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Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Um die Architects ereignete sich zuletzt ein Drama, denn im August starb Gitarrist Tom Searle im Alter von 28 Jahren nach einem dreijährigen Krebsleiden. Nichtsdestotrotz sind sie nun in dieser für sie so schwierigen Zeit mit ihrem neuen Album „All Our Gods Have Abandoned Us“ auf Tour, um ihnen selbst sowie den Crowds die Gelegenheit zu geben, Searle gemeinsam Respekt zu zollen.

Zusammen mit Stick To Your Guns und Bury Tomorrow spielten die Architects am vergangenen Donnerstag in der Hamburger Markthalle. Insbesondere durch Stick To Your Guns, die mich im letzten Jahr bereits in Oberhausen vom Hocker rissen, wurde ich auf all das aufmerksam. Letzten Endes ist die Musik von Bury Tomorrow, wie auch die der Architects, eher weniger meins, aber das muss einen ja nicht von einem gelungenen Konzertabend abhalten.

Bury Tomorrow drehen richtig auf

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Bury Tomorrow aus Großbritannien übernahmen also das erste Einheizen der Crowd in der ausverkauften Markthalle. „Einheizen“ nahm das Quintett um Frontmann Daniel Winter Bates dabei offenbar wörtlich, denn bereits bei der ersten Band des Abends drehte das Publikum förmlich durch!

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Der Fokus des Songs, das aus sechs Songs bestand, lag natürlich auf dem neuen Album „Earthbound“, das in diesem Jahr veröffentlicht wurde. Den Anfang machte jedoch „Man on Fire“ vom 2014er-Release „Runes“ und bereits da machte sich vom Fleck weg das angesprochene Durchdrehen breit.

Bury Tomorrow haben ihre Zähne gezeigt (im wahrsten Sinne des Wortes), richtig Tempo vorgegeben und Bock auf den Abend. Die Crowd war also bereits auf Betriebstemperatur, was auch absolut nötig war, denn mit Stick To Your Guns sollte es keinen Deut ruhiger werden.

Stick To Your Guns erlauben keine Pausen

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Auch die Everybody’s Darling der internationalen Hardcore-Szene hatten mit ihrer EP „Better Ash Than Dust“ ein neues Release im Schlepptau, die jedoch nicht wirklich im Fokus des Sets standen – mit „Universal Language“ und „The Never Ending Story“ wurden lediglich zwei Songs der EP gespielt. Stattdessen spielten die beiden letzten Alben „Diamond“ und „Disobedient“ die Hauptrollen.

Das war den Leuten natürlich weitgehend egal, denn die wollten einfach zu richtig gutem politischen Hardcore-Punk abgehen, was man dann auch merkte. Wer meint, dass die Konzertbesucher von heute faule Säcke sind, die nur noch dumm rumstehen, hätte sich das mal anschauen sollen (und das war ja immer noch nicht das Ende des Abends).

Stick To Your Guns gaben aber auch keinerlei Gelegenheit, um wenigstens einmal tief durchzuatmen. Stattdessen peitschte Frontmann Jesse Barnett die Menge mit seinen Shout-Vocals geradezu an. Nach ungefähr 45 Minuten ist die Markthalle derart aufgeheizt, dass es schwer ist, vernünftig an Atemluft zu kommen.

Bei den Architects wird es emotional

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Dass das Konzert für Band und Publikum sehr emotional ausfallen würde, war natürlich abzusehen – und so sollte es am Ende auch tatsächlich kommen. Zunächst wurde aber erstmal der Vorhang runtergelassen, die Bühne musste vorbereitet werden und das sollte sich auszahlen.

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Nach dem Umbau kommt die Band auf die Bühne und der Vorhang wird heruntergelassen – sofort beginnt eine superbe Lichtshow, während die Band mit „Nihilist“ ihr Set einleitet. Die Bühnenlichter drehen mindestens genauso am Rad, wie die Crowd und die Architects werden dadurch förmlich angetrieben. Selbst, wer mit ihrer Musik nicht allzu firm ist, kann hier nur bemerken, dass da eine gewisse Chemie zwischen beiden Seiten besteht, die sie vereint.

Die Show der Architects ist gleichermaßen spektakulär, wie on point und immer wieder bedankt sich Frontmann Sam Carter für die Unterstützung der Leute, die ihnen in diesen Tagen entgegenkommt. Insgesamt werden 14 Songs sowie zwei Zugaben gespielt. Als letzter Song kommt „Gone With the Wind“, in dem Tom Searle seine eigene Mortalität thematisierte – Momente der Gänsehaut, selbst für mich, der mit der Diskographie und Geschichte der Band nur rudimentär vertraut ist.

Heimweg mit gemischten Gefühlen

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Am Ende dieses langen Konzertabends tritt man also seinen Heimweg an und fragt sich, was man da gerade miterlebt hat. Einerseits drei Bands, die auf der Bühne alles geben und die absolute Unterstützung der Crowd bekamen; andererseits aber auch eine Band, die sich emotional in diesen Tagen selbst neu finden muss und der man das ein Stück weit anmerkt, weil sie mit diesen Gefühlen nicht hinterm Berg hält.

Es sind diese Gegensätzlichkeiten, die so manches Konzert besonders machen und es völlig egal werden lassen, dass man sich selbst musikalisch vielleicht nicht komplett mit jeder dieser Band identifizieren kann. Warum ich immer wieder darauf zurückkomme anzumerken, dass dies und jenes nicht völlig meinem Musikgeschmack entspricht? Um euch zu vermitteln, dass ein solcher Konzertabend trotzdem etwas ist, das man schätzen großartig finden kann.

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