Foto: Anna Lisa Konrad

Foto: Anna Lisa Konrad

Vor Kurzem stellten wir euch bereits das Video zu Astairres Song „Ich hasse meine Freunde“ hier im Blog vor, heute erscheint nun die dazugehörige EP „So lange wir noch funktionieren“ auf Unter Schafen Records. Und zwischen Bands wie Boxhamsters, Trend oder auch Johann van der Smut (was ist eigentlich aus denen geworden?!) lässt sich die Band dort auch – ihrer ersten Videoauskopplung nach zu urteilen – hervorragend zwischen ihren neuen Labelmates einsortieren, beheimatet Unter Schafen doch vorwiegend Künstler aus dem Punk und dessen näherer Umgebung.

Was dann jedoch verblüfft, legt man die 5-Track-Scheibe erstmal in Gänze auf: So richtig was mit „Post-“ vorne oder „-core“ hinten, wie Astairres Ode gegen die Freunde vermuten ließ, hat die Band gar nicht im Sinn! Vielmehr bietet der sowohl im Album- als auch Video-Zyklus nachfolgende Song „Cavern Club“ beschwingte, durchaus pop-getriebene Gitarrenmusik, in deren Text Sänger und Gitarrist Philipp sich in die Zeit der frühen Beatles hineinwünscht:

„Graue Nachkriegszeit so weit das Auge reicht, but the beat went on in 1962! Und alles, was ich weiß über diese Zeit, lässt heute so bedeutungslos erscheinen. Und alles, was mir bleibt, ist die Möglichkeit, mir vorzustellen, damals dabei zu sein!“

Astairre formen sich und ihrem Hörer eine gedankliche Oase und sind dabei herrlich abseits von dem, was man von deutschen Lyrics derzeit gewohnt ist. Einfach mal einen schwärmerischen Song über die Beat-Zeit schreiben? Kann man bringen! Ein ordentlicher Hit ist das Ganze noch dazu.

Folgerichtig heißt es im deutlich drückenderen „1984“: „Da, wo Zeitgeist ist, muss ich nicht sein!“ Und so ziehen die Kölner ihren angenehmen und eingängigen Indie-Rock, der an passenden Stellen auch ordentlich Kante zeigen kann, mit Selbstbewusstsein gekonnt durch. Astairre - So lange - LP Hülle.inddSie singen „von Fernweh und Dingen, die uns fehlen“, um das abschließende „Am Punkt“ zu zitieren, und fügen sich mit jenen Lyrics auch hervorragend in ihr selbstkreiertes Soundfundament ein.

„So lange wir noch funktionieren“ lässt Erwartungen, die neu hinzugekommene Hörer durch den ersten Clip gewonnen haben dürften, schnell hinter sich und weckt dadurch ganz neue. Nachdem dies nun den ersten Release seit 2007 bildet, bleibt zwar abzuwarten, wie bald mit einem – gerne auch mehr als eine Viertelstunde andauernden – Nachfolger zu rechnen ist. Doch bis dahin lässt sich wunderbar mit diesem kurzweiligen und eigensinnigen Werk die Zeit totschlagen, bis wir endlich Zeitmaschinen haben und nach Liverpool anno 1962 reisen können.

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