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Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Ein Konzert am Tag vor Fronleichnam? Mit drei Uncle-M-Bands? Sie riefen, ich folgte! Am Mittwoch spielten Coppersky, anorak. und Idle Class im Oberhausener Druckluft und das lässt sich meinereiner natürlich nicht entgehen.

Argumente sind mehr als genug da: Idle Class habe ich in diesem Jahr noch nicht live gesehen, das anorak.-Debütalbum ist verdammt gut und die Stimme von Coppersky-Sänger Erik muss man sich einfach mal live anhören! Leider scheint all das aber nicht zu den Konzertbesuchern im Ruhrpott durchgedrungen zu sein, denn mit knapp 50 Zuschauern war die Crowd doch recht übersichtlich – ein Unding sondergleichen, von dem sich alle drei Bands aber nicht beirren ließen.

Coppersky läuten ein

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Den Anfang machten Coppersky aus dem niederländischen Utrecht. Nachdem ein Mitarbeiter die draußen stehenden Besucher zunächst erstmal reinbitten musste (sowas hab ich bisher auch noch nicht erlebt), wusste die Band komplett zu überzeugen. Eriks Stimme kommt auch live wunderbar rau und kantig daher, man hört ihm gerne zu, wenn er die Texte singt und es kommt einiges rüber.

Vor allem dem Bassisten Robert hat man immer wieder angemerkt, wie viel Bock er auf den Auftritt hatte und die recht eingängigen haben beim Zuhören viel Spaß gemacht. So gut darf man einen Abend gerne öfter eröffnen!

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anorak. und Action vor der Bühne

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Im Folgenden erwartete uns eine klangliche 180-Grad-Drehung. Weg vom marschierenden Rock hin zu detailverliebtem Post-Hardcore mit Indie- und New-Wave-Einschlägen: anorak.! Ihre Musik unterscheidet sich deutlich von dem, was man sonst im (Post-)Hardcore-Bereich kennt und gerade das macht den Reiz an dieser jungen Truppe aus.

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Das erste Ausrufezeichen setzt Sänger Philipp bereits vor dem eigentlichen Beginn des Sets, indem er sich demonstrativ mit seinem Mikrofonständer vor die Bühne stellt. Es stellt sich heraus: Er braucht den zusätzlichen Platz! Von links wirbelt er nach rechts, nach hinten und wieder nach vorne, während er sich die Seele aus der Kehle schreit.

Der sehr spezielle Sound kommt dabei auch live extrem gut, wenn auch etwas rauer, rüber. Ob nun die Single „morning view“ oder “the calm“ – die vielen Details und Verspieltheiten ihrer Musik werden auch im Konzertraum deutlich. Wer ihr Album für sich entdeckt hat und sie auf ihrer Release-Tour sogar live sah, kann sich wirklich glücklich schätzen, denn hier haben wir eine Band vor uns, die ihr komplett eigenes, verschrobenes Ding dreht, komplett dahintersteht und einfach beeindruckt.

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Idle Class machen glücklich

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Zweite Umbaupause. Anschließend melodischer Punkrock aus Münster: Idle Class sind dran! Im letzten Jahr sah ich sie bereits drei Mal und das hat auch seine Gründe, denn es macht einen schlichtweg jedes Mal ein bisschen glücklich, ihnen beim Spielen zuzuschauen. Sie bilden eine Einheit des Herumtanzens und gehen ab, wie Schmidts Katze!

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Ob nun „The Drama Continues“, „Johnny B“ oder „Worn out Shoes“ – diese Art der Energie, die sie live freisetzen, sieht man nicht aller Tage. Gerade letztgenannter Song ist aufgrund der Explosivität nach dem ruhigen Intro einer meiner Live-Favoriten und fasst gut zusammen, wieso ich diese Band so sehr schätze. Da kommt unheimlich viel Atmosphäre und gefühlter Zusammenhalt auf.

Völlig unterschiedlich, völlig geil

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Ein Abend, drei klasse Live-Bands. Das gibt es wahrlich nicht bei jedem Konzert. Dieser Abend bot aber exakt das: Drei Bands, die musikalisch unterschiedlicher nicht sein könnten und trotzdem eine Einheit bilden, die einen Konzertabend wirklich großartig ausfüllen kann. Diese Vielseitigkeit zeigt übrigens auch ganz gut, was ein gutes Independant-Label, wie Uncle M hierzulande eben eines ist, ausmacht: Musikalische Vielfalt bei einem sicheren Geschmack, dem man vertrauen kann.

Ich habe es wirklich nicht nötig, dem Label irgendeinen Hintern zu pudern, aber lasst euch eines gesagt sein: Wenn eine Band ihres Portfolios irgendwo bei euch in der Nähe spielt, dann schaut mal vorbei. Sowohl Coppersky, als auch anorak. und Idle Class haben am Mittwoch auf mächtige Art und Weise gezeigt, warum man das machen sollte.

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