Apologies, I Have None

Was tut man eigentlich, wenn das eigene Debütalbum beinahe überall sahnige Bewertungen bekommen hat und die Konzerte vor auflaufenden Fans überquillen? Richtig: Man veröffentlicht einen Nachfolger, der den Erstling noch übertrifft. So geschehen bei Apologies, I Have None, die nach ihrem hochgelobten 2012er-Debüt „London“ jetzt mit der neuen Platte „Pharmacie“ angreifen wollen.

Apologies, I Have None - Pharmacie (Album-Review)

Während in „London“ noch Themen, wie die eigene Jugend und Selbstfindung behandelt wurden, geht es in „Pharmacie“ hingegen um Depressionen und der Mangel an mentaler Gesundheit. Der Reifeprozess, den Sänger Josh McKenzie und nunmehr alleiniger Frontmann in den letzten Jahren durchlaufen hat, macht sich deutlich bemerkbar, er kehrt zudem sein innerstes nach außen – ungeschoren und genauso ungeschönt.

Bereits der Opener „Love & Medication“ ist ein Song, der schwer sitzt. Von Anfang an wird klar: Apologies, I Have None rücken auch auf ihrer zweiten LP nicht davon ab, große Geschichten groß aufziehen zu wollen. Das wirkt – der depressive Text macht betroffen, es bleibt einem die sprichwörtliche Spucke im Halse stecken. Die innere Fragestellung lautet: „Wie soll ich dieses Album bloß durchstehen, wenn es schon so anfängt?“.

These tired eyes hide a wild mind
Is it ever enough
Love and medication?
Over and over and over again
I have the same conversation in my head.
Over and over and over again
I have the same conversation in my head
Why the fuck am I like this?

Apologies, I Have None – Love & Medication

Der sprichwörtliche Kloß, der einem im Halse stecken bleibt, zieht sich durch alle zehn Songs von „Pharmacie“. Beeindruckend ist hier vor allem die Entschlossenheit, mit der McKenzie seine Texte singt und schreit. Sie sind zum Teil autobiographischer Natur; umso stärker wissen sie zu wirken, wenn einem das bewusst ist. Da singt ein Mensch absolut unverblümt und ehrlich über solch schwierige Themen, die viele Menschen in ähnlicher Art selbst bereits durchlaufen haben. Das trifft ganz tief in der Magengrube und lässt die eigenen Blicke für alles um einen herum verschwimmen, sodass nur noch die Songs da sind, die man gerade hört.

Auch musikalisch setzt die Band meist zur großen Geste an. Die Geschichten bekommen ihre instrumentale Unterstützung und füllen den Raum mit einer atmosphärischen, zumeist lauten und explosiven Mixtur von Indie und Heartcore, mit der sich die Gruppe bereits in der Vergangenheit einen Namen machte. Das mag zwar nichts unbedingt neues mit sich bringen, wird aber unheimlich frisch und passend präsentiert.

I hate the person I’ve become
Hate the foil
Hate the filters
Hate the blister packs
But I won’t stop
[…]
She’d say „I missed you when you were gone“
and I would wish that I was off anywhere else.
I’m sorry.
When I said I didn’t love you
what I meant was I hate myself

Apologies, I Have None – The Clarity of Morning

Nur hin und wieder werden auch ruhigere Töne angeschlagen. „Crooked Teeth“ ist ein solches Beispiel. Thema: Eigene Schwächen und die Suche nach dem eigenen Platz in der Gesellschaft. Primär von atmosphärischen Soundscapes und Keyboard-Klängen flankiert steht McKenzie beinahe nackt dar, vollkommen auf sich selbst gestellt: „Trying to find a place within a framework that says, teach your sons to be aggressive, daughters to give in“.

Nach 47 Minuten ist das Ende der emotionalen Achterbahnfahrt erreicht. Man hat es durchstanden – zwar ohne genau zu wissen und auch ein Stück weit sprachlos, aber man hat es geschafft, dieses schwer wiegende und zugleich gerade deswegen auch großartige Album komplett zu hören. Unbeeindruckt kann „Pharmacie“ einen gar nicht hinterlassen; viel mehr fängt man plötzlich an, sich selbst zu hinterfragen. Das ist unangenehm, wie ein Pickel am Arsch, aber eben doch wichtig: Selbstreflexion, angetrieben durch die Musik von Apologies, I Have None. Das wohl größte Kompliment, das man dem neuen Album überhaupt bescheinigen kann.

Apologies, I Have None

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Am kommenden Freitag, dem 26.08. erscheint über Uncle M bekanntermaßen „Pharmacie“, das neue Album von Apologies, I Have None. Für Fans der Band haben wir... Weiterlesen →

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