Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

In ihrer noch relativ jungen Bandgeschichte haben Beach Slang bereits einiges erlebt. Zuerst trennte sich die Band im April letzten Jahres kurzzeitig, dann verließ Drummer JP Flexner die Gruppe. Im Oktober folgte dann Gitarrist Ruben Gallego, der die Gruppe  verlassen musste, nachdem bekannt wurde, dass gegen ihn Vorwürfe der sexuellen Belästigung bestehen. Das wiederum hatte auch zur Folge, dass die Europa-Tour Ende letzten Jahres verschoben werden musste.

Frontmann James Alex sprach zwischenzeitlich offen darüber, dass er mehrmals daran dachte, Beach Slang zu beenden. Letztlich kam es doch nicht dazu. Die beiden freien Plätze in der Band wurden mit Aurore Ounjian an der Gitarre und Cully Symington an den Drums besetzt. Als Quartett holten sie nun die verschobene Tournee nach und spielten in diesem Rahmen auch im Hamburger Molotow – ein Konzert, auf das ich mich monatelang tierisch freute!

The Deadnotes

Den Abend eröffneten The Deadnotes aus Freiburg mit ihrem, stets nach steil nach vorne trabenden, Indie-Punk. Auf der Bühne haben sie alles gegeben und das kam gut an beim Publikum. Die meisten Songs kommen live nochmal deutlich punkiger rüber, als auf Platte, was ihnen auch ziemlich gut steht, wie ich finde.

Vor dem Konzertabend war übrigens noch nicht vollständig klar, wer Beach Slang denn überhaupt supporten würde. Alle Anlaufstellen gaben noch die Muncie Girls an, die die Gruppe im letzten Jahr supportet hätten. Auf den vorigen Stationen waren The Deadnotes dann jedoch bereits mit an Bord. Dass es letztlich eben doch die Freiburger waren, freute mich umso mehr. Einerseits kann ich mit den Muncie Girls reichlich wenig anfangen, andererseits lernte ich so ein verdammt cooles und lautes Trio kennen.

Beach Slang

Dann kamen Beach Slang auf die Bühne. In seinen Klamotten ist James Alex natürlich, wie immer, der Blickfang schlechthin. „Ist das noch Punk?“ mag man vielleicht fragen wollen. Die Antwort: Natürlich! Das machten sie direkt vom Fleck weg klar, als sie mit „Noisy Heaven“ ins Set starteten. Es wurde laut, es ging nach vorne und Alex‘ wiedererkennbare Stimme füllte das Molotow. Das war das Konzert, auf das ich so lange gewartet habe!

Nie gab es während des gesamten Auftritts auch nur kleinste Anzeichen fehlender Motivation in der Band – ganz im Gegenteil! Die Gruppe hatte richtig viel Spaß im vollen Club! Zwischendurch wurde spaßeshalber mehrmals „Smooth“ von Santana und Rob Thomas angespielt. Insbesondere James Alex war absolut begeistert und übertrug seine Laune auf die Crowd, die früher oder später auch zum Crowdsurfing ansetzte.

Gespielt wurde eine bunte Mischung aus Songs beider Alben und jeder der Songs – egal, ob „Future Mixtape for the Art Kids“ oder „Ride the Wild Haze“ wurden verdammt gut performt! Am Ende des Sets gab es dann mit einem Pixies-Cover von „Where Is My Mind?“ nochmal eine kleine Überraschung, bei der Alex offenbar Blut leckte, denn er hatte schlichtweg keine Lust darauf, die Bühne zu verlassen. Demzufolge spielte die Gruppe im Folgenden als verlängerte Zugabe auf Zuschauerwunsch mehrere Cover – unter anderem sogar „Wonderwall“ von Oasis.

Irgendwann war dieser Abend dann aber doch zu Ende und wenngleich die Cover-Zugabe irgendwann etwas langatmig wurde, war dieses Konzert doch einfach verdammt geil! Beach Slang haben zwei großartige Alben im Repertoire und können mit den Songs auch live scheinbar mühelos vollkommen mitreißen. Das sind die Konzerte, auf die man sich einerseits ewig lange freut und die man andererseits auch so schnell nicht wieder vergisst!

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