Foto: Arne Bru Haug

Künstler, die sich auf einmal in völlig neuen Gefilden zu bewegen versuchen: Tendenziell erstmal schwierig. Wisst ihr noch damals, als Thommy Gottschalk gerappt hat?! Okay okay, ganz so drastisch ist das hier jetzt nicht, und wir reden auch nicht gerade über ein Weltmusik-Projekt von James Hetfield oder dergleichen, aber immerhin: Wenn Gitarrist und Basser der Metalband Kvelertak aus Tourbus-Schwärmereien über Powerpop heraus eine entsprechende Band gründen, ist das doch beachtlich! Ein paar Metalheads am Strand, zack feddich, Beachheads. Klingt nach einem mittelmäßigen Scherz, und man hätte ja auch reichlich bittere Versuche befürchten können, hier eine Musikrichtung nachzuahmen, aber weit gefehlt: Beachheads liefern mit ihrer selbstbetitelten Debüt-LP eine regelrechte Ode an das liebgewonnene Genre ab!

Gleich der erste Song ist der wortwörtliche „Moment of Truth“, der sofort zeigt: Ja, Vidar Landa und Marvin Nygaard haben sich in die melodische Gitarrenmusik verliebt, ja, sie ahmen sie irgendwie auch nach und man hat all das schonmal so oder so ähnlich gehört, aber gerade ihre Kenntnis um andere Vertreter macht ihre Umsetzung des neu entdeckten Sounds so stark und vor allem: komplett on point! Alles sitzt eins a, klingt dennoch angenehm garage-ig und hinter jeder Ecke versteckt sich ein kleiner Hit mit großartigen Gitarrenmelodien, sei es „Break me down“ oder auch „Despair“, das wissen lässt: „Only thing we know for sure in life: We die!“

Zur Mitte des Albums heißt es in den Lyrics:

„Give me some love, you know I still want you!
Give me some love, I need touch too!“

Nicht gerade die Art von Text, die man bei Kvelertak wohl band-intern durchbekäme. Der Beachheads-Sänger Børild jedoch, bisher im Synthpop zu Hause, singt diese Zeilen ganz wunderbar und lässt so den Hörer von „Beachheads“ auf nur 36 Minuten Spielzeit schnell vergessen, dass hinter ihm drei eigentliche Metal-Musiker stehen – auch der Drummer Espen entstammt dieser Szene. Den nötigen Drive hat die Musik des Quartetts auch ohne Brüll-Vocals und Double-Bass, so zum Beispiel im schnellen, düsteren „Monologues“, wohingegen zum Abschluss mit „It feels alright“ noch eine ordentliche Hymne samt Bläsern das Schiff sicher in den Hafen bringt. Beziehungsweise an den Strand.

Was bleibt da noch zu tun, außer den Repeat-Button zu betätigen? Eine richtig große Platte, die aus einer Imitation heraus entstand und zu sehr viel mehr als dem wurde, nämlich einer Liebeserklärung, die man nicht ausschlagen kann. Am 3. Februar erscheint sie auf dem norwegischen Indie-Label Fysisk Format.

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