Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Im August diesen Jahres fotografierte ich das Wutzrock Festival am Hamburger Eichbaumsee – den Festival-Bericht könnt ihr euch hier im Blog durchlesen. Dort entdeckte ich auch clouds., die das Festival eröffneten.

Die Gruppe ist noch eine sehr junge: 2014 erfolgte die Gründung, am 04. Mai spielten sie ihr erstes Konzert im Gängeviertel. Nun war die Zeit am 10. Dezember reif für die inzwischen dritte Rückkehr zum DIY-Viertel Hamburgs, denn wieder spielte die Post-Heartcore-Combo dort. Dieses Mal aber mit einem besonderen Schmankerl, denn es war ihr erstes Headliner-Konzert!

Ich für meinen Teil habe die Gruppe über den Abend hinweg begleitet und den Abend mit meiner Kamera festgehalten. Schließlich ist so etwas ja schon eine sehr interessante Angelegenheit: Wie ist so ein erstes Headliner-Konzert für eine junge Band? Was geht da im Kopf vor und wie sehen die Stunden vor dem Konzert aus? Im Verlaufe des Abends ließen sie ein wenig durchblicken.

Die Anfahrt: Von Einparkkünsten bis hin zu Toffifee

Um 16:30 Uhr treffe ich mich mit der Band vor ihrem Proberaum. Das Equipment ist bereits eingeladen und es wird noch ein wenig gefeixt. Was sich bereits jetzt entfaltet und uns den gesamten Abend nicht wieder loslassen wird: Merch-Verkäufer Nik hat einen Toffifee-Sixpack im Schlepptau, auf den sich alle wie die Geier stürzen (meinerseits inbegriffen). Alex und Marian versichern mir später, dass es kein Band-Ritual sei. Ich gehe davon aus: Noch nicht.

Bevor es nun zum Gängeviertel geht, fahren wir zunächst zum Musikbunker, in dem die Support-Band Orange Ate Kid ihren Proberaum hat – einer von 72 Bunkern in ganz Hamburg, wie Nik erzählt. Unnützes Wissen gehört eindeutig zu seinen Professionen, wie ich belustigt feststellen sollte.

Einparken kann er, der Alex

Wir fahren mit zwei Autos vor: Ein Van mit dem Equipment sowie ein Auto, in dem Alex, Marian und ich sitzen. Nachdem Alex seine Einparkkünste unter Beweis stellte (Spoiler: sie sind nicht vorhanden, dafür aber sehr erheiternd), wurde das zusätzliche Equipment im Van verstaut. Es stellte sich die Frage: „Wie kriegen wir den ganzen Scheiß im Van unter?“. Nachdem auch Alex‘ Auto vollgestopft wurde, diese Frage somit geklärt war und das neue Toffifee-Ritual nochmals zelebriert wurde, ging es irgendwann weiter Richtung Gängeviertel.

Endlich angekommen durfte Alex wieder einmal seine Macht des Einparkens demonstrieren. Nun gut, alles um uns herum war vollgeparkt, den ein oder anderen Lacher konnte ich mir dennoch nicht verkneifen. Irgendwann war aber auch das geklärt und das gesamte Equipment konnte in den Club gebracht werden. Zeitlich gesehen war das alles sehr entspannt, denn wie es Marian bereits feststellte: „Wir sind wahrscheinlich die pünktlichste Band der Welt“ – Punkt für euch!

Die Aufregung steigt, Orange Ate Kid legen vor

Irgendwann ist dann so weit alles aufgebaut, damit Orange Ate Kid nachher den Abend eröffnen können. Zwischenzeitlich verzog es uns in den Backstage-Bereich. Entspannen, etwas essen, noch mehr Späße miteinander austauschen. Irgendwie eben die Zeit rumbekommen und die Aufregung, die zunehmend in der Luft lag, beiseite schieben. Wir gehen nochmal allesamt nach unten, als Orange Ate Kid ihren Soundcheck durchführen.

