Foto: Andreas Hornoff

Foto: Andreas Hornoff

Als wir euch vor einer Weile eine kleine Vorschau auf das A Summer’s Tale-Festival aufbereiteten, haben wir ganz offensichtlich einen spannenden Newcomer vergessen: Andreas Liebert wuchs im Norden Bayerns auf, ließ sich unter Anderem vom Tomte-Album „Buchstaben über der Stadt” zum Gitarrespielen und Songschreiben verleiten und so führte ihn auch sein Weg über Umwege in die Stadt, in der Thees Uhlmann damals die Buchstaben aufhängte und seine Indiepop-Manifeste sang: Hamburg. Von hier aus veröffentlicht der 27-Jährige mit dem Indie-Label HELLOIAM am kommenden Freitag seine erste, digital erhältliche EP unter dem schicken Titel „Durchgelebt”.

„Anfangende” heißt der Einstieg in die sieben Songs seines Debüts – und umschreibt damit bereits ganz gut, in welchen Gefilden Liebert mit seinen Songtexten heimisch ist: der Anfang und (ganz besonders) das Ende von Beziehungen dienen ihm auf „Durchgelebt” immer wieder als songtextgewordenes Objekt der Wahl. Nachdem sein Intro noch vom ersten gemeinsamen Herbst voller „Pilotfolgen, verkuschelt in meinem Bett” zu berichten weiß, muss Liebert sich schon bei Track 2 darauf besinnen, wie gut er weiß, wann „Aus Hallo Tschüss” wird. Seine Lyrics geraten durchweg persönlich und laden doch zum Sich-Hineinversetzen ein:

„Wir sind mal gewesen wer wir sind. Ich hab‘ dich vermisst. Ich hab‘ andere Mädchen geküsst. Aber jetzt schau‘ ich dir nur noch digital beim Leben zu. Ich weiß nie mehr, wie sich deine Lippen anfühlen.”

AndreasLiebert_DurchgelebtJene Texte trägt er stets in be-son-ders deut-li-cher Aussprache vor – und macht seinen eigenen Duktus damit nach kurzer Eingewöhnungsphase schnell zum Teil eines gewissen signature sounds! An Vergleichen wollen wir aber dennoch nicht gänzlich sparen; So erinnert zum Beispiel sein „Kleiner Tümmler” stellenweise an Künstler wie ClickClickDecker. Nachdem die vorausgegangenen Stücke sich noch recht überschaubarem Instrumentarium und simplen Akkordwechseln bedienten, wird es hier im Klangbild deutlich spannender: Mit Pianos und verhallten Streicherflächen erweitert Liebert seinen Gitarre-Schlagzeug-Kosmos in andere Dimensionen und lässt so massig Atmosphäre aufkommen. Und dass jene Elemente das Schlagzeug auch aus dem Raum drängen und trotzdem eine der Videosingles abliefern können, zeigt „Teil des Spiegels”.

Als habe er mit „Kleiner Tümmler” nicht schon genügend am eigenen Sound gespielt, präsentiert er gen Ende dann sogar noch eine Art Remix jenes Songs. Der heißt folgerichtig „Tümmler” und in dieser Version geben Bass und Bassdrum stoisch den Beat an, lassen sich im Refrain sogar von elektronischem Geknarze unterstützen, dazu gibt uns Liebert abermals mit wohlgewählten Worten Einblicke in Szenen einer Beziehung:

„Am gleichen Punkt des Breitengrades wandel‘ ich so rum auf deinem Pfad. Ich lad‘ mich ein, trinke vier Bier. Mach‘ schöne Augen. Wir sind bei dir. Wiederhole deinen Namen im Taxi gegenüber. Will ihn morgen wissen – egal, wie viel Bier!”

Noch stärker als bereits in der kleinen Version dieses doch recht großen Songs stellt sich der Vergleich zu Kevin Hamann und seinem oft ebenso elektronisch untermalten Indie-Projekt ein – und das ist definitiv positiv! Erstaunlich ist außerdem, wie wenig diese Doppelverwertung des Tracks im Gesamtkonstrukt der EP stört.

Die thematischen Überschneidungen in Lieberts Texten geben „Durchgelebt” einen roten Faden, den er mit dem hübschen Sätzchen „Wo geliebt wird, fallen Tränen” zum Abschluss führt. An diesem Ende steht aber – ganz im Sinne des ersten Songs – sicher der Anfang eines längerfristigen Schaffens als Singer-Songwriter, denn das Potential von Andreas Liebert scheint angesichts seiner Experimentierfreude noch lange nicht ausgeschöpft.

[asa mp3]B011TD5ZTW[/asa]