Foto: Robert Eikelpoth

Die Antilopen Gang ist zurück mit ihrem Album „Anarchie und Alltag“. Und nach einigem Hadern nach den beiden bereits bekannten Singles „Das Trojanische Pferd“ und „Pizza“ bin ich hellauf begeistert. Weder gibt es den totalen Abklatsch des Vorgängeralbums, noch eine schnöde Pop-Platte, die auf den endgültigen Ausverkauf abzielt.

Viel eher gibt es irgendwas dazwischen. Im Nachhinein spürt man, dass sich Koljah, Danger Dan und Panik Panzer wohl doch etwas unwohl fühlten bei „Aversion“. Die Umstände, die den Durchbruch der Band begleiteten, bereiteten ja auch tatsächlich Unwohlsein. Das Hadern mit dem eigenen Status war spürbar.

Diese Unsicherheit ist nun einem neuen Selbstbewusstsein gewichen. Die Antilopen Gang ist immer noch politisch, aber nicht nur. Warum auch? Wer die Rapper lediglich auf „Fick die Uni“ oder „Beate Zschäpe hört U2“ reduziert, übersieht, dass es dahinter auch einfach um Musik geht und schon immer ging.

Dennoch wird in den ersten beiden Songs des Albums, eben „Das Trojanische Pferd“ und „Patientenkollektiv“, zunächst der Außenseiter-Status betont. Einzelne Zeilen machen schon Spaß, die ersten wirklichen Highlights folgen jedoch noch. „Fiasko“ ist ein Live-Monster und überzeugt mit großem Refrain und spitzfindigen Lines:

Komm zu deiner Messerstecherei mit einem Pizzaschneider
Ich würd‘ gern nach unten treten, aber leider ist da keiner.

Panik Panzer – Fiasko

Es folgen Songs mit Fatoni und Schorsch Kamerun. Hat man auch eher selten. Ausfälle sparen sich die drei Jungs und rappen sich souverän, mal lustig, mal ernst, durch die erste Hälfte des Albums. Die Instrumentals sind allesamt erste Ware: Aktuell klingende Hip-Hop-Drums und drückende Bässe treffen auf Gitarre und Klavier. Der Trademark-Sound wurde gefunden.

Mit „Baggersee“ gibt es dann sogar noch einen waschechten Punk-Song auf „Anarchie und Alltag“. Die Idee hinter dem Titel sollte der Refrain deutlich erkennen lassen:

Atombombe auf Deutschland, dann ist Ruhe im Karton
Komm wir bomben einen Krater und dann fluten wir das Loch!

Danger Dan – Baggersee

Im Prinzip verdient es jedes Lied des Albums hier seziert und auseinandergenommen zu werden. Vor allem haben die drei Rapper tatsächlich genug zu erzählen. Man könnte etliche Rückschlüsse ziehen auf die politische Haltung, das Seelenleben und die Weltsicht der Antilopen Gang. So was mach ich nicht, nimmt ja auch den Spaß aus der ganzen Angelegenheit. So viel jedoch vorweg: Die Antilopen Gang ist noch immer brutal ehrlich und auch als Hörer kommt man bei einigen Zeilen ins Grübeln.

Mir macht „Anarchie und Alltag“ verdammt viel Freude und ich trauere in keinem Moment den sogenannten alten Zeiten hinterher. Dafür ist das Album zu gut. Im Prinzip finden sich darauf sogar alle Themen, für die die Jungs eben stehen und standen. Nur in ausgereifter Form und vielleicht weniger plakativ. Dafür könnte ihnen mit „Anarchie und Alltag“ tatsächlich der ganz große Coup gelingen.

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