Fotos: Jana Boese

Ich verliebe mich ja selten Hals über Kopf, aber bei diesen Typen musste ich einfach eine Ausnahme machen. Cold Years sind Ross, Finlay, Louis und Fraser und kommen aus Schottland. Neben ihrem Charm überzeugen sie aber vor allen Dingen mit ihrer Musik.

Auf dem Oakfield Festival, welches vom 3. bis 4. August 2018 stattfand, trafen wir die Band auf einen kleinen Plausch und sprachen mit ihnen über ihr Trinkverhalten, verkackte Shows und Zukunftspläne.

Es gibt nicht sehr viel was man über euch im Internet lesen kann. Ich weiß aber, dass du Ross, Cold Years als eigenes Projekt gestartet hast. Wie sind die anderen dazu gekommen?

Ross: Ich habe sie angelogen. Ich war ziemlich betrunken und hab Fraser erzählt, dass Louis und Finlay in der Band mitspielen werden.
Louis: Ich habe dann mit den anderen gesprochen und habe sie gefragt, ob Ross mit ihnen gesprochen hat. Alle sagten Nein – und irgendwie sind wir dann zusammen gekommen.
Finlay: Ich kann mich nicht mehr so genau daran erinnern, ich hatte Ross davor jahrelang nicht gesehen.
Louis: Wir haben alle schon gemeinsam in Bands gespielt – Jahre davor. Also kannten wir uns alle schon, wir hatten den Kontakt aber für eine Weile verloren. Plötzlich haben wir dann einfach wieder miteinander gespielt.

Stand der Name denn vorher schon fest oder hast du dir den selbst ausgesucht?

Finlay: Der stand schon fest.
Ross: Es ist einfach kalt in Aberdeen.

Ihr seid seit 2014 als Band unterwegs und habt bisher 3 EPs veröffentlicht, ihr wart in UK und Deutschland auf Tour. Glaubt ihr, dass die Deutschen einfacher zu beeindrucken sind, ich meine, viele Bands haben ihre Karriere in Deutschland gestartet.

Finlay: Ich glaube nicht, dass sie einfacher zu beeindrucken sind.
Louis: Es ist etwas mehr Old School in Deutschland. Es ist nicht so, dass ich was dagegen habe in England zu spielen, aber in Deutschland haben die Leute mehr Zeit und Lust auf eine Show zu gehen und eine CD zu kaufen, sie haben einfach mehr Bock eine Band zu supporten und Merch zu kaufen.
Finlay: Außerdem ist es hier weniger eine Modeerscheinung. In UK geht es mehr um das Image und das Aussehen. Jede Show oder jedes Festival was wir in Deutschland gespielt haben – die Qualität ist einfach eine bessere.

Da ihr jetzt schon öfter in Deutschland gewesen seid, gibt es ein paar Lieblingswörter oder Sätze die ihr sprechen könnt?

Finlay: „Genau!“
Ross: „Prost.“
Louis: Man muss nicht viel Deutsch können, „Prost“ reicht und jeder ist glücklich.
Fraser:  „Schnaps!“
Ross: Wir alle lieben „Schnaps“!

Habt ihr ein Alkohollimit, bevor ihr auf die Bühne geht?

Ross: Ich trinke nur ein Bier vor dem Auftritt.
Finlay: Als wir die Band gestartet haben, haben wir immer eine Flasche Wein vor dem Auftritt getrunken. Dann haben wir festgestellt, dass wir dann richtig scheiße sind und haben es gelassen.
Louis: Wir stecken so viel Arbeit in die Band, daher ist es ziemlich dumm vorher so viel zu trinken.
Finlay: Ich trinke schon so meine drei bis vier Bier vor dem Auftritt. Und auf der Bühne trinke ich dann auch nochmal zwei. Aber zwischendurch auch immer mal Wasser.
Louis: Wir sind ein Team, eine Familie, und wenn einer verkackt, bist nicht du alleine der Idiot, sondern alle.

