Als Kraftklub 2012 ihren großen Durchbruch mit „Ich will nicht nach Berlin“ hatten, mag dem einen oder anderen durch den Kopf geschossen sein: Mit dem Thema hat doch schonmal eine deutsche Rockband von sich reden gemacht. Denn schon neun Jahre zuvor hatten Angelika Express einen gar nicht so kleinen Szenehit mit „Geh doch nach Berlin“. Vom damaligen Trio ist heute nur noch Sänger, Songwriter und Angelika-Kopf Robert Drakogiannakis übrig, der sich aber nach der von 2005 bis 2008 andauernden Bandpause vier neue Mitglieder dazugeholt hat – darunter zwei Drummer! Zuletzt kam Annick Manoukian hinzu, die auf dem neuen Album „Tantenmaschine“ bereits eigene Stücke beisteuert und singt – womit wir beim Thema wären.

cover_angelikaDer erste Vorbote der neuen Platte ist bereits seit einiger Zeit als Titelstück der WDR-Serie „Endlich Deutsch“ zu hören. „Allemannjana“ stellt außerdem die erste Videosingle und die Eröffnung der „Tantenmaschine“ dar. Und da brettert der Express auch direkt wieder ordentlich los – Gitarren sollen nunmal laut sein! Damit bleibt die Angelika-Familie ihrem Stil treu, eingängige Melodien mit gutem Feeling und ordentlich Wumms dahinter waren immer das, was sie auszeichnete. Dazu die Texte von Drakogiannakis, die der Verschrobenheit vieler deutscher Indie-Darlings wenig abgewinnen können und lieber mit Hand und Fuß Lebensrealitäten verarbeiten. So handelt auch die „Tantenmaschine“ mal vom Persönlichen, mal vom großen Ganzen und am liebsten von deren Zusammenhang miteinander. Das zeigen Lyrics wie „Gentrify me gently“ und dem thematisch brandaktuellen „Gegen die Berliner Mauer zwischen dir und mir“, in dem die „Explosion der Rockmusik und Rebellion“ gezündet wird.

Angelika Express waren und bleiben politisch ambitioniert, die Attitüde war immer Punk. Denn „deine Arbeit ist minus zehn Milliarden wert, deine Arbeit hat dich dein Leben lang beschwert“, wie Neuzugang Annick Manoukian in „Deine Arbeit“ anklagt. Daher hält man sich von nun an doch besser „Besoffen im Park“ auf und Drakogiannakis jubiliert: „Endlich simmer nutzlos!“ und „Auf der ganzen Welt wird nichts mehr hergestellt!“

deluxetante

Der Punk-Ansatz lässt sich auch in der Musik spüren, die beispielsweise an die späteren Ramones erinnert – rotzig und laut, trotzdem kontrolliert und mit Pop-Appeal. „Wir waren Pop, wir waren bekloppt, nicht populär!“ heißt es im abschließenden „Kronleuchter An“. Und auf große Popularität waren Angelika Express auch nie zwingendermaßen aus, sie sind eben nicht die hippe Indiekapelle, die jedem Trend hinterherrennt.

Bei den Kölnern wird lieber der hartnäckige Kern der Fanbase verwöhnt. Die „Ultra Deluxe Personal Edition“ des Albums kommt in einer Metallbox, die mit einem Foto des Fans versehen wird, der außerdem in einem exklusiven Intro namentlich begrüßt wird. Alles ohne Labeldeal, alles DIY. Außerdem enthalten: Demoaufnahmen der Albumstücke, jede einzelne Spur aller Songs auf einer DVD sowie 16 Kunstdrucke vom Sänger höchstselbst. Was könnte sich ein Fan mehr wünschen?

Angelika Express haben mit „Tantenmaschine“ erneut ein formidables Album geschaffen. Wer sich von melodiösem Alternative mit ordentlich „Nanana“ und „Bababa“ anstecken lässt, hat bereits jetzt die Möglichkeit, 8 der 16 Songs kostenlos herunterzuladen. Wer die CD-Version, die zum 16. Januar ausgeliefert wird, bestellt, erhält direkt alle Songs als MP3.

Bildquelle Facebook