atoa-unter-woelfen

Im letzten Jahr lenkte die Düsseldorfer Hardcore-Band ATOA mein Interesse auf sich, als ich sie beim Olgas-Rock in Oberhausen live sah. Nun ist das, am 01. April erschienene, Debütalbum „Unter Wölfen“ endlich da, sodass sich abschätzen lässt, inwiefern dieses Interesse denn überhaupt berechtigt ist. Auf insgesamt 12 Songs (von denen einer ein Remix ist) zeigen sie, wo sie sich und ihren Stil aktuell sehen.

Die Band nennt ihre Musik „Hardpop“ – also irgendetwas irgendwo zwischen Hardcore und Pop. Dieser Begriff ergibt beim Hören durchaus Sinn, denn neben dem Hardcore-Kern hat die Band vor allem auch einen Sinn für eingängiges. Beispielsweise beherrschen sie es, Melodien zu schreiben, die sich im Kopf festsetzen, wie bei der zweiten Single „Die Sonne“. Diese werden hier und da mal durch kleines Piano-Spiel im Hintergrund und Band-Vocals erweitert, wie in „Hetzjagd“.

Generell gehen die Tracks also gut ins Ohr und sind vergleichsweise angenehm zu hören, was einen erstmal auf dem falschen Fuß erwischt, wenn man ansonsten den Sound von Bands, wie BL’AST, Wolf Down oder Stray from the Path gewohnt ist. Das ist aber nicht minder schlecht, wenn man diesem etwas anderen Sound seine verdiente Chance gibt. Dann macht es sich mehr und mehr bemerkbar, dass ATOA einen eigenen Sound im großen Hardcore-Spektrum suchten und diesen letztlich gefunden haben. Von Begriffen, wie „Beliebigkeit“ und „Austauschbarkeit“ zu sprechen, wäre zudem zu kurz und oberflächlich gefasst.

Getragen werden die Songs vor allem vom Frontmann Torsten. Er bietet energisches und kratziges, jedoch immer verständliches, Shouting. In dieser Rolle geht er eindeutig auf und kann so überzeugen. In manchen Songs wird das Shouting jedoch von Gesangsparts unterbrochen und so aufgelockert – auch diese Teile sind überzeugend. Das wiederum lässt aber die Frage aufkommen, ob es dem Album nicht eine höhere Dynamik gegeben hätte, wenn solche Sektionen öfter zum Einsatz gekommen werden und Torsten etwas mehr mit seiner authentisch rüberkommenden Stimme gespielt hätte. Ich für meinen Teil denke, dass das dem Album insgesamt noch besser getan hätte.

Dass eine solche Dynamik den Songs zugute kommt, zeigen „Nichts zu verlieren“ und „One Love, One Heart“. Ersterer beinhaltet klaren Chorus-Gesang vom Callejon-Gitarristen Kotsche, die sich sehr gut einfügen und den ansonsten rauen Klang gekonnt auflockern. David Mayonga aka. Roger Rekless rappt in „One Love, One Heart“ über den zweiten Vers hinweg. Wenngleich mir Hip-Hop-Crossover üblicherweise nicht zusagt, passt seine aggressive Stimme gut zum Sound und der Groove, den er hineinbringt, ist gibt dem Song eine zusätzliche, gelungene Ebene.

Wenngleich man „Unter Wölfen“ also insgesamt kleinere (und nachsehbare) Dynamik-Problemchen attestieren könnte, wenn man es denn wollte, muss sich die Band vor allem aber mit einem anderen Problem auseinandersetzen und das sind die Texte. Während die Themen (beispielsweise Zusammenhalt, Toleranz und Revolution) der Songs und die Art und Weise, wie diese transportiert werden, aufzeigen, mit wie viel Herz und Authentizität sie bei der Sache sind, sind die gewählten Worte dann und wann mal unglücklich gewählt. Vor allem die Vorab-Single „Du lebst nur einmal“ muss sich diese Kritik gefallen lassen, wird hier doch mit einer selten ausgelutschten Plattitüde um sich geworfen.

An anderen Stellen zeigt sich aber, dass sie es auch richtig gut können: Die Hook im bereits erwähnten „One Love, One Heart“ ist beispielsweise richtig gut inszeniert! Besonders gefällt aber vor allem „Stunde Null“. Mit einfachen Worten schaffen sie es, wirksam zum Widerstand aufzurufen. Auch „Märtyrer“, welches das Album mit einem melancholischen Pianospiel abschließt, ist einer der Songs mit einem gelungeneren, weil wirksamen und nicht verbrauchten, Text.

Die Welt beugt sich dem Konsum
Gibt sich gegenseitig Recht
Monopole Ihre Führer
Doch es geht uns es schlecht
Willst Du was tun?
Bald ist die Zeit vorbei
Ist das Dein Ding?
Wo gehörst Du hin?

ATOA – Stunde Null

„Unter Wölfen“ ist definitiv ein Album mit Höhen und Tiefen. In den besten Momenten zeigt es eine Band, die mit allem, was sie hat, an der Sache ist; eine Gruppe, der man glaubt, was sie transportieren will. In den weniger geglückten Abschnitten zeigen sich vor allem textliche Schwächen. Nichtsdestotrotz haben ATOA ein insgesamt gelungenes Debütalbum veröffentlicht, welches kräftiges Shouting mit einem etwas anderen Hardcore-Sound kombiniert.

Dieser andere Sound bietet durchaus sehr viel Potential für die Band. Ich für meinen Teil kann mir auch vorstellen, dass ATOA für eine etwas jüngerer Hörerschaft als gelungener, weil vergleichsweise zugänglicher, Einstieg ins Hardcore-Genre dienen kann und ob man es nun wahr haben möchte oder nicht: Von diesem „Nachwuchs“ lebt am Ende des Tages jede alternative Szene und wenn ATOA mit „Unter Wölfen“ eine solche Rolle einnehmen können, ist das aller Ehren wert.

ATOA: „Unter Wölfen“-Tour

  • 07.04.16 – München, Sunny Red
  • 08.04.16 – Rottweil, Jugendhaus Parkhaus
  • 09.04.16 – Aalen, Rock it
  • 14.04.16 – Kassel, Unten
  • 15.04.16 – Köln, MTC
  • 23.04.16 – Hamburg, Astra Stube

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