig allen Platz für sich beanspruchen und du musst als Support Band immer gucken, wie du klar kommst mit dem Platz der dir zur Verfügung steht. Gerade auf der Bühne.

„Das war so das einzige, was manchmal rücksichtslos war.”

Manu: Wir würden zum Beispiel nicht zu einer Support Band sagen „Baut euch vor uns auf.“ Und wenn der Club noch so klein ist. Es war tatsächlich mal so, dass wir unsere Backline davor aufbauen mussten und sowas ist halt nicht cool.

Timo: Allein, einfach ein bisschen mehr Platz zu machen. Wie oft haben die Bands ihre Boxen ganz nach vorn gezogen, obwohl nach hinten noch zwei Meter Platz waren und dann musst du dich davor stellen. Da kann man doch gleich dran denken. Das würde ich auf jeden Fall anders machen.

Ich habe von vielen Support Bands gehört, dass denen die Zeit zum Soundcheck ständig gekürzt wurden.

Manu: Wir sind durch unsere Touren mittlerweile echt sehr gut, was Aufbau und Soundcheck angeht. Dadurch, dass wir jetzt so viele Support Touren gespielt haben, weiß jeder genau, was passieren muss. Wir können echt innerhalb einer halben Stunde alles regeln. Tatsächlich ist es auch mal vorgekommen, dass der Soundcheck von der Hauptband mit 30 bzw. 40 Minuten geplant war und dann wurden 1:15 Stunde draus. Sowas ist dann halt nervig, weil uns die Zeit fehlt. Da würden wir dann auch drauf achten. Also alle kleinen schlechten Erfahrungen die wir gemacht haben, würden wir immer im Kopf behalten.

Ihr spielt dieses Jahr, glaube ich, zum dritten Mal beim Deichbrand Festival. Ihr seid ja quasi seit der ersten Stunde mit dabei. War es nicht sogar das erste Deichbrand?

Manu: Mit Anchors & Hearts jetzt nicht. Wir haben aber mit unseren alten Bands auch schon auf dem Deichbrand gespielt. Also ich mit A Chinese Restaurant, Timo mit Tiny-Y-Son und andere mit The Downfall Ends. Man kennt sich dadurch halt.

Ok, dann hatte ich das falsch im Kopf. Aber was bedeutet es euch, auf dem Deichbrand Festival zu spielen.

Manu: Es ist auf jeden Fall, die drei Male die wir da gespielt haben, immer das Highlight im Jahr. Also besser geht’s nicht. Gerade mit unserer Musik, die echt nicht Mainstream ist oder auf so einem Festival halt nicht unbedingt gehört wird, dann ist das echt schön!

Timo: Du hast da halt eine große Plattform, das ist gut!

Was ist das erste was ihr macht, wenn ihr von der Bühne kommt?

Manu: Ich geh zum Merch.

Timo: Genau, du gehst zum Merch, wir bauen ab und ich stecke mir meistens aber als erstes eine Zigarette an und Nic macht uns erstmal eine Mischung.

Manu: Und dadurch, das wir die Touren wirklich immer nur als Band gefahren sind, plus Nic [Anm.: Beim Heimat Festival hat Nic Torben am Schlagzeug vertreten], hat sich das so eingebürgert, dass ich von der Bühne direkt zum Merch gehe, weil wir halt keinen Mercher dabei hatten.

Ihr wohnt ja mittlerweile alle ziemlich verstreut, in Hamburg, in Buxtehude, in Oerel, in Bremervörde, wie macht ihr das mit dem Proben?

Timo: Gar nicht (lacht).

Manu: Wir proben tatsächlich relativ unregelmäßig und wenn, dann eigentlich nur vor Touren.

Nur vor Touren?

Manu: Ja, der Rest geht dann so über die Kommunikation via WhatsApp, Telefon und sowas alles.

Apropos WhatsApp, ihr habt ein Band-Handy. Was kommen denn da so für Sachen rein, wenn ihr mal aus dem Nähkästchen plaudern würdet?!

Manu: Es sind tatsächlich Leute, die uns dann schreiben „Viel Spaß“ oder „Bis nachher“ und so. Aber da kommen auch ganz lustige Fragen, die wir dann beantworten.

Hast du vielleicht ein Beispiel?

Manu: Das ist schwer. Da müsste ich mal nachgucken und dir das nachträglich schicken.

Timo: Am besten schickst du eine Nachricht an das Handy und erinnerst uns noch mal dran! [Hab ich natürlich nicht und daher auch keine witzigen Nachrichten für euch.]

Habt ihr mit Anchors & Hearts noch Ziele, die ihr unbedingt erreichen wollt?

Manu: Na ja, man will ja immer weiter wachsen. Jede Show bewegt einen dazu zu sagen „Ok, was können wir nächstes Mal besser machen?“ Es ist nie so, dass wir sagen „Ist jetzt geil, so bleiben wir!“ Auf jeden Fall ist das nächste Ziel, das Album rauszubringen.

Wollt ihr noch etwas loswerden?

Timo: Geht mehr auf Konzerte und unterstützt Bands. Ganz einfach!

Manu: Genau, auch kleine Konzerte unterstützen und nicht nur, wenn da Impericon drauf steht oder sowas. Das ist leider wirklich so, dass die Leute das nicht einsehen, 10€ für 5 geile lokale Bands zu zahlen. Die zahlen lieber 40€ wenn da Impericon draufsteht, egal welche Band da spielt. So etwas ist halt schade!

Anchors & Hearts: Live auf Tour 2017

  • 03.08. – München, Free&Easy
  • 05.08. – Butjadingen, Andy Ist … Festival
  • 12.08. – Großefehn, Großefehn Open Air
  • 10.11. – Berlin, Badehaus
  • 16.11. – Köln, Sonic Ballroom
  • 17.11. – München, Backstage Club
  • 18.11. – Saalfeld, Klubhaus
  • 23.11. – Osnabrück, Westwerk
  • 24.11. – Hamburg, Logo

Fotogalerie: Anchors & Hearts beim Heimat Festival