Crossroads Festival 2014

Erst vor wenigen Wochen erschien sie, die „Tantenmaschine“, der neueste Streich von Angelika Express – wir besprachen die Platte ja bereits hier. Das Indie-Quintett vom Rhein vertrieb das Album unter Anderem im bandeigenen Webshop als „Personal Edition“ mit dem Konterfei des jeweiligen Hörers auf der edlen Metallbox. Die zuvor erschienenen Alben hingegen gab es für einige Zeit zum selbstbestimmten Preis bei Bandcamp. Eine Band mit ausgefallenen Ideen also, und nicht zuletzt Schöpfer von wunderbar angepunktem Indierock. Genug Grund also für uns, dem Sänger und Gitarristen Robert Drakogiannakis einmal die eine oder andere Frage zu stellen!

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Für alle, die euch noch nicht kennen: Welcher eurer Songs steht stellvertretend für die Musik von Angelika Express?

Meine heimliche Hoffnung ist, dass jeder unserer gottverdammten Songs den Angelika Spirit repräsentiert. Der ganze Budenzauber basiert auf einer jahrzehntelang erarbeiteten Songmatrix, inklusive Riesengeschrammel, gewagter Parolen und beschwingter Melodien. Das genaue Rezept unserer Indie-Cola bleibt natürlich geheim.
Aber Scherz beiseite: Die letzte Single „Allemannjana“ bringt unseren Spirit ganz gut auf den Punkt. Insbesondere die aggressiv gut gelaunte Skepsis gegenüber der bundesrepublikanischen Alltagswelt.

Ihr habt vor einiger Zeit eure gesamte Diskographie als „Pay what you want“ verfügbar gemacht. Wie waren da die Erfahrungen? Ist den Leuten die Musik noch etwas wert, oder haben sie alles umsonst abgegriffen?

Sowohl als auch. Viele haben erstmal für einen halben Euro das Gesamtwerk runtergeladen. Manche dann aber später alles zusammengekratzt für den Erwerb unserer betont hochwertigen Tonträgereditionen. Wir legen ja großen Wert drauf, nicht einfach schäbiges Plastik anzubieten, sondern Alben eher als liebevolle Sonderanfertigungen mit Kunstcharakter anzubieten.
Generell sehe ich hier ein handfestes Gegengewicht zur „Entkörperlichung“ von Musik durch Streaming und so.

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Seid ihr selbst noch leidenschaftliche Plattensammler, oder rezipiert ihr Musik eher über Streaming-Plattformen?

OK, ich oute mich hiermit als begeisterter Streamer. Spotify und Konsorten bieten einem quasi den Zugang zu einer Universalbibliothek des Pop, für ’n Appel und ’n Ei. Himmlisch aus Komsumentensicht! Das ist die schöne Perspektive. Wie furchtbar schade nur, dass man als veröffentlichender Musiker nahezu keine Brötchen damit verdienen kann. Schizophrenerweise muss ich daher alle Musikkonsumenten zum sofortigen Streamingboykott aufrufen! Nach dem Motto: Schützt eure Lieblingskapellen vor der Verramschung im Internet!
Zum Glück gibt es bei vielen Fans ein wachsendes Bewusstsein für den unfassbaren Aufwand, der dahinter steckt Musik auch nur in eine halbwegs hörbare Form zu bringen.

Ihr gebt euch in euren Songs immer mal wieder politisch ambitioniert. Ist Rockmusik denn heutzutage noch ein adäquates Medium für politische Meinungsäußerung?

Rockmusik als Positionierungshilfe – gerade jetzt eine noble Sache, mit all den engstirnigen, nationalistischen Hirnis da draußen.
Bei meinen Songs für Angelika Express ist mir wohl eher daran gelegen mit verqueren Songtexten Räume fürs Denken zu schaffen wo Tagespolitik gar nicht hinkommt. Antipolitische Spielwiesen für Skepsis und Rebellion.
Eins noch: Es gibt dieses Gejammer, dass man mit Kunst nix am System ändern könne. Aber in einzelnen Köpfen kann man sehr viel ändern. Ich habe zum Beispiel mit 13 intensiv Dead Kennedys gehört. So eine Band kann deine Haltung und deine Art zu Denken fürs Leben prägen.

Was denkt ihr über die derzeitige Musikszene hierzulande? Verfolgt ihr, welche neuen Bands auf die Bildfläche treten und was gerade im Indiebereich los ist?

Wanda sind gerade ein geiler Hype. Ansonsten… Ich schaue mir in der deutschsprachigen Szene das eine oder andere an, aber ehrlich gesagt eher mit mildem Interesse. Feelgood-Indie scheint seit Jahren im Trend zu liegen, dass finde ich langweilig. Leider fehlt mir der Zugang zu Hip-Hop, denn da scheint die meiste Vitalität stattzufinden. Antilopen Gang und so. Da kann sich die Indie Fraktion tüchtig was abgucken, als Gegengift gegen Belanglosigkeit, Unverbindlichkeit und Innerlichkeit.

noisiv.de bedankt sich ganz herzlich für das Interview!

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