Blackout Problems

Foto: Ilkay Karakurt

Acht Jahre – so viel Zeit haben sich die Blackout Problems für ihr erstes Album „Holy” gelassen, welches im Februar diesen Jahres veröffentlicht wird. Zwischendurch gab es zwei EPs sowie eine Demo-Sammlung unter dem Namen „Life”. „Holy” aber ist ihr erstes wahres Studioalbum und die Erwartungen sind nicht niedrig, wenn man sich anschaut, welch Fanbase sie sich bereits erspielen konnten; über 12.000 Likes auf Facebook ohne Album sind beispielsweise definitiv eine sehr nette Hausnummer für eine Alternative-Band aus Deutschland.

We Will Be One!

Blackout Problems - Holy

„Holy” umfasst insgesamt 13 Stücke, auf denen wir unterschiedlichste Songs zu hören bekommen. Von atmosphärisch sehr dunklen Songs, wie dem einleitenden „One” bis hin Liedern, die durchaus catchy sind („The Drive”) ist die Palette vielfältig. Den öffnenden Teil übernehmen gleich zwei Stücke: „One” und „Of Us” gehören zweifelsohne zusammen. Das merkt man nicht nur am direkten Übergang, sondern auch an der Stimmung und den Texten.

„One”, welches bereits in Form eines Musikvideos veröffentlicht wurde, ist ein schwergängiger, drückender und emotional geladenes Stück, welches die Hoffnungslosigkeit und Zerissenheit in einem behandelt.„I Know You Struggle to Live On” und „We Will Be One” sind Zeilen, die hängen bleiben – Verzweiflung und Aufbruch liegen manchmal doch ziemlich nahe beieinander. „Of Us” übernimmt dann an dieser Stelle und spinnt diese Gedankengänge nochmals weiter. Die Vocals sind in beiden Songs derart präsent, dass man diesen sofort zuhört und sich diesen nicht erst nach einigen Replays zuwendet. Darüber hinaus findet man im Album einen roten Faden, der in mehreren Songs wiederkehrt. Nach dem Opener wird diese Kurzgeschichte in den Songs „The King” sowie dem letzten Song „Poets of Protest” weitererzählt.

The System We Live in Splits the World We Know
Into Kings in a Castle and Some Rats on the Floor

One Part Has Everything and Even Asks for More
The Other’s in the Gutter – Got Too Less to Live On

Blackout Problems – The King

Lyrisch überlegt, thematisch auf der Höhe der Zeit

 

Überhaupt sind die Texte weit von „nettes Beiwerk” weg; stattdessen nehmen sie einen zentralen Aspekt in der Musik der Blackout Problems ein. Das Trio hat etwas zu erzählen und sie haben ebenso eine überzeugte Meinung. Beides wird ebenso eindringlich, wie spannend vorgetragen. „Follow Me” ist hier das Paradebeispiel: Ein Song, der fehlende Menschlichkeit und fehlendes Miteinander kritisiert und darauf hinweist, dass es am Ende eben darauf ankommt: „Hand in Hand After All”. Gerade in Zeiten, in denen an so vielen Plätzen dieser Welt so viel schief geht, trifft dieses Stück und die Dringlichkeit der Kernaussage besonders hart ins Herz.

Auch im weiteren Verlauf des Albums bleibt es stets spannend und abwechslungsreich. „Hold on” vermittelt ein schönes Gemeinschaftsgefühl, „Black Coffee” erzählt die Geschichte zweier Jugendlicher, die ihre Homosexualität öffentlich machen und anschließend alles verlieren. Unmissverständlich und klar spricht sich die Band hierbei gegen Homophobie aus: „I Am Here to Say / You Homophobic Shitheads Should Fuck Off and Not Pray”. Besondes gelungen ist übrigens der Closer „Poets of Protests”, der mit dem gleichen Riff, wie der Opener beginnt, so den Kreislauf des Albums musikalisch schließt und daran erinnert, dass man für das, an das man glaubt, einstehen muss.

Beliebigkeit? Niemals!

Blackout Problems

Foto: Ilkay Karakurt

„Holy” ist ein hervorragendes Erstlingswerk der Blackout Problems. Mit viel Kraft und Leidenschaft thematisieren sie Dinge, die ihnen merklich wichtig sind. Texte und Musik gehen Hand in Hand, beides ist wichtig, um das, was die Band ist, wirklich verstehen zu können. Die Komposition der Songs regen dazu an, sich stärker mit ihnen auseinanderzusetzen, wofür man dann am Ende des Tages auch belohnt wird.

Die Band ist insofern also weit von der Beliebigkeit weg, die in der Musikindustrie so sehr um sich greift und das weiß zu gefallen. So muss Alternative Rock im Jahr 2015 letzten Endes sein: Unmissverständlich, kraftvoll und intelligent.

Blackout Problems: Tourdaten

  • 31.01.16 – DE: München, Strom
  • 05.02.16 – DE: Stuttgart, KellerKlub
  • 06.02.16 – DE: Hamburg, Kleiner Donner
  • 05.03.16 – AT: Lustenau, Carini Saal
  • 07.03.16 – AT: Innsbruck, Weekender
  • 10.03.16 – AT: Wien, B72
  • 11.03.16 – AT: Klagenfurt, Stereo
  • 12.03.16 – AT: Linz, Stadtwerkstatt
  • 16.03.16 – DE: Dresden, Groovestation
  • 17.03.16 – DE: Berlin, Musik & Frieden (ex-Magnet)
  • 18.03.16 – DE: Hannover, Lux
  • 19.03.16 – DE: Siegen, Vortex
  • 22.03.16 – DE: Oberhausen, Druckluft
  • 23.03.16 – DE: Bremen, Tower
  • 27.03.16 – DE: Trier, Lucky’s Luke
  • 28.03.16 – DE: Frankfurt/Main, Nachtleben
  • 30.03.16 – DE: Saarbrücken, Kleiner Klub
  • 31.03.16 – DE: Ulm, Roxy
  • 16.04.16 – DE: Markneukirchen, Musichall
  • 20.04.16 – DE: Würzburg, Cairo
  • 21.04.16 – DE: Osnabrück, Bastard Club
  • 22.04.16 – DE: Düsseldorf, Zakk
  • 23.04.16 – DE: Essen, Weststadthalle

[asa]B017E52NN0[/asa]