Foto: Lucinda Roanoke

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Vor Kurzem stellten wir euch an dieser Stelle ja bereits Briana Marelas Videosingle „Surrender” vor, in der sie uns erstmals ihren sanften und wabernden Dreampop präsentierte. Nun erscheint am Freitag „All Around Us”, Marelas Debütalbum, das die Musikerin aus Seattle dank Crowdfunding-Unterstützung in Reykjavik mit Sigur Rós-Produzent Alex Somers fertigstellen konnte.

Mit „Follow it” beginnt die neue Platte. Als sei ihre eigene Stimme ein Instrument im VST-Keyboard, setzt sich das Intro aus Gesangsfragmenten langsam zusammen, die die musikalische Basis des Stücks bilden und mit ein paar polternden Drums zu einem wunderbar atmosphärischen Einstieg in Marelas zweites Album heranreifen. Von konventionellen Herangehensweisen kann man also bei ihr und ihrem Produzenten Alex Somers nicht sprechen! Dazu passend gibt Marela im Chorus kund:

„If you see another way, follow it whereever you are!”

Dieser Satz lässt sich fast schon als Maxime für ihr Album deuten – neue Wege beschreiten, statt den bereits erkundeten zu folgen. JAG268Mit ihrer Stimme hätte sich Briana Marela sicher auch als gewöhnlicher Pop-Act behaupten können, folgt stattdessen aber ihrer Intention, die sie raus aus dem Land der konventionellen Popmusik Richtung Island zieht und ihren Songs so den Weg in höhrere Sphären bereitet. Davon zeugen das emotionale, balladige „Dani” oder „Surrender”, das den Sound ihres Albums wohl am repräsentativsten zeigt: Organische Klänge treffen auf verspielte, elektronisch verfremdete Elemente, verhallte Synthies und tackernde Drums untermalen ihre ebenso mit ordentlich Hall versehenen Lyrics.

In diesen geht es immer wieder um Persönliches und Emotionales, so auch im Titeltrack des Albums: Der Text zu „All Around Us” entstand nach dem Tod eines Familienmitglieds und handelt von der schmerzlichen Unmöglichkeit, in dieser Situation ein letztes Mal zu sagen, was man fühlt:

„If you love me, say it now. And mean it. For you may never get another chance.”

Aus diesen Versatzstücken zaubern sich Marela und Somers eine einnehmende Atmosphäre, die sich durch alle neun Songs des Albums zieht – sie folgen dem Weg, den sie anfangs einschlugen und lassen „All Around Us” so zu einem hervorragend funktionierenden Gesamtkonstrukt werden.

Die Platte erscheint bei Jagjaguwar am kommenden Freitag, wenn der Sommer sich langsam dem Ende neigt, und in diese Spätsommermelancholie fügt sie sich auch optimal ein. Doch ihre warmen und träumerischen Songs versprechen, uns gut durch die kälteren Jahreszeiten zu führen – denn das Album wird definitiv noch eine ganze Weile nachhallen! Und das nicht bloß, weil der Echo-Regler in den meisten Stücken so weit aufgedreht wurde, sondern, weil Briana Marela hier wirklich große Songs geschrieben hat, die sich bei mehrmaligem Hören immer mehr entfalten.

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