Fotos: Kaja Abels, noisiv.de

Wer sich das Line-Up der „Self Infliced“-Tour, angeführt von Chelsea Grin, anschaute, wusste, dass es ordentlich zur Sache gehen wird. Mit Chelsea Grin, Betraying The Martyrs, Make Them Suffer und Void of Vision standen gleich vier unglaublich starke Vertreter des Deathcore-Genres auf der Bühne des Logos. Ich freute mich auf einen schönen Abend mit Whiskey Cola, vielen bekannten Gesichtern und richtig guter und vor allem lauter Musik.

Ausnahmsweise mal pünktlich kam ich im Logo an und fand einen erstaunlich leeren Venue vor. Erste Verwirrung kam in mir auf: Wie konnte es nur bei einem so starken Line-Up so leer sein? Naja, erstmal ein weiteres alkoholisches Kaltgetränk. Nach und nach wurde das Logo endlich voller. Mit reichlicher Verspätung kamen dann auch die Australier Void of Vision auf die Bühne und legten die Messlatte direkt hoch. Schon bald bildeten sich die ersten Moshpits vor der Bühne. Die Band trat zudem im Partnerlook auf, was durchaus gewöhnungsbedürftig aussah, aber auch irgendwie seinen Reiz hatte. Ihr Sound geht in Richtung unbequemer, aber guter Metalcore. Hier sieht man, dass es doch noch Bands gibt, die vom Klischee abweichen wollen. Respekt!

Als zweite Vorband betraten Make Them Suffer die Bühne und sorgten vom ersten Ton für ordentlich Bewegung vor der Bühne. Die Jungs aus Australien zeigten in den letzten Jahren, dass sie mit ihrer Musik auf die großen Stages gehören und auch live konnten sie absolut überzeugen. Was mich allerdings am Auftritt extrem irritierte, war die ausgesprochen hübsche Blondine am Keybord namens Luisa Burton. Zu Beginn stand sie noch mit dickem Pelzmantel auf der Bühne und warf ihre Locken ekstatisch umher. Leider war ihr Ton äußerst schlecht abgemischt oder sie kann einfach nicht singen, sodass ihr Auftritt die Goldene Himbeere des Abends verdient hätte.

Und dann war es soweit. Mein persönlicher Höhepunkt der ganzen Show: Die französischen Betraying The Martyrs nahmen ihre Instrumente in die Hand. Zu dem Zeitpunkt war das Logo komplett gefüllt und man merkte, dass nicht nur ich die Band als eigentlichen Headliner der Show sah. Anfang des Jahres bewiesen sie mit dem Release ihres dritten Albums „The Resilent“ wahrscheinlich dem letzten Kritiker, dass sie nach ganz oben gehören. Brachialer Deathcore, der öfter mit einem Chor unterlegt wird und garantiert in der Qualität nicht oft zu finden ist.

Und alter Schwede, war die Show gut! Mit „Lost For Words“, der auch Opener des neuen Albums ist, stiegen sie in ihre Setlist ein und ab dem Moment war im Logo nichts mehr sicher! Ein riesiger Moshpit entstand durch die komplette Location und er wurde über den ganzen Gig nicht gerade kleiner. Die Setlist enthielt das Beste, was die Franzosen in ihren drei Alben veröffentlicht haben. Ich könnte jetzt noch seitenlang weiter über die Band schwärmen, aber das erspare ich euch jetzt mal. Zusammengefasst: Frankreich hat definitiv besseres zu bieten als Baguette und Wein, namentlich Betraying the Martyrs!

Viele verschwitzte und glückliche Gesichter sah man als die Band Platz auf der Bühne für die eigentlichen Headliner Chelsea Grin machten. Jedoch wurde es nun auch stetig leerer im Logo. Allerdings war auch der Auftritt der amerikanischen Zerstörer durchaus sehenswert. Ich persönlich wartete ungeduldig darauf, dass sie meinen aktuellen Dauerohrwurm „Never, Forever“ vom „Self Inflicted“ Album spielten und ich sollte nicht enttäuscht werden. Bei dem doch verhältnismäßig ruhigen Song merkte man jedoch, dass Sänger Alex an die Grenzen seiner Fähigkeiten kam.

Ein unglaublich guter und vor allem lauter Konzertabend ging zu Ende. Die Stimmung war vom ersten bis zum letzten Ton des Konzertes außergewöhnlich gut und hatte ihren Höhepunkt definitiv bei Betraying The Martyrs. Nach dem Auftritt der Franzosen hatten leider auch tatsächlich schon viele das Konzert verlassen. Und an dem Punkt muss ich dann mal eben den Moralapostel raus lassen: Leute, die Bands geben sich so viel Mühe, begeben sich hunderte Kilometer weg von ihrer Familie und leben teilweise an der Armutsgrenze, nur um andere Menschen mit ihrer Musik glücklich zu machen. Kann man dem nicht zumindest ein kleines bisschen Respekt zeigen und sich mit einem Bier an die Bar stellen bis der Auftritt vorbei ist und einen kleinen Applaus spenden? Denn dafür leben diese Bands und bei den extrem niedrigen Ticketpreisen wäre das schon eine angemessene Geste. Over and Out!

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