Bilder: Facebook / Callejon

Eine der wenigen deutschen Metalcore-Bands, die es immer wieder schafften, zu begeistern und sich von der Masse abzuheben, sind seit Jahren Callejon. Ihr Sound wurde bestimmt von brachialen Screams, die hauptsächlich unglaublich angepisst und wütend klangen. Genau das war es, was mich als angepisste und wütende 15-Jährige von der Band überzeugte. Aus dieser Überzeugung heraus entstand bei mir eine tiefe Liebe zu der Band und für mich repräsentieren ihre Songs einen großen Teil meiner Jugend.

Nun bin ich einige Jahre älter geworden und höre nach wie vor noch gerne die alten Lieder wie beispielsweise „Sommer, Liebe, Kokain“ oder „Porn from Spain“. Allerdings bin nicht nur ich älter geworden, sondern auch Callejon. Und mit dem Alter kommt was kommen musste. Ein drastischer Soundwechsel bei den Jungs. Die angepissten und wütenden Songs wurde den Rücken zugekehrt. Bei der ersten Single-Auskopplung von „Fandigo“ „Utopia“ war ich ja zunächst gar nicht mal so begeistert. Die anfängliche Skepsis wurde dann aber relativ schnell beiseite gelegt und so wurde ich mit jedem neuen Song gespannter auf die Platte.

Als erster Punkt ist zu sagen, dass das Album mit seinen 16 Songs und genau einer Stunde und einer Minute Spielzeit unglaublich lang geworden ist. Und nach einem vier-minütigen Intro beginnt das Album auch direkt mit dem oben schon genannten Song „Utopia“. Mittlerweile habe ich mich mit dem Lied sehr gut angefreundet und er begleitete mich schon viele Stunden als Ohrwurm. Mit einem besonders mitreißendem Refrain kann dann „Hölle Stufe 4“ gläntzen. Ein wirklich tieftrauriges Stück, welches durch seine Lyrics und das Instrumentale Gänsehaut verursacht.

Und dann ist er plötzlich wieder da: der legendäre Callejon-Scream. Für einige Sekunden erklingt er am Anfang von „Monroe“. Allerdings geht es dann mit Cleans weiter, welche von einer Metallischen Gitarre unterlegt werden. Ein guter Kontrast und der Song ist definitiv wieder zum Moshen geeignet. Moshbar ist ebenfalls „Noch einmal“, welcher auch eine Single-Auskopplung war. Er geht gut nach vorn und beschreibt einerseits brennende Sehnsüchte, aber andererseits ist er dabei aufmunternd. Live ebenfalls eine absolute Wucht! Wer Callejon nicht ohne Screams erlebten möchte sollte sich bei dem Album auf die oben genannten Songs und „Nautilus“, „Callejon is Dead“ und „Fandigo Umami“ beschränken. Ansonsten könnte die Angelegenheit ziemlich enttäuschend werden.

Bei den restlichen Songs ist es eher ruhig und traurig. Lieder wie „Powertrauer“ oder „Mit Vollgas vor die Wand“ sind hier nur stellvertretend zu nennen für alle die ruhigen Teile des Albums. Diese stehen im Stil von schon bekannten Balladen wie „Kind im Nebel“ oder „Erst wenn Disneyland brennt“ aus älteren Alben. Für diese Songs hatte ich schon immer eine Schwäche, jedoch waren sie auch immer eine willkommene Abwechslung von den sonstigen aggressiven Nummern. Nun steht man als alter Fan vor einer Platte, die voll von diesen Stücken ist.

Es ist als wäre alles taub und jeder Schritt fällt schwer.
Ich fühle mich so leer.
Und wiedermal habe ich verlernt an irgendwas zu glauben.
Jeder Vorsatz verpackt im Kisten, die in meinem Kopf verstauben.

Callejon – Das Gelebte Nichts

Und auf diesem Album haben sich die Jungs mal wieder an ein Cover gewagt. Dass sie das super gut drauf haben, wissen wir ja schon durch das „Man Spricht Deutsch“-Album auf welchem sie einige deutsche Klassiker coverten. Durch den Prozess des Erwachsenwerdens geht covern jetzt aber nicht nur noch auf Deutsch, sondern auch auf Englisch. Also gibt es auf „Fandigo“ das erste englischsprachige Cover der Bandgeschichte und zwar von Depeche Mode’s Welthit „People are People“. Und wer hätte es erwartet, es ist den Jungs super gut gelungen.

Bands ändern ihren Sound, das wissen wir mittlerweile. Sogar sehr viele Gruppen haben dieses in den letzten Jahren getan – siehe Bring Me The Horizon oder Parkway Drive – und das ist bei Weitem keine schlimme Sache. Doch Veränderungen ist ja auch bekanntlich nicht jedermanns Sache und so spaltet sich die normalerweise so starke Fanbase von Callejon nun in zwei Hälften. Die eine Seite behauptet, dass „Fandigo“ das stärkste Album der Band ist und die andere bezeichnet es als totalen Reinfall. Meine Meinung liegt irgendwo dazwischen. Mit gefällt das Album mit jedem Hören besser und es ist definitiv eines der persönlichsten Alben, welche die Band je geschrieben hat.

Jedoch fehlen mir auch die wütenden gesellschaftskritischen Songs, die einen sonst immer so schön ein auf die Fresse gegeben haben. An deren Stelle treten emotionale und traurige Songs, die einen tiefen Einblick in das Seelenleben von Sänger und Songwriter BastiBasti zulassen. Die Band hatte schon immer extrem tiefgreifende und ehrliche Lyrics und diese bekommen auf diesem Album nun noch mehr Bedeutung zugeschrieben.

Ich werde mich am besten im September ein Bild davon machen, wie die Songs live funktionieren. Da sind die Jungs nämlich zusammen mit Papa Roach und Frank Cater & The Rattlesnakes zusammen in Deutschland unterwegs. Das solltet ihr auf gar keinen Fall verpassen, denn auch die anderen beiden Bands haben dieses Jahr schon tolle Alben veröffentlicht.

Callejon: Auf Tour mit Papa Roach

  • 15.09. – Hamburg, Sporthalle
  • 16.09. – Berlin, UFO im Velodrom
  • 20.09. – München, Zenith, die Kulturhalle
  • 25.09. – Ludwigsburg, MHP Arena
  • 27.09. – Fürth, Stadthalle Fürth
  • 03.10. – Oberhausen, Turbinenhalle