Anno RBF 2016. Das einzige Team-Foto und schon damals unvollständig
Foto: Thomas Raich

Über die vergangenen Monate ist es hier bei uns zunehmend ruhiger geworden. Insbesondere in den letzten anderthalb Monaten haben wir unseren Output auf ein absolutes Minimum reduziert. Das wiederum hat einen triftigen Grund, denn wir gehen auf unbestimmte Zeit in eine Pause. Das ist für uns grundsätzlich nichts neues. Seit 2011 schreiben wir hier über unsere Lieblingsmusik, Pausen haben wir dabei immer wieder eingelegt – mal waren diese kürzer, mal waren diese länger.

Unsere letzte längerfristige Pause haben wir im November 2014 beendet. Seitdem schrieben wir hier regelmäßig, über einen langen Teil dieser Zeit veröffentlichten wir drei bis vier Beiträge pro Werktag – alles in unserer Freizeit wohlgemerkt. Denn obwohl wir erst im Verlaufe des Jahres jegliche Werbeeinblendungen deaktivierten, konnten wir mit den Einblendungen gerade einmal die überschaubaren Fixkosten decken. Großes Geld zu verdienen war aber auch nie unser Ziel, noisiv.de war immer ein von Leidenschaft getriebenes Projekt. Mit der Zeit wuchs das Team. Mittlerweile sind wir zehn AutorInnen, zusätzlich dazu haben wir das Glück, ein großartiges dreiköpfiges Video-Team zu haben. Wie groß das Team auch wurde, wie sehr die Zeit voranschritt, welche Projekte und Themen wir auch in Angriff nahmen; eines verging nie: unsere Leidenschaft.

Doch ist es am Ende des Tages wie so häufig im Leben. Leidenschaften und Interessen verändern sich und dies traf zunehmen auch auf jeden einzelnen bei uns zu. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einige von uns haben mittlerweile beispielsweise auch hauptberuflich mit Musik zu tun. Ob nun im Radiowesen, als Label-MitarbeiterIn oder in anderen Positionen. Wenn sich den ganzen Tag über mit einem Thema beschäftigt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis man dieses Thema nicht auch noch in die Freizeit mitnehmen will. Da kann man das Thema – in unserem Fall eben Musik – noch so leidenschaftlich verinnerlichen. DIY Content ins Internet zu veröffentlichen ist wenig romantisch. Es ist harte und mitunter trockene Arbeit, vor allem in größeren Teams.

Wie gesagt: Die Gründe dafür, dass wir nun die Reißleine ziehen, sind mannigfaltig. Es hat nicht nur mit den Hauptberufen unseres Teams zu tun. Wir empfehlen Musik, die uns beeindruckt, schreiben über Konzerterlebnisse, interviewen KünstlerInnen und und und. All das sind Themen, bei denen man früher oder später alles gesagt hat, was man zu sagen hat. Irgendwann sind alle Varianten, mit denen man die Qualität eines Albums oder eines Konzertes beschreiben kann, ausgeschöpft. Wie man dann damit umgeht, ist der entscheidende und schwierige Faktor. Je länger man in diesem Bereich arbeitet, desto schwieriger wird es eben auch, sich beständig weiterzuentwickeln.

Dieser Realität mussten wir uns nun so langsam stellen und ich bin froh, dass wir dies tun. Diesen Schnitt zu setzen wird dem, was wir hier in den letzten Jahren aufgebaut haben, deutlich gerechter, als noisiv.de langsam aber sicher beim Sterben zuzusehen.

Nichtsdestotrotz bin ich stellvertretend für den Rest des Teams verdammt stolz auf das, was hier kreiert und aufgebaut haben. Unsere NOISIV SESSIONS im Allgemeinen und die Episoden, die wir 2016 beim Reeperbahn Festival im Speziellen beispielsweise. Darüber hinaus unseren Podcast, unsere Radio-Sendung, unsere (Video-)Interviews und und und. Hier hat sich etwas entwickelt, das auf eigenen Beinen stand, eine eigene Identität hat und vor allem etwas, das für das steht, wo wir leben und hingehören: Hamburg und seine zig Musikszenen.

Insofern bleibt mir nun nicht viel mehr zu sagen, als ein großes Dankeschön. Danke an das Team, Danke an alle, die mit uns kollaboriert haben, Danke an alle Bands, die sich auf uns einließen, Danke an Euch da draußen, dass ihr unsere Sachen gelesen, gesehen, gehört habt und schlichtweg da wart. Danke, Danke, Danke!

Bis irgendwann.