Wer auf Singer-Songwriter-Musik steht, kommt zurzeit nicht an Antje Schomaker vorbei. Ihre Texte sind häufig autobiographisch und handeln viel von ihren Freunden aber oft auch von ihr selbst. Dass sie dabei ihre Seele auf den Tisch legt, ist Antje dabei egal. Das gehört bei ihrer Musik eben dazu.

Ich habe Antje das erste Mal als Support Act von Hudson Taylor Ende 2015 gesehen und habe mich direkt in ihre melancholische Stimme und auch in sie selbst verliebt. Wenn Antje einen Raum betritt, dann geht die Sonne auf, so viel ist sicher!

Am 17. Dezember gab sie im Molotow zum ersten Mal gemeinsam mit ihrer Band eine Headliner-Show. Als Support Act war die zauberhafte Lotte dabei. Kurz zuvor war Antje mit ihren Jungs Felix, Felix (sie nennt die beiden liebevoll Fix und Foxy) und Andre noch mit Bosse unterwegs und konnte somit schon auf den großen Bühnen des Landes die Menschen von sich überzeugen. Bei ihrem Konzert im Molotow habe ich sie zu einem sehr schönen Interview getroffen.

Antje, ihr wart mit Bosse auf Tour. Wie war es für dich und was hast du für dich mitgenommen?

Antje: Es war super toll! Also wirklich Monster, Monster gut! Ich hab im Voraus schon sehr viel Positives über diese Truppe erfahren und dann erwartet man natürlich krasse Erfahrungen und die wurden alle getoppt. Es war echt schön und auch gut für uns als Band zusammen zu wachsen. Wir haben da auf jeden Fall von guten Leuten gelernt. So als unsere erste gemeinsame Tour war es echt perfekt.

Ich habe dich das erste Mal bei Hudson Taylor live gesehen. Du selbst warst auch einige Zeit in Irland. Hast du die dort kennengelernt oder wie kam es zu deinem Auftritt?

Antje: Ich war Au-Pair in Irland und hab die da auf der Straße gesehen und war sofort riesen Fan. Ich glaube die haben 89 YouTube Videos und ich hab die alle geguckt. Dann kamen sie nach Deutschland, ich glaube zum Hurricane oder so und hab zu meinen Freunden gesagt – „Boah, wenn die mal nach Hamburg kommen, dann will ich unbedingt Vor-Band sein!“ Ich hab das aber immer nur so aus Spaß gesagt und dann kam letztes Jahr (2015), ich weiß das noch ganz genau, eine Email vom Booking „Wir finden das passt ganz gut, hast du Bock die zu supporten?“ Und ich dachte so – Krass!. Da war das erste Mal dieses Ding, dass ich mir dachte, ich wünsche mir irgendetwas ganz doll und dann geht das in Erfüllung.

Du hast ja schon mal im Molotow gespielt und heute ist deine erste Headliner-Show hier. Und es ist ausverkauft!

Antje: Ja! Mega abgefahren! Ich hab damit auch nicht gerechnet. Vor allem, diese Show, im April war der Booker, der auch unser Booker jetzt ist, bei einer Show von mir und meinte so: „Ok, Antje, ich buche ´ne Show im Dezember. Mit Band im Molotow.“ Und ich dachte so – Och, Molotow Club oben, die Sky Bar ist machbar. 150 Leute, das kriege ich bestimmt irgendwie hin. Und jetzt unten doppelt so groß, damit hätte ich auch nicht gerechnet.

Ich habe bei YouTube mal ein bisschen durch die Kommentare gestöbert und dort schreibt jemand „Die weibliche Poisel“. Würdest du dich mit jemandem vergleichen oder überlässt du das lieber anderen?

Antje: Es ist immer komisch, ´ne? Also ich würde mich nicht so vergleichen, macht glaube ich keiner zu sagen „ich bin so wie“. Auch weil das ja erstmal auf eine Art anmaßend ist und auf eine andere Art ist ja jeder irgendwie anders. Ich hab schon sehr viele stimmliche Vergleiche gehört, auch textlich, aber ich glaube zu sagen, ich bin genauso wie Heino oder so, kann man jetzt nicht sagen. Das überlasse ich gerne euch!