Was war die betrunkenste Show die ihr je gespielt habt?

Ross: Das erste Mal als wir in Glasgow gespielt haben. Alles ist schief gelaufen.
Finlay: Oh ja, das ist eine verrückte Geschichte.

Erzählt!

Fraser: Ich durfte den Van kaufen den wir hatten. Den ersten Tag, als wir ihn bekommen haben, sind wir direkt nach Glasgow gefahren, um die Show zu spielen. In dem Moment, als wir Aberdeen verlassen haben, haben Finlay und ich angefangen zu trinken. Das war um neun Uhr morgens.
Finlay: Du hast den besten Part der Geschichte vergessen. Alles ist schief gelaufen, was schief laufen kann. Wir waren viel zu betrunken, um gut zu spielen. Ich kann mich auch gar nicht mehr genau daran erinnern was passiert ist. Wir haben uns nach der Show ein bisschen gestritten und Fraser wollte im Van schlafen. Er hat über Nacht dann die Standheizung laufen lassen und am nächsten Morgen war die komplette Batterie leer und wir konnten nicht mehr in den Van rein und kamen auch nicht mehr an den Kofferraum.
Ross: Wir hatten keine Schlüssel.
Finlay: Die Schlüssel waren im Wagen eingeschlossen. Also mussten wir die Rückscheibe einschlagen. Das war der schlimmste Sonntag den ich je hatte, überall waren Scherben.

Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Louis, du bist ja das jüngste Mitglied der Band. Brian Molko von Placebo hat mal gesagt:  „Als Musiker wird man entweder sehr alt oder stirbt früh“. Was denkst du darüber?

Louis: Wir geben schon auf uns Acht.
Ross: Du tust das für deinen Job. Du musst auf dich selbst aufpassen. Trotz dessen, was ich dir vorhin erzählt habe, du kannst nicht immer trinken. Man muss das professionell sehen, immer viel Wasser trinken und auf sich aufpassen.
Louis: Auf Tour ist man oft müde oder du hast einen Hangover. Du musst einfach positiv bleiben. Wir sind alle beste Freunde und wir sind so glücklich, dass wir das machen können. Warum solltest du das aufs Spiel setzen? Aber in Deutschland ist das ganz schön schwierig, weil jeder mit dir trinken möchte.
Finlay: Ja, das ist wirklich schwierig. Zum Beispiel die Aftershowpartys, die mag ich wirklich gerne, da kann man immer viele neue Leute kennen. In der Regel verbringen wir sehr viel Zeit nach der Show dort, bevor wir das Equipment einladen, um neue Leute kennenzulernen. Und wenn wir dann das Equipment eingeladen haben und wir alle schon drei oder vier Bier getrunken haben, ist es wirklich sehr schwer zu gehen, obwohl wir alle sehr müde sind.
Louis: Außerdem ist es sehr wichtig auf Tour gut zu Essen. Man ist dann so oft bei McDonald’s und isst jede Menge Müll und du fühlst du dich dreckig. Aber in Deutschland bekommt man sehr gutes Essen. Du kommst nach einer Tour nach Hause und hast das Gefühl, dass du gar nicht auf Tour warst, weil du so gut gegessen hast. Und die Sonne hilft natürlich auch.

Ihr seid gerade dabei neue Sachen zu machen, oder?

Ross: Wir nehmen neue Demos für eine neue Platte auf. Louis ist nämlich Sound-Ingenieur, weshalb wir das bei ihm zu Hause machen können.
Louis: Auch wenn wir aufnehmen, machen wir vieles selbst. Mehr als die Hälfte von dem was wir machen, machen wir selbst.
Ross: Die letzte Single haben wir auch komplett bei Louis aufgenommen.
Louis: Wir haben alles bei mir aufgenommen, das Mastering hat dann aber ein Freund von uns übernommen. Es ist gut, das auf diese Weise zu machen. Es fühlt sich mehr an wie unser eigenes Produkt, als mit jemandem zu arbeiten, der alles anders machen würde als wir.
Finlay: Da verliert man sonst ein bisschen die Kontrolle.
Louis: Genau, du kannst alles in deiner eigenen Zeit machen und man hat keinen Stress. Also schreiben wir gerade neue Songs für eine neue Platte.

