Fotos: Jasmin Reckers, noisiv.de

Seit 2012 sind die Blackout Problems als Band unterwegs. In diesen fünf Jahren haben sich Mario (Gesang/Gitarre), Markus (Bass), Moritz (Gitarre) und Michael (Drums) aber schon einen Namen erarbeitet. Mit zwei EPs und ihrem ersten Album „Holy“, haben sie sich bereits auf viele Festivals gespielt und natürlich auch schon einige Touren hinter sich.

Die Musik der Wahl-Münchener spricht für sich. Der Alternative Rock überzeugt mit fordernden Drums, starken Gitarren und melodischem Gesang. Die Songs sind oft gesellschaftskritisch und überzeugen durch ihre Klarheit. Und live überzeugen die vier sowieso auf ganzer Linie! So eine starke Live-Präsenz lädt auch den letzten Tanzmuffel zum abfeiern ein.

Mit Kiddad als Support Act ging es im März auf große Holy-Tour. Ich durfte im Molotow mit dabei sein und habe die Blackout Problems vor dem Auftritt nach ihrem Bierkonsum und weiteren Plänen gefragt.

Wie laufen die Vorbereitungen für ein neues Album? Oder gibt es da noch nichts zu erzählen?

Mario: Da gibt es noch nichts zu erzählen. Wir lassen das erst mal im Dunkeln. Wir machen langsam Pläne, aber wir wollen noch nichts verraten. Aber was wir verraten wollen, ist, dass es auf jeden Fall weiter geht und das wir sehr motiviert sind.

Viele Bands singen über Liebe, das ist bei euch nicht der Fall. Ist das mit Bedacht so gewählt oder trägst du keine Liebe in dir?

Mario: Auf unserem Album „Holy“ sind 13 Songs drauf, die alle sehr gesellschafts- oder sozialkritisch, oder analysierend sind. Wir haben da eher die Oberthemen von Klassenkampf zu arm/reich Unterschied usw. Bei diesem Album war alles in Ordnung, wir waren gelevelt was unsere Liebe betrifft und deswegen war es natürlich sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. So ein bisschen zu gucken, was sind primäre Lebensziele? Was passiert gerade auf der Welt? Was ist richtig was ist falsch? Wir haben schon mal ein Resümee gezogen, wie im Moment unsere Vorbereitungen auf die Zukunft aussehen. Auf „Holy“ war kein einziges Liebeslied, auf der nächsten werden wahrscheinlich nur Liebeslieder sein. Es wird sich wahrscheinlich drastisch, was das betrifft, ändern.

Mario, du kannst ja ziemlich gut Freestyle rappen, wäre das nicht mal was für das neue Album?

Mario: Schwierig! Aber lasst euch mal von der Zukunft überraschen. Ich weiß es nicht.

Gibt es auf Tour Städte, auf die ihr euch besonders freut?

Michi: Ich glaube, man freut sich auf jede Stadt. Auf Tour sein ist einfach das, was uns am meisten Spaß macht. Klar gibt es Städte, da waren wir schon mal, da war es besonders cool, aber ich persönlich freue mich auf jede Stadt. Jede Stadt ist anders. Jedes Publikum ist anders. Das Geile ist so das Setting, also wir vier auf der Bühne, das bleibt immer gleich und alles andere ändert sich. Wir haben so eine Konstante, aber der Rest ist immer die Variable, das finde ich total spannend.

2015 hat Mario in einem Interview Van Holzen empfohlen, du scheinst dafür einen guten Riecher zu haben. Gibt es neue Empfehlungen?

Mario: Die Leoniden auf alle Fälle! Die gehen gerade auch richtig steil. Was haben wir noch? Kiddad! Unsere Support Band, die wir auf Tour gerade mit dabei haben. Die haben einen Song rausgeballert, der heißt „Rehab“, den sollte man sich anhören, der ist richtig gut!
Michi: Tripsitter aus Tirol. So eine Metalcore/Hardcore Band.
Mario: Man sollte jetzt auch immer mal wieder nach Österreich schielen. Österreich war früher immer so der Outsider der Musikszene. Aber durch Bilderbuch und Wanda sind die so dermaßen am Drücker, dass man da gut mal rüber gucken kann, was da so passiert.

Moritz, du hast bei Ponder auf dem Album bei einem Song mitgemacht.