Ich fand den Poisel-Vergleich aber sehr nett!

Antje: Der war wirklich schön! Da hat jemand auch geschrieben, AnnenMayKantereit würde voll gut passen. Ich lese mir auch jeden Kommentar immer durch. Also es gibt ganz süße Vergleiche!

Es gibt von Edeka einen Werbespot „Zeitschenken“, da bist du die Stimme. Wie kam es dazu?

Antje: Auch eine lustige Geschichte! Auch nicht geplant. Also irgendwie fühlt sich das alles so an… wir haben kein Master-Plan, aber es passieren ganz lustige Sachen. Ich war auf einem Festival und habe einen Kumpel kennengelernt, der in dieser Agentur arbeitet, die den Werbespot gemacht haben. Und die meinten: „Mach uns doch mal so eine weibliche Stimme.“ Und ich dachte es geht da einfach um Layout und hab denen das dann kurz mal eben eingesprochen. Dann ging es immer eine Runde weiter und plötzlich hieß es, dass die noch eine finale Aufnahme brauchen und ich ins Studio kommen solle. Aber es ging mir auch darum, es werden ja 30 Cent pro Herz an „Ein Herz für Kinder“ gespendet, es geht halt eben um Zeitschenken, Zeit mit Kindern verbringen. Wäre das jetzt für die WurstTheke gewesen, hätte ich das auch nicht gemacht. Aber ich wusste halt, das hat einen Sinn – ich mag die Message echt gern!

Du hast mir mal erzählt, dass du „Mein Herz braucht eine Pause“ für eine Freundin geschrieben hast, aber dass du irgendwann auf der Bühne gestanden und gedacht hast, dass es dein Song ist. Magst du mir das noch einmal erzählen?

Antje: Sehr viele meiner Songs sind sehr autobiographisch.

„Ich gebe sehr viel von mir preis und das ist auch voll in Ordnung, so ist es halt wenn man Songs schreibt.”

Aber „Mein Herz braucht eine Pause“ habe ich damals eigentlich für eine Freundin geschrieben, die sich in Sachen immer sehr emotional rein geworfen hat. Dann habe ich den Song hier in Hamburg bei einem Wohnzimmer-Konzert gespielt. Ich stand da, habe den Song gesungen und dachte so – boah krass, jetzt passt der gerade total zu meiner Situation. Was ich dann sehr schön fand, ist, dass die Songs mit einem wachsen. Je länger man so einen Song schon spielt, dann verändert er sich auch. Du spielst den ja auch jedesmal anders, aber immer emotional. Das ist sehr schön, dass die Songs auch zu einem finden.

Was möchtest du denn gerne mal werden wenn du „groß“ bist? Ist es dein Ziel mit der Musik Geld zu verdienen?

Antje: Dann wäre ich gerne zufrieden und würde gerne mit meinen Jungs rum touren. Klar ist es ein Wunsch, ich habe den aber nie so definiert. Ich gucke auch gar nicht so weit. Dieses Musik-Ding stelle ich mir schon langfristiger vor. Aber ich habe jetzt keine Ziele von wegen in so und so viel Jahren will ich das.

Antje, du bist so ein Strahle-Mensch, was ist dein Geheimnis?

Antje: Oh, echt? Danke! Guck mal, das ist das schöne, wenn jemand einem so etwas sagt, dann hat man doch gar keinen Grund mehr traurig zu sein. Ich glaube ich versuche einfach an alles mit ein bisschen Positivität heran zu gehen, nicht zu nachtragend zu sein. Jeder hat einen Grund, warum er so ist wie er ist. Man sollte auf alles ein bisschen offen zugehen, dem Moment und den Menschen eine Chance geben. Das klingt so philosophisch, aber du hast mich so gefragt, jetzt dachte ich, ich müsste sowas sagen (lacht).

Liebe Antje, es war ein zauberhafter Abend mit dir und ich hoffe, dass alle deine Wünsche in Erfüllung gehen! Dieses Jahr ist übrigens noch das erste Album geplant, ihr solltet also unbedingt Augen und Ohren offen halten.

Antje Schomaker & Band im Molotow (Support: Lotte)

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