Angst macht keinen Laerm 2015 01

Angst macht keinen Lärm 2015 in Leipzig

Über die letzten beiden Jahre gedieh das „Angst macht keinen Lärm“-Open Air zu der geschmackssicheren Alternative für Freunde niveauvollen Deutschpunks schlechthin. Anfänglich einer gemeinsamen Idee von Turbostaat und Pascow entsprungen, bespielt nun ein halbes Dutzend deutscher Punk-Bands den jährlich wechselnden Veranstaltungsort.

Vor zwei Jahren startete das Ganze im Trierer ExHaus, 2015 gastierte man hingegen im Leipziger Conne Island (hier übrigens mein Bericht vom letzten Jahr). Als diesjährigen Austragungsort suchte man sich für den 20. August das Waschhaus in Potsdam aus. Die Auswahl der Line-ups unterliegen nicht den typischen Parametern, sondern einzig und allein den Geschmäckern der beiden genannten Bands. Das wiederum macht sich bezahlt, denn das inzwischen finale Line-up schreit geradezu „Qualität“:

  • Turbostaat
  • Pascow
  • Love A
  • Die Nerven
  • Freiburg
  • Duesenjaeger
  • Lygo
  • Gurr

Über die beiden erstgenannten Gruppen muss man wohl nicht allzu viele Worte verlieren. Die eine steht wie keine andere für die Wiederbelebung der deutschen Punk-Szene, die Andere ist seit jeher Everybody’s Darling des hiesigen Punkrock. Auch Love A haben sich in den vergangenen Jahren einen ähnlichen Status erspielt. Das sind also schonmal drei großartige Bands an einem Tag am gleichen Ort. Doch wie schaut es beim Rest aus? Der mag dem einen oder anderen vielleicht nicht immer geläufig sein, ist aber nicht minder großartig! Werfen wir auf die ein oder andere doch mal einen etwas detaillierteren Blick:

Freiburg

Freiburg sind anders – und das zeigt sich nicht nur an ihrem Bühnenaufbau, bei dem sich die beiden Sänger Tom und Joppi gegenüberstehen und nacheinander bzw. gleichzeitig anschreien. Bisher veröffentlichten Freiburg drei Alben – zuletzt „Brief & Siegel“ im vergangenen Jahr. Einfache und direkte Texte, gerade heraus, die mitten ins Mark gehen und einschlagen. Die Instrumente? Ebenfalls relativ simpel gehalten schaffen sie dennoch bedrückende Atmosphären. Sie machen aus wenig ganz viel und verdienen vielleicht auch gerade dieser musikalischen Effizienz wegen viel mehr Aufmerksamkeit! „Haben Sie gesehen? Aktion, Reaktion!“.

[asa]B0159DRG9U[/asa]

Lygo

Im April dieses Jahres veröffentlichte das Bonner Trio ihre aktuelle „Misere“-EP. Diese beinhaltet sechs Songs, die vor brachialer Wut und Aggression strotzt, dabei aber nicht auf kluge Texte verzichtet. Zusammen mit Pascow bilden Lygo für meine Belange derzeit die Speerspitze des deutschsprachigen Punkrock und das kommt nicht von ungefähr! Auch live sind sie granatenstark, wie ich inzwischen drei Mal feststellen durfte. Und Rückgrat haben sie auch, bewiesen sie dies Mitte letzten Monats doch mit ihrem klaren Statement gegen die rassistischen Äußerungen des Bochum-Total-Veranstalters.

[asa mp3]B01CO19IOG[/asa]

Die Nerven

Die Nerven

Foto: Patrick Herzog

Das Stuttgarter Trio ist das exemplarische Beispiel für die musikalische Vielfalt, die das Angst macht keinen Lärm seit jeher betont. Sie stehen irgendwo zwischen Post-Punk, Noise-Rock und Indie-Rock, dazu brauen sie düsterste Stimmungsspiele. Ihr 2014 erschienenes Album „Fun“ brachte ihnen zahlreiche Lobeshymnen ein und auch der 2015er-Nachfolger „Out“ konnte an diesen Erfolg anknüpfen. Auch ihre Live-Qualitäten werden hüben, wie drüben über jeden Klee gelobt – ein mehr als gutes Zeichen für den anstehenden Open-Air-Auftritt in Potsdam!

[asa]B010MXBI50[/asa]

Ihr seid spätestens jetzt endlich auf den Geschmack gekommen? Das ist super, denn noch könnt ihr bei Tante Guerilla Hardtickets erwerben (oder für die spontanen Ticketkäufer: Ihr schlagt via Eventim zu)! Der Preis liegt bei schnöden 32 Euro und beinhaltet gleichzeitig den Zugang zum Berliner Nahverkehr in den Tarifzonen A, B und C. Moment! Nur 32 Euro? Für sechs Bands draußen, zwei drinnen und anschließender DJ-Party? Exakt! Die weitere Suche nach Ausreden könnt ihr euch nun sparen. Ihr interessiert euch für Punk-Musik? Dann müsst ihr hin!