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Foto: Starkult Promotion

Wer Anderson .Paak immer noch nicht auf dem Schirm hat, lebt am Nordpol oder in Heidenau. Floskelhaft wird stets über Andersons erscheinen auf „Compton“ berichtet, aber dass der gute Mann bereits auf eigenen Beinen steht, wird selten erwähnt. „Compton“ ist eine Facette im Schaffen von .Paak, die sich gut liest, doch der Sängerslashrapperslashproduzent hat weit mehr drauf. Das wird mit dem neuen Album „Malibu“ ein ums andere Mal deutlich.

Das Ganze ist mehr D‘Angelo, als Dr Dre. Mehr Andre 3000, als Big Boi. Mehr Dj Quik, als Dj Premier. Aber auch ausschließen will Anderson erstmal nichts. Singt der jetzt oder ist das Rap? Und das Verrückte ist: Diese Mischung funktioniert auch noch perfekt! Wahrscheinlich macht auch genau das die Klasse eines sogenannten Künstlers aus. In Credits sind hier Madlib, DJ Khalil, 9th Wonder und Kaytranada, wobei ein Großteil auch von Anderson selbst produziert wurde. Irgendwo ist sogar ein Robert Glasper an den Keys. Wer sich jetzt verdutzt am Kopf kratzt hört hier kurz auf zu lesen und googlet!

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Foto: Starkult Promotion

Heraus kommt ein ausgewogener Mix aus Hip-Hop, Soul, Funk und Jazz. Manche mögen sowas Neo-Soul nennen. Doch was so leicht rüberkommt, ist beim zweiten Blick recht schwere Kost. Immer wieder hört man heraus, dass Anderson nicht aus den besten Verhältnissen kommt und auch später nicht nur Gutes erlebt hat. Dennoch überwiegt eine positive Stimmung und feiern darf sein.

Auf „Am I Wrong“ fragen Schoolboy Q und Anderson:

„They wanna know where I’ll be in five/
but what about today, what about tonight?”

Ein schneller Song, der daran erinnert, dass es auch gute Zeiten gibt und Frauen schöne Augen zu machen, ist eh immer drin. „The Season/Carry Me“ hingegen erzählt von dem, was generell so schön als der Struggle bezeichnet wird. Recht kryptisch werden unterschiedlichste Bilder aneinandergereiht und Gedächtnisschnipsel in die Verse eingeflochten. Vielleicht einer der Besten Tracks auf dem Album.

„If cash ain’t king, it damn sure is the incentive/
And good riddance“

Die Stärke von „Malibu“ ist eindeutig die Selbstverständlichkeit, mit der Anderson .Paak zwischen den unterschiedlichen musikalischen Stilen switcht. Songs wie „Celebrate“ und „Put Me Thru“ klingen unglaublich schön nach den 70ern, ohne sich dabei an alte Helden anbiedern zu wollen. Unter uns: Daran sind in den letzten Jahren einige Künstler gescheitert. „The Waters“ oder „Without You“ bieten dagegen astreine Hip-Hop-Instrumentale.

Ich bin der Meinung, dass Anderson .Paak 2016 richtig abräumen könnte. Weit aus dem Fenster lehnen tu ich damit mich sicherlich nicht, wenn selbst ein Dr. Dre auf meiner Seite steht.

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