Moritz: (lacht) Ach das weißt du oder was?

Ich weiß alles! (haha)
Vielleicht magst du mal erzählen, wie das zustande gekommen ist?

Moritz: Ich kenne die Ponder-Jungs, die damals noch JukeboxX Riot hießen, von meiner alten Band Firstclass Ticket. Das sind coole Dudes so aus dem Oberbayrischen Freundes- und Bekanntenkreis. Ich finde es stark, dass sie ihren Weg gegangen sind und sich umbenannt haben, der Name war schon ein bisschen lame. Ponder klingt ganz frech, ganz pop-punkig. Und als die Jungs mich gefragt haben, ob ich nicht Lust habe ein bisschen mitzusingen bei einem Song, haben sie mir die Demo geschickt und ich hab gesagt „Jo, Jungs! Auf jeden Fall, mach ich!“

Aber du hast auch geschrieben?

Moritz: Ich hab den Text dazu geschrieben. Ein klassischer Liebes-Pop-Punk-Song. Wir sind von einem Festival nach Hause gefahren und dann hab ich mir die Demo reingezogen und hab ein bisschen was dazu getextet. Ein paar Wochen später, kurz bevor wir auch wieder in den Bus gestiegen sind, habe ich einen der Ponder-Jungs in unseren Proberaum mit eingeladen, haben ein Micro hingestellt und dann war es das. Ich hoffe, dass die mit dem Album ein bisschen mehr spielen. Die Jungs haben schon Bock, aber die sind alle Studenten, die leider keine Zeit haben so viel zu machen. Andere Bands schmeißen ihr Studium hin, weil sie weiter machen wollen, weil sie mehr spielen wollen. Die Jungs machen das zum Spaß, die spielen ihre paar Shows im Jahr und das machen sie gut und das Album ist sehr witzig. Sehr witzige Texte: Chewbaka und so. Wer auf Pop-Punk steht, sollte Ponder nicht beiseitelassen!

Moritz, ich habe gehört, du führst eine Excel-Tabelle über deinen Bierkonsum.

Moritz: Oh, das ist ein Insider! Das ist ja sehr lustig! Äh, ja, mein allerliebster Freund Martin, aus meiner Heimat, der hat da letztes Jahr mit angefangen. Am Ende des Jahres hat er uns seine Liste präsentiert und dann hab ich mir gedacht „Puh! Das ist schon echt viel!“ Ich mache das einfach nur für mich, um am Ende des Jahres zu sehen, wie viel Bier und wie viel Pils ich trinke. Ich trinke sehr gerne Bier. Mal schauen, was am Ende des Jahres da raus kommt. Es ist eigentlich nur ein Gag für mich selbst.

Notierst du dir das sofort, wenn du ein Bier trinkst oder wie machst du das?

Moritz: Ne, meistens rekapituliere ich den letzten Abend und dann ist vielleicht das ein oder andere hinfällig. Aber ja, das mache ich dieses Jahr und mal schauen was am Ende dabei herauskommt.

Wenn ihr auf Tour seid oder allgemein ein Konzert spielt, habt ihr dann Rituale? Sei es vor, während oder nach dem Konzert, oder morgens, mittags, abends.

Moritz: Also auf dieser Tour machen wir während wir das erste Mal von der Bühne gehen und auf die Zugabe warten, machen wir ein Foto, jeder einzeln. Das ist so ein Ritual, das wir auf dieser Tour fahren. Sonst singt sich jeder ein oder Michael spielt sich ein, jeder für sich, das ist natürlich unser Ritual. Davor klatschen wir uns ab, dann geben wir uns einen Popo-Klatscher und wünschen uns allen ne gute Show. Ich glaube, ein richtiges Ritual haben wir nicht, außer ich vergesse jetzt was.
Mario: Wir haben manchmal ein Ritual gehabt, dass wir Fotografen dabei hatten, das ist zum einen der Ilkay und zum anderen der Paul, und die haben öfter mal ne Minute vor der Show ein Bild gemacht und eine Minute danach. Einfach um zu gucken, was macht denn das Konzert mit dir, offensichtlich macht uns das Konzert meist sehr glücklich und schweiß-nass. Und dieses Mal wollen wir das in zwei Städten ummünzen und auf die Leute projizieren, wie die vorher und nachher aussehen. Wir wollen porträtieren, was passiert mit den Leuten während eines Konzerts. Wir sind sehr gespannt auf das Ergebnis. Was ich mir vorstellen kann, weil es bei mir so ist, wenn ich auf ein Konzert gehe, Konzerte machen mich glücklich und geben mir voll viel. Man hört immer wieder, dass Clubs aussterben oder, dass Jugendzentren kaputt gehen, weil niemand mehr hingeht, dass Bandszenen auf dem Land aussterben – und das soll so ein bisschen zeigen, dass es sich lohnt, da weiter zu machen und auch zu unterstützen. Sei es, dass die Gemeinden da Geld rein stecken, sei es, dass die Leute einfach auf die Konzerte gehen, auch wenn die lokale Band zum dritten Mal hintereinander da spielt, weil es sonst niemanden gibt. Es lohnt sich das am Leben zu halten, so sind wir irgendwie entstanden. Es wäre schön, das heutzutage Mal wieder ein bisschen zu beleben.

Wobei ich glaube, wir sind gerade wieder ein bisschen auf dem aufsteigenden Ast.

Moritz: Na ja, ich habe neulich mit dem Jugendzentrum aus Bad Reichenhall, aus meiner Heimat, gesprochen und früher war alle zwei Monate ein Konzert mit einer Band aus dem Landkreis. Aber das findet heutzutage nicht mehr statt. Es gibt keine jungen Bands mehr auf dem Land, weil sie auch kaum noch die Möglichkeit haben auf dem Dorf zu spielen. Das ist leider sehr traurig!
Michi: Bei unserem ersten Tour-Date in Augsburg war es ähnlich. Da haben die uns erzählt, dass die Kantine, die Location in Augsburg, wahrscheinlich in drei Jahren an einen riesigen Investor verkauft wird. Der will da was anderes drin machen aber nichts für die Jugend-Kultur.

In Hamburg macht ja leider auch ein Laden nach dem anderen zu oder soll abgerissen werden.

Mario: In einer Stadt wie Hamburg glaube ich, dass die Leute die wirklich viel auf Konzerte das mitbekommen, aber so der 08/15 Konzert-Gänger, der merkt das in so einer Stadt wahrscheinlich gar nicht, was das bedeutet. Wenn ich jetzt mal an eine Location denke, wo ich mal in der Nähe gewohnt habe, da gab es auch eine Konzert-Reihe, wie Moritz eben erzählt hat, die regelmäßig stattgefunden hat, wo junge Bands gespielt haben. Die gibt es jetzt einfach nicht mehr, was ich total schade finde! Da wurden früher Sampler gemacht, wo die ganzen Bands  drauf waren. Sei es drum, ob es gut oder schlecht war, darum geht es gar nicht, sondern um dieses: Ich gehe weg von der Bushaltestelle, wo ich sitze und quarze, sondern gehe in den Proberaum und mache was! Weil so entstehen super geile Freundschaften, Lebenswege und man findet einen Weg, sich auszudrücken. Ich glaube nicht, dass Bands aussterben. Auf gar keinen Fall. Es sprießen gerade überall Bands aus dem Boden. Nur, dass einzige, was uns wichtig ist zu sagen, ist, dass diese Bands gefördert gehören.
Moritz: Die brauchen Proberäume, die bezahlbar sind. Bums aus! Das ist beispielsweise bei uns in München sehr schwierig zu finden. Es gibt Proberaum-Komplexe, aber wer kann die denn bezahlen?
Mario: Teilweise gibt es da Proberäume, die sind 16m² groß und die werden sich von fünf Bands geteilt. Das ist schon alles klar, man versteht das. Die Leute wollen immer mehr Geld für ihre Wohnräume und investieren auch viel in ihre Wohnräume. Aber irgendwo muss man da auch sagen, da muss mal jemand kommen, der sagt „Wir machen da was“. Jeder kleine Handgriff tut etwas Gutes, wenn man sich da ein wenig drauf besinnt.

Vielen, vielen Dank ihr Lieben! Es war ein sehr schöner Abend und ich hoffe, wir sehen uns ganz bald wieder!

Blackout Problems Live

  • 11.05. – CZE: Prag – Rock Café
  • 12.05. – PL: Krakóv – Juwenalia Festival
  • 13.05. – CZE: Pilsen – Pod Lampou

[asa mp3]B017K39PG4[/asa]