Wer heutzutage in Deutschland eine Band gründet, der spielt entweder lahmen Metal (wird’s immer geben), macht irgendwas mit Hip Hop (Vorsicht, ein Trend geht um!) oder kommt groß raus mit neuartigem Indie-Sound. Und so sehr ich auch gerade letztgenanntes Phänomen schätze, so freut es mich doch auch immer wieder, Gruppen kennenzulernen, die sich anderen Genres verschreiben. Die Musik machen, die doch eher seltener den Weg in die Proberäume der Republik finden. So auch bei Boulevard Nights aus Bad Pyrmont. Laut bandeigener Facebookseite hat das Trio bereits seit 2008 Bestand, doch erst jetzt haben sie einen Langspieler in den Äther geschossen: „Colored Shadows“.

bnDem Werk ist absolut anzuhören, dass die Niedersachsen ihren Sound lange reifen ließen, bevor sie ihn der Öffentlichkeit nun im Dezember präsentierten. Auf dem Debüt, das nach dem „Name your Price“-Prinzip bei Bandcamp feilgeboten wird, zeigen sie sich astrein abgemischt, mit der Präzision von Mathrock eingespielt und bieten dem Hörer so gewaltige Walls of Sound. Zwischen Shoegaze und Postrock lässt sich ihr Sound einordnen – handgemacht, gitarrenlastig, distorted as fuck. Genretypisch dürfen die Songs sich also gern auch mal knappe neun Minuten Zeit lassen – genug Spielraum und -zeit also, um sich in Ekstase zu rocken. Experimentell, aber immer on point bauen und bäumen sich die acht Stücke auf. Stimmen haben dabei selten Platz – sie sind nur im Opener sowie im Titelstück zu vernehmen. Ansonsten handeln Boulevard Nights nach dem Motto: Gitarren sagen mehr als tausend Worte.

Ein rundum gelungener Ritt in Richtung höherer Sphären haben die drei Herren hier in Musik gebannt, die Bock auf mehr macht. Perfekte Sounds für späte Winterabende, allein zu Hause vor der Plattensammlung. Oder eben für nächtliche Boulevardspaziergänge.