Foto: Rachel King

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Es ist allgemein bekannt, dass Zach Braff wohl König der Soundtracks ist. Dass es es fast niemanden mit einem besseren Gespür für den richtigen Song im richtigen Moment gibt; und wahrscheinlich auch fast keinen größeren Indie-Fanatiker. Kein Wunder also, dass Bill Ryder-Jones, schon seit J.D. und Elliott am Ende der zweiten Staffel Scrubs feierlich zu “Dreaming of You” über einander herfielen, fester Bestandteil meiner Musiksammlung ist – Bisher allerdings nur in seiner Rolle als Gitarrist und Trompeter von The Coral.

Seit 2011 ist Bill aber auch Solo unterwegs, hat 2 Langspieler und eine EP geschrieben und sich 2013 nach dem Erfolg seiner letzten Platte “A Bad Wind Blows in my Heart” in eine schöpferische Sackgasse manövriert. Letzten Freitag (06.11.15) veröffentlichte er mit “West Kirby County Primary” endlich sein drittes und bisher definitiv kraftvollstes Album!

Ganz bewusst trennte er sich von dem zurückhaltenden Singer-/Songwriter-Sound seiner letzten Platte, kramte stattdessen die alte und vielleicht etwas eingestaubte E-Gitarre aus und begann ein Album zu machen, das mit Emotionen nicht geizt und auf dem er mit nichts hinter dem Berg hält. Was auf diesem Album ist, wollte raus aus dem Mann aus West Kirby.

Fast alles entstand direkt nach einer Zeit voll von gnadenlosen Selbstzweifeln – Die Songs, die er nach der Veröffentlichung von “A Bad Wind Blows in my Heart” schrieb, genügten ihm plötzlich nicht mehr. Er hielt sie für nicht gut genug und wusste nicht, was er damit anfangen sollte.

“I end up thinking ‘what is my life about, what do I even do?’ From there, things just seem to flow out.”

Bis dann der Knoten Anfang diesen Jahres endlich platzte und sich der ehemalige The Coral-Gitarrist noch einmal an zwei der alten Songs wagte, sich damit in die Vertrautheit seines alten Kinderzimmers im Haus seiner Mutter zurückzog und begann sein bisher persönlichstes Album zu schreiben. Ein Album voll mit Frustration und Hilflosigkeit, plötzlichen Ausbrüchen auf seiner alten E-Gitarre und einem absolut ehrlichen Lo-Fi-Charme.

“I always think lyrically, you’re going to be much more confident walking round naked in your bedroom than you are walking round your mate’s living room.”

Mit “West Kirby County Primary” macht Billy Ryder-Jones dem Genre Indie-Rock alle Ehre. Während Coldplay auf ihrem neuen Album wohl endgültig jegliche Kredibilität verlieren und sich ganz den Verführungen eines modernen Studios hingeben, klingt die Neue von Billy nach echter und ehrlicher Musik; nach blutig gespielten Fingerkuppen und unzähligen einsamen Nachmittagen mit der Gitarre vor einem leeren Blatt Papier. Vielleicht sollten Chris Martin und Co. auch mal wieder in ihren alten Kinderzimmern vorbeischauen!

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