Foto: Harley Pethybridge

Es geschah in den 2000ern: fünf Jungs aus dem englischen Ipswich gründeten ein gemeinsames Pop-Punk Projekt, traten mit der ersten Platte der Emo-Core-Szene bei und verschwanden nur wenige Wochen nach Veröffentlichung der zweiten Platte von der Bildfläche. Mit „Colourmeinkindness“ verabschiedete die Band sich und sämtliche Emo-Einflüsse, glitt vom bissigen Metal-Core in sanftere Alternative-Territorien über. Die plötzliche Trennung 2012 legte die Wandlungslust erstmal jedoch auf Eis. Zwei Jahre später dann das überraschende Comeback mit „Further Sky“ – einer EP, welche die wiedervereinten Basement zu ihren poppigen Wurzeln zurückbrachte.

Eine loyale Fanbase steht dem Quintett um Frontmann Andrew Fisher wohl erneut zur Seite, immerhin konnte sich „Colourmeinkindness“ trotz sofortiger Trennung und fehlender PR noch über 25.000 Mal verkaufen. Gitarrist Alex Henery zog derweil in die Staaten, nahm einen Job beim Label an und auch der Rest der Band verstreute sich nach der Trennung rund um den Globus. „Promise Everything“ ist folglich das Ergebnis einer rigorosen Kooperation über E-Mails.

„Promise Everything“ ist ein gewagtes Versprechen, setzte die Band doch eher zögerliche Fußabdrücke in der Metal- und Alternative-Szene. Und tatsächlich: der Album-Opener „Brothers Keeper“ baut schon zu Beginn mit einer fesselnden Hi-Hat-Folge im Intro Spannung auf, lässt Bass und Gitarre in einen Foo-Fighters-esqen Jam einsteigen und ein klassisches Alternative-Album erwarten. Doch weit gefehlt – die Vocals gehen im Mix nahezu unter und nur zu schnell verfängt sich Frontmann Andrew Fisher in den Netzen seiner Einflüsse, legt erkennbar die Melodie von Nirvanas Klassiker „Drain You“ über den Chorus. Ein polarisierender Einstieg, vorsichtig ausgedrückt.

Basement wirken im weiteren Verlauf revitalisiert, ihr Sound zugänglicher und offener als je zuvor. Immer wieder sind es jedoch die produktionstechnischen Entscheidungen, die einer großen Comeback-Platte im Wege stehen: so vermittelt „Lose Your Grip“ durch den massiven Einsatz eines Vocaleffekts den Eindruck, als sei Good Charlotte-Frontmann Joel Madden für ein kleines Rendevouz ins Studio gehüpft. Auch „Blinded Bye“ und „For You The Moon“ wissen das Stimmvolumen Fishers herunterzupressen, im Arrangement wirkt sie gegen den Rest der Band zunehmend blass.

Die Band ist in den ruhigeren („Oversized“) und gefühlsvolleren („Aquasun“) Momenten des Albums am Stärksten. Nicht verwunderlich, schließen vereinzelte Nuancen doch an den Ursprung der Band an, ohne sich neuen Einflüssen zu verweigern. Insbesondere die erste Single „Oversized“ markiert einen Wendepunkt der Band, welcher wohl erheblichen Einfluss auf das künftige Material der Band nehmen wird, sofern es weiter welches geben sollte. Auffällig sind auch hier die eingängigen Gitarren-Riffs, welche quer durch die Platte für kreative Einzelmomente sorgen.

Der stärkste Titel der Platte wurde kurz vor Album-Release als dritte Single veröffentlicht: auf „Aquasun“ entfaltet sich eine der schönsten Balladen der Band aus Ipswich. Ohne unfreiwillig wie ein Erinnerungsstück an frühere Emo-Tage zu klingen, gelingt es der wiedervereinigten Band ihren melancholischen Sound in einen neuen Stil zu pressen. Ein schöner Moment.

Diese sind jedoch nur allzu selten anzutreffen: mehr Mut zum Auslauf und Instrumentarium würden insbesondere den lauteren Titeln der Scheibe gut zu stehen kommen. Fangen „Halo“ und „Promise Everything“ gerade in ihren letzten Zügen mich einzunehmen, versackt der Outro-Jam auch schon wieder im Nichts. Aufregende Jamsessions lassen sich über E-Mail-Verkehr eben nur schwer durchziehen.

„Promise Everything“ löst das große Versprechen nicht ein. Zwar werden starke Stücke wie „Aquasun“ und hervorragende Gitarren-Arrangements wie bei „For You The Moon“ bei Fans für helle Aufregung sorgen, die große Schlagkraft lässt jedoch auch das dritte Werk der Jungs vermissen. Zu selten sind kreative Ausnahmemomente anzutreffen, zu wenig gelingt es der Gruppe aus dem großen Alternative-Becken auszubrechen und der Szene seinen eigenen Stempel aufzudrücken.

Ein ärgerliches Fazit, beweist „Promise Everything“ doch wiedermal, dass die Band durchaus das Potential dazu hat mehr aus ihren Tracks herauszuholen. Vielleicht können wir uns ja demnächst persönlich davon überzeugen – zum Beispiel auf Tour:

BASEMENT – EUROPA TOUR 2016

  • 16.02.16 – Köln – Luxor
  • 21.02.16 – Hamburg – Knust
  • 23.02.16 – Berlin – Lido
  • 25.02.16 – Wien – Arena (AT)
  • 26.02.16 – München – Strom
  • 29.02.16 – Zürich – Dynamo (CH)
  • 01.03.16 – Stuttgart – Universum

„Promise Everything“ erscheint am 29. Januar über Run For Cover Records / ADA.

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