Baguette

Foto: Lupispuma

Geheimnisvoll und dezent verstörend – so zeigt sich das Duo von Baguette aus dem österreichischen Graz gerne. Hinter dem freundlichen Namen (jeder mag schließlich Baguettes!) stecken Gitarrist und Sänger Philip sowie der Drummer Manuel. Ihre Musik ist aber alles andere, als freundlich und gefahrenfrei. „Dreckiger Noiserock” – das umschreibt die Musik, die die beiden kreieren, wohl am ehesten. Nach ihrer EP „sexysexy123”, die im letzten Jahr veröffentlicht wurde, gehen sie nun mit dem Debütalbum „Oh!Deu!Vre!” erneut an den Start. Druckvoll und auf das Nötige minimiert soll es sein, jedoch trotzdem abwechslungsreich.

Immer minimalistisch, immer anders

Baguette - Oh!Deu!Vre!

Der Opener „Fuzzelroller” fängt begeisternd gut an und zeigt, wo die Reise hingehen soll: Das Intro-Riff ist geht von null auf hundert direkt nach vorne und generiert durch den Distortion-Effekt eine druckvolle Stärke. Der Song zeichnet sich durch ein durchgehend hohes Tempo aus, dazu kommt der Falsettgesang von Philip hinzu, der im krassen Gegensatz zu der Instrumentalisierung steht und genau deswegen so gut zum Song passt. Der Einstieg ist also wunderbar und mehr als gelungen, als Hörer bleibt man dran! In eine ähnliche Richtung geht beispielsweise auch „Wait, Wait, Wait”, ein tempogesteuerter Song mit einem schnellen Riff und treibendem Drumming. Er ist einfach konstruiert, aber umso spaßiger und energischer.

„Knappstrupper”, der dritte Song, ist dann ein Stück der anderen Gangart: Ein schwergängiger Midtempo-Song, aber druckvoll wie eh und je und in seinem simplen Aufbau bestechend gut. Dazu kraftvolles Drumming. Kurz vor Ende dann eine 360-Grad-Wendung, der Song bekommt urplötzlich eine neue, psychedelische Ebene.

Ein Highlight des Albums finden wir dann im Instrumental-Stück „Leszek”, in dem das Duo lediglich Gitarre und Drums sprechen lässt. Das Tempo ist hoch, das Gitarrenriff farbenfroh, der Song in seiner Gesamtheit wie ein kleiner LSD-Trip. Zusammen mit den Drums entsteht ein lauter, zum Kracher aufbauender Noise-Song, dessen Willenstärke sich gewaschen hat.

Mit „Haul” finden wir an vorletzter Stelle ein weiteres Instrumental, das sich vor allem durch die vielen Tempowechsel und unterschiedlichen Strukturen auszeichnet. Das klingt zunächst ungewohnt und man über zweieinhalb Minuten hinweg immer wieder überrascht. „Haul” ist definitiv eines der herausforderndsten Stücke für den Hörer, jedoch wird dieser fürs genaue Mithören mit einer hohen Variabilität und sehr konzentrierter Form belohnt.

Doch Baguette kann auch anders: „Interlude” zeigt ist ein ruhiges, zurückgenommenes Stück und irgendwie fühle ich mich an The Kills erinnert. Philips Gesang wirkt introvertiert, er bringt seinen Text nur langsam herüber. Der gesamte Song, der im Albumkontext eine kleine Erholungspause darstellt, birgt eine Gefahr, die sich nicht greifen lässt. Man weiß, irgendwo wartet da etwas auf einen, aber man sieht es nicht.

Aufregende Rundfahrten

Ein ganz besonderes Stück ist auch der Closer: „Why You Came” fasst praktisch nochmal alles zusammen, was man im bisherigen Verlauf von „Oh!Deu!Vre!” gehört hat: Schnelle Riffs, temporeiches Drumming begleiten einen wunderbaren und emotionsreichen Falsett-Gesang, der in der ersten Bridge von knalligem Geschrei begleitet wird. In der zweiten Bridge wird der Song dann plötzlich sperrig und schwergängig, nur, um dann wieder am Tempolimit zu schrauben. „Why You Came” ist eine Rundfahrt durch das Reportoire von Baguette und ein hervorragender, zusammenfassender Abschluss für ein abwechslungsreiches und aufregendes Album.

Oh!Deu!Vre! ist ein einziger Trip: An vielen Stellen laut und treibend, an anderen dann gar nicht so laut, aber durchgehend undenkbar variabel. Baguette haben eine sehr eigene Auffassung von der Musik, die sie machen möchten: Sie suchen ihr Heil im Minimalismus und oft simplen Strukturen. Mal mit hohem Tempo vorauspreschend, dann wieder sperrig und schwergängig im Midtempo-Bereich unterwegs. Verschiedenste Einflüsse wissen sie zu etwas ganz eigenem zu machen, das begeistert und durchweg bei der Stange hält.

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