Um 20 Uhr eröffnet der Laden, während die Band noch mit ihrem Soundcheck beschäftigt ist und es strömen viele Menschen in den kleinen Club, sodass dieser ziemlich voll wurde. Das Schlug auch bei den vier clouds.-Mannen ein wenig auf Gemüt. Endgültig machte sich Aufregung breit. Alex verzog sich bereits vor einiger Zeit in den Backstage-Bereich, um die Songs durchzuproben. Marian hingegen verlangte es irgendwann nach einer Banane – tatsächlich ein Ritual von ihm, denn die isst er vor jedem Auftritt.

Dann betreten Orange Ate Kid erneut die Bühne und es geht los. Energiegetränkter Post-Hardcore erfüllt den Raum. Es ist laut, die Band hängt sich richtig rein und das Publikum ist bereits jetzt Feuer und Flamme für das, was da auf der Bühne passiert. Auch wir hatten unseren Spaß mit dem Quintett, keiner verzog sich klischeemäßig in den Backstage und das hat sich definitiv gelohnt! Der Laden war inzwischen wirklich gerammelt voll, die Temperatur stieg merklich schnell. Das quittierte dann auch das Publikum entsprechend in schallendem Applaus, nachdem die Gruppe ihren Auftritt beendete.

Scherzhaft mokierte sich Marian irgendwann über die Band, die wir uns gerade gemeinsam ansahen: „Shit, die haben ja mehr Songs, als wir!“. Ich musste dezent lachen, während er sich seine Banane in den Rachen schob. Viel Zeit zum Reden war jedoch nicht mehr. Einerseits spricht man während eines laufenden Konzertes aus Respekt gegenüber der spielenden Band nicht großartig mit anderen Menschen, andererseits stand der Bühnenumbau nach dem Auftritt an. Eifriges Treiben lies sich beobachten.

clouds. spielen ihren ersten Headliner-Auftritt

Dann war es so weit: clouds. spielten ihr erstes Konzert als Headliner des Abends. Anfänglich wurden sie von technischen Schwierigkeiten begleitet: Ricardos Vocals waren nämlich kaum hörbar. Das wiederum legte sich aber recht fix, von da an rissen sie die Crowd im Gängeviertel immer stärker mit. Ob nun „St. Petersburg“ oder „Grace“ – die Songs sowie die starke Performance wussten zu gefallen. Das gefiel mir bereits beim Wutzrock und das war auch im Gängeviertel keinen Deut anders!

Thiesjan ist ganz schön am Ende

Die Zuschauer zeigten sich sogar so begeistert, dass sie immer wieder weitere Zugaben forderten. Am Ende war die Band dermaßen im Eimer, dass sie einfach nicht mehr konnten – mal davon abgesehen, dass sie ohnehin keine Songs mehr im Repertoire hatten. Unter großem Beifall ging das Konzert dann zu Ende. Beide Bands waren schlussendlich sehr zufrieden und insbesondere den vier clouds.-Herren konnten ihr Grinsen kaum verstecken.

Eine Band, die aufstrebt

Nach dem Konzert ist vor dem Abbauen. Durch einen immer noch recht vollen Club bauten die beiden Gruppen ihr Equipment ab und brachten es wieder zurück in den Van – alles aber merklich entspannt, war der Abend doch sehr erfolgreich. Nichtsdestotrotz ging es dann irgendwann natürlich auf den Heimweg. Eine geschaffte Band und ein ebenso müder Fotograf hatten schließlich einiges hinter sich.

Beide Bands sind sichtlich glücklich über den Abend

Trotz oder gerade wegen der Anstrengungen war mir klar: clouds. ist eine Band, die gerade mitten dabei ist, sich in der lokalen Musikszene zu etablieren und dafür auch die entsprechende Qualität hat, um dieses Aufbegehren zu rechtfertigen. Die Jungs stehen mit Leidenschaft auf der Bühne, haben Bock auf das, was sie machen und haben dazu auch noch die Verantwortungsgefühl, das man schlichtweg braucht.

Im nächsten Jahr wollen sie eine zweite EP veröffentlichen und lasst es euch von mir gesagt sein, dass ihr diese nicht verpassen solltet. Sind die aktuellen Songs auch nur ein halbwegs zuverlässiger Indikator, wird da noch eine ganze Menge geschehen!

Alle Fotos vom Abend