Also gibt es keine Deadline?

Ross: Es ist fertig, wenn es fertig ist.
Louis: Man kann das Songwriting auch einfach nicht überstürzen. Die beste Qualität hast du nur dann, wenn du Zeit hast wirklich über etwas nachzudenken.
Ross: Wir haben in den letzten Jahren als Musiker sehr viel dazugelernt. Wenn du Songs schreibst, wirst du viel von deiner Umwelt und Dingen die auf Tour passieren.
Louis: Als Songwriter musst du viel Erfahrung sammeln. Etwas wirklich relevantes zu schreiben – ich lästere nicht gerne über andere Bands – aber wenn du dir manche Songtexte anhörst, bedeutet vieles von dem gar nichts. Ich finde, dass unsere Musik so wichtig ist, jeder kann sich das anhören. Wir haben so viele Geschichten zu erzählen. Wenn du jemanden sagen würdest, du musst ein Album in einer Woche schreiben, wie willst du dann etwas vernünftiges schreiben? Du brauchst ein Konzept. Eine Story. Wir setzen uns dabei auch alle gegenseitig unter Druck. Jeder Song muss mindestens Single-Qualität haben.

Wollt ihr als nächstes wieder eine EP veröffentlichen oder ein Album?

Ross: Wir planen einen Longplayer zu machen. Es ist einfach Zeit. Das Problem ist halt, dass du 20 bis 30 Songs brauchst. Wir schreiben häufig zu viele Songs, das Problem hatten wir auch bei der letzten Platte. Wir arbeiten viel und schreiben immer. Am Ende musst du dich dann für die richtigen Songs entscheiden. Beim letzten Mal war es sehr schwierig, weil wir nicht wussten in welche Richtung wir gehen wollen, weil es so viele verschiedene gute Stilrichtungen gibt. Das wird sich bei der nächsten Platte auch ein bisschen ändern, aber nicht zu viel. Aber wir mussten einfach etwas anderes machen. Wir können nicht jedes Jahr die gleiche Platte aufnehmen.
Louis: Es gibt ein Song den wir geschrieben haben: „What I Lost“ ist der dritte Song auf „Northern Blue“. Als erstes fanden wir den Song alle scheiße. Dann haben wir ihn fünf oder sechs Mal geändert, das hat Monate gedauert. Und jetzt ist es einer meiner Lieblingssongs. Es ist wirklich witzig, wenn du dir jetzt die erste Version anhörst und dann ist er auch noch eine Single geworden.

Als letztes habe ich einen Funfact. Hier in Deutschland gibt es eine Band namens Cadet Carter und ich finde, deren Bassist sieht aus wie dein Bruder, Louis.

Finnlay: Oh wow, das ist verrückt! Er sieht aus wie eine Mischung aus Ross und Louis.
Ross: Wenn wir ein Kind zusammen hätten, würde es wahrscheinlich so aussehen.

Wollte ihr noch etwas loswerden?

Louis: Danke Deutschland, dass ihr immer so nett zu uns seid!
Finlay: Ich hoffe, ihr werdet bald mehr von uns hören!

Vielen Dank für dieses nette Gespräch und die geile Aftershowparty, ich freue mich schon auf unser Wiedersehen in Buxtehude!

Wer Cold Years live erleben möchte, hat in Deutschland bald wieder die Chance dazu:

Cold Years Live

  • 27.09. – Nürnberg, Z-Bau
  • 28.09. – Buxtehude, The Rebel’s Choice
  • 30.09. – Dortmund, Way Back When Festival