colleengreen

Sie haben schon einen speziellen Charme, diese Damen vom Schlag des poppigen „Neo Riot Grrrl“. In der heutigen Popwelt machen sich immer mehr von ihnen einen Namen – ob der nun Charli XCX oder Miley Cyrus lautet, eine besondere Ausstrahlung zwischen Girlyness und bissigem Feminismus vereint sie zu einem wunderbaren Phänomen der zeitgenössischen Musikszene.

Wo die genannten Kandidatinnen eher in klassischen Popgefilden wildern, klingt die Musik von Colleen Green schon weitaus artverwandter mit dem klassischen Riot-Grrrl-Sound aus den Neunziger Jahren, den Band wie Sleater-Kinney prägten. Ihr vor Kurzem via Hardly Art veröffentlichtes Album trägt – Stichwort Girlyness – den Titel „I Want To Grow Up“ und im gleichnamigen Opener macht sie klar:

„I want to grow up, ‚cause I’m sick of being immature, I wanna be responsible and I’m so sick of being insecure, sick of being dumb!“

Simple wie eingängige Gitarrenriffs dominieren das Stück, das einen höchst sympathischen Lo-Fi-Charakter aufweist. Eine Art Post-Grunge könnte man den Songs von Colleen Green zuschreiben, in jedem Fall finden sich aber richtige Indiepop-Perlen auf „I Want To Grow Up“ – denn die sind trotz der nicht gerade virtuos eingespielten Instrumentierung genau auf den Punkt und hinterlassen einen prächtigen Eindruck. Man stelle sich eine female-fronted Version von Pavement vor!

Von zum Freund erklärten Fernsehern handