Bloc Party

Bildquelle: Facebook

Im Vorfeld zur Veröffentlichung des neuen Bloc-Party-Albums ist viel passiert: Nachdem Drummer Matt Tong bereits 2013 während der Tour ausstieg, trennte sich auch Bassist Gordon Moakes vor den Aufnahmen von der Band. Sänger Kele Okereke und Gitarrist Russel Lissack wollten jedoch weiterhin gemeinsam Musik machen und nahmen so gemeinsam mit einigen Studiomusikern „HYMNS” auf.

Bloc Party - HYMNS

Mit der Album-Ankündigung wurden im August auch die beiden neuen Bandmitglieder vorgestellt: Justin Harris übernimmt ab sofort das Bass und Louise Bartle rackert sich an den Drums ab. Speziell diese Neubesetzungen und die erste Single „The Love Within” spaltete die Fangemeinde in zwei Lager. Die Kommentare unter den Posts auf der Facebook-Seite der Band waren zeitweise kaum lesbar, weil voll von protestierenden Fans.

Eine Achterbahnfahrt beginnt

Nun ist besagtes „HYMNS” aber endlich auf dem Markt und so hat die Band die Gelegenheit, ihre neuen Songs für sich sprechen zu lassen. Die ersten Worte sprechen sie in Form der bekannten und spaltenden Single „The Love Within”. Mir persönlich gefällt der Song jedenfalls. Er bietet einen coolen Groove und ist sehr tanzbar. Gut gelaunt geht es also in die nächsten Songs.

Ein Highlight der kompletten LP folgt bereits jetzt: „Only He Can Heal Me”, ein reduziert wirkender Song, der sich durch die Background-Vocals und die Synthies zunehmend steigert. Der Beat treibt an, ohne allzu schnell zu sein und Keles Gesang ist „on point” und gibt der Rhythmik eine weitere Ebene. Man fühlt sich an „Intimacy”, das dritte Album der Band, erinnert.

Überhaupt ist das Album voll von elektronischen Elementen. Drum-Machines hört man immer wieder, dazu werden die Songs von Synthesizers dominiert, alles hört sich sehr digital an. Sowohl Lissacks kreative Gitarren-Einsätze, als auch die Drums sind nicht mehr zentraler Bestandteil der Bloc-Party-Musik; erstere kommen sogar nur sehr punktuell wirklich zur Entfaltung, wie in „So Real”, wobei die Gitarrenriffs dann zwar einen coolen Groove erzeugen, jedoch in der Komposition sehr simpel bleiben. Die Songs sind im Allgemeinen generell ruhigerer Natur und fokussieren sich auf die Erzeugung von Atmosphären – „Different Drugs” ist ein hervorragendes Beispiel dafür.

Wirklich im Fokus steht nun Okerekes Gesang, der sich hörbar entfalten kann und in seiner neuen klangbildlichen Hauptrolle aufgeht. Es ist offensichtlich, dass genau das auch das Ziel war, dass speziell er verfolgte. Es ist Kompensationsarbeit, nachdem ihnen zwei wichtige Bestandteile weggebrochen sind. Vermutlich stellte man sich die Frage, was nach dem Weggang von Tong und Moakes nun noch übrig sei und Okereke fiel es wie Schuppen von den Augen: „Meine Stimme!”.

„Seht her: Meine Stimme!”

Letzten Endes zeigt „HYMNS” über die Laufzeit des Albums hinweg aber auch brutal, dass seine Vielseitigkeit als Sänger und sein Können als Songwriter nicht ausreichen, um ein gesamtes Bloc-Party-Album zu tragen. „Fortress” zeigt das völlig ungeschöhnt. Ein Reverb-Effekt auf seiner Stimme und eine sehr langsam spielende Drum-Machine sind über den gesamten Song hinweg die einzige musikalische Unterstützung. Alles fokussiert sich auf seine Stimme und das, was dabei herauskommt, lässt den Hörer höchst unzufrieden zurück. Für einen solchen Song, der klanglich so nackt ist und komplett von ihm getragen wird, ist seine Stimme nicht eindrucksvoll genug, sie zieht nicht in den Bann.

Auch „Into the Earth”, „Exes” und sogar der Closer „Living Lux” folgen diesem Beispiel. Ersteres ist ein sommerlich wirkender Pop-Rock-Song, der allerdings aufgewärmt wirkt. Es plätschert vor sich hin und bleibt über die Gesamtlänge hinweg belanglos. Zusammen mit dem erwähnten „Fortress” ist „Into the Earth” am Ende des Tages der wohl schwächste Song auf diesem Album.

Immer mal wieder gibt es dann aber doch einen guten Song. „Virtue” beispielsweise, welches ebenfalls im Vorfeld veröffentlicht wurde. Eingängig und recht flott ist der Song auf jeden Fall. Die Synthies hören sich im Chorus dringlich an, vor allem im weiteren Verlauf des Tracks und das hallende Gitarrenspiel unterfüttert den Eindruck des Sturm und Drangs.

Gut, aber irgendwie seltsam ist darüber hinaus „The Good News”. „Seltsam” insofern, als dass der Song nicht recht zu dem passt, was Bloc Party hier ansonsten auffahren. Irgendwie ist der Song frech, fast schon jugendlich, vor allem dreht er sich klanglich nicht um das digitale Bild, dass sich in den anderen Songs zeichnet. Gitarre, Drums, Bass, dezentes Klavierspiel und Okerekes Stimme. Das ist, bereits früh in der Album-Tracklist, eine nette Abwechslung und ich werde das Gefühl nicht los, dass dieser Song der Erste war, den Okereke und Lissack für dieses Album geschrieben haben, weil er eben der „Klassischste” ist.

Irgendwie ratlos

Wenn man nach den elf Songs des Albums ein Résumé zieht, steht man irgendwie ratlos dar: Das Album hat Potential, die Neuausrichtung der Band hat Potential, einige der Songs sind wirklich gut. Trotzdem kratzt man sich die Stirn, denn irgendwie will man mehr. Man will mehr von Bloc Party, als das, was sie hier bieten. „HYMNS” setzt sich aus zu vielen Filler-Songs zusammen, zu oft geht man aus einem Song heraus, ohne, dass dieser einem etwas mit auf den Weg gibt. Zu oft ist das, was man hört, zu belanglos.

Das mag durchaus daran liegen, dass sich die beiden, damals verbliebenen, Bloc-Party-Mitglieder einer komplett neuen Aufgabe gegenübersahen, die sie auf eine Art und Weise erdrückte. Ich habe durchaus die Hoffnung, dass sich das mit den folgenden Alben wieder ändern wird, wenn Bartle und Harris sich aktiv einbringen und Ideen beisteuern können, denn wie gesagt: Potential ist durchaus vorhanden.

So aber bleibt „HYMNS” als Gesamtwerk vor allem eines: belanglos. Zumindest aber wird sich Kele Okereke in der nächsten Zeit Solo-Ausflüge sparen können. Das wiederum kann man auch einfach „effizient” nennen.

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