big-john-bates-13

Ich bin ehrlich: Vor ihrem Konzert im Hafenklang am ersten Dezember war mir Big John Bates und seine Noirchestra-Band wirklich kein Begriff. Aber wenn Dich der geschmacks- und stilsichere Rookie-Records-Macher Jürgen Schattner einlädt und Dir der Sound beim ersten Reinhören direkt gefällt, dann gehst Du eben trotzdem hin. Es sollte sich herausstellen, dass das Nichtkennen ein herber Schnitzer meinerseits war, denn: Big John Bates sind verdammt gut! Dazu aber an geeigneter Stelle (also weiter unten) mehr.

Zunächst gilt es, zu bemängeln: Das Hafenklang, das normalerweise rund 250 Leute fasst, war am Konzertabend gähnend leer. Einerseits wiegt es mich und meine Unwissenheit in wohlige Gesellschaft, denn der Name scheint sich in den hiesigen Gefilden nicht allzu sehr herumgesprochen haben; andererseits kam es einem Trauerspiel gleich, denn wenn sich schätzungsweise bloß 20 Menschen auf den Weg machen, um sich ein Konzert anzuschauen, dann zwingt es mich zur mantra-artigen Wiederholung: Geht öfter auf Konzerte!

me-and-my-two-horses-01

Aber genug der pädagogischen Worte und wieder zurück zur Erzählung: Ich kam also im Hafenklang an, schaute mir (wie immer) die Bühne und die Belichtung an und merke: Da starren mich Puppen an und von denen nicht zu wenige. Moment, die gehören doch nicht zu Big John Bates, oder?

Me And My Two Horses und ihr Horrorkabinett

me-and-my-two-horses-03

Es sollte sich herausstellen: Nein! Jene Puppen gehören nicht zu Big John Bates, sondern zum Support-Act des Abends namens Me And My Two Horses! Sängerin Kristin sowie Marius und Jannis (die auch bei Kommando Kant spielen) haben die Dekoration nicht ohne Grund platziert: Die Musik erinnert ein Stück weit an ein Horrorkabinett. Insbesondere das Klavierspiel treibt dieses Gefühl immer wieder voran.

Marius wechselt immer wieder zwischen Gitarre (die stellenweise mit einem Bogen gespielt wird) und Kontrabass, das Drumming von Jannis ist tight und on point. Das alles ergibt eine interessante Mischung, die einen immer weiter in diese kleine Parallelwelt hineinzieht und nicht mehr los lässt.

Das Set dauert für einen Support-Act ungewöhnlich lange, wird aber nie langweilig – ganz im Gegenteil. Die Instrumente ergänzen sich wundervoll und kreieren ein unwohlig-gruseliges Gefühl, über das sich die starke Stimme von Kristin legt. Auch die übrigen Zuschauer zeigten sich sehr angetan und nahmen dem Trio das lange, 45-minütige Set keineswegs übel. Der Beginn des Konzertabends ist gelungen!

Big John Bates sind verdammt cool!

big-john-bates-03

Dann kam das Big John Bates: Noirchestra auf die Bühne und legen mit „God Forgives I Don’t“. Der charakteristische, Punk-beschlagene, Post-Rock’n’Roll mit Bates‘ Stimme dringt sofort durch und sucht sich seinen Weg ins Gehirn. Sofort weiß ich: Dieser Sound funktioniert live! Diese Band funktioniert live! Und John Bates ist die coolste Sau, die ich seit langem gesehen habe!

big-john-bates-17

Im Verlaufe des Konzertes nimmt Bassistin Brandy Bones viele Vocal-Parts ein – bereits im zweiten Song „Bitterroot“ übernimmt sie das Steuer und drückt der Band nochmal ihren eigenen Stempel auf. Ohnehin steht sie des Öfteren im Fokus, denn mit dem Kontrabass hat sie so einige Moves drauf, die sie immer wieder gerne präsentiert. Präsentation haben sie ohnehin drauf. Posing, Effekte und Co. – da sitzt einiges und spätestens, wenn Drummer Tyler Hutton Funken mit einer Kreissäge schlägt, weiß man: Das ist eine verdammt coole Band!

Dabei lassen sie aber natürlich die ihre Musik außer Acht. Zwar waren, wie bereits angemerkt, nur ca. 20 Konzertbesucher vor Ort, jedoch hielt sie das nicht davon ab, sich für die ins Zeug zu legen, die es eben doch ins Hafenklang schafften. Mit ihrem „The Passenger“-Cover, bei dem sie bei mir sowieso punkteten, und einer anschließenden Zugabe war der Abend dann irgendwann vorbei. Ich für meinen Teil war sehr froh, dass ich mich nach Feierabend noch ins Hafenklang schleppte, um das Konzert mitzuerleben. Einen solchen Sound mit solchen Persönlichkeiten auf der Bühne sieht man nicht alle Tage!

[asa mp3]B01AYWP46I[/asa]