Herzlich willkommen auf Seite 2 einer imaginären, digitalen Kassette, deren Tonband hier begann. Ich war wieder auf Bandcamp unterwegs, um für mich und euch ein wenig unerhörtes ausfindig zu machen. Der heutige Exkurs startete auf dem Tag „proto-punk“, weil ich wissen wollte, wer sich noch heute anschickt, in Tradition der Modern Lovers oder Velvet Underground Musik zu spielen, wie sie damals dem Punk vorauseilte und deutlich vor Sid Vicious eine Art musikalische Auflehnung mit verhältnismäßig lauten Gitarren bildete.

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Nun, von einer sehr großen Masse an Bandcamp-Musiker_innen, die sich hier positionieren, kann man nicht sprechen, und so bahnte ich mir während der Recherche auch Wege in andere andere Sphären des Punk-Kosmos. Aber legen wir doch einfach los…


Iguana Death Cult aus den Niederlanden lassen sich wohl am einfachsten in die Szene einsortieren, in der heute die meiste Aufarbeitung punkiger Musik vor dem eigentlichen Punk betrieben wird, nämlich dem Garage Rock. Wo sich in Läden wie Crypt Records hier in Hamburg unzählige 60’s-Punk-Sampler neben mit Modern Raunch betitelte Plattenkisten reihen, passen auch diese teils ins psychedelische abdriftenden Musiker hübsch rein. Sie sind also nicht gerade einzigartig, spielen ihren Sound aber ziemlich on point und durchaus divers.

Mehrdimensionaler erscheint da die Gruppe Oh! Sweet Sumthin‘ aus Tel Aviv, die sich ihren eigenen Cocktail aus allerlei Altem rund um Dylan, Doors und Velvet Underground zusammenrührt und dabei tatsächlich recht ordentlich schmeckt!

Räudig, erbarmungslos und doch melodiös spielen Thee Arthur Layne aus Chicago ihren Reibeisen-Punkrock und machen damit einen Mordsspaß. Ihre Bandcamp-Info nennt es „rock stripped to its primitive core“, und besser lässt es sich auch kaum umschreiben.

Portugals Hauptstadt Lissabon beschert uns mit Bruxas/Cobras zwei experimentierfreudige Studiovirtuosen, die auf Gesang verzichten und mit instrumentalen Soundgebilden umso mehr zu erzählen wissen. Schlagzeug und Bassgitarre genügend hier meist, um musikalisches „astral traveling“ – so einer ihrer auserkorenen Tags – zu ermöglichen.

Ja, ich hatte auch gehofft und befürchtet, auf „Here comes the Scatman“ ein SKABADABADIBIDIDOB zu vernehmen, doch weit gefehlt: Die britischen Freakouts spielen ernsthaft im Jahr 2018 typisch Cobain’schen Grunge und sind damit sogar sehr ernstzunehmen. Ruhet in Frieden, John und Kurt.

Die Worriers aus Brooklyn haben die Gitarren, die College-Punk-Popper lieben, und die Sängerin, die mit genau diesem Image zu brechen weiß. Mit dem Understatement in Lauren Denitzios Stimme klingt jener Sound auf einmal frisch und unangestrengt. Knaller!

Über Umwege fand ich zum deutschsprachigen Emo-Quartett Magret aus Trier, die der an Bands eigentlich nicht gerade armen Szene doch eine neue, erfreulich wenig geschrieene und sympathisch-unprätentiöse Note bescheren. Gerade im April erschien ihre zweite EP „Surfen“. Jetzt also noch schnell vorm Hype mit aufs Brett springen, Hipsters!

Auch ganz woanders liegt Magrets titelgebende Freizeitaktivität im Trend: Die australischen Surf Dads (!) spielen relativ generischen Indie Rock à la Vaccines oder so. Und doch überzeugen sie mich mit einer ganzen Hand voll Songs – man kann ja auch nicht immer nur die üblichen Verdächtigen abfeiern.


…und das ist auch mal wieder die abschließende Quintessenz meiner kleinen Schatzsuche auf dieser wunderbaren Plattform. Ich hoffe, dem einen oder anderen Musikfreund wieder etwas neues nahegelegt haben zu können und würde mich über Rückmeldungen freuen. Bis zum nächsten Mixtape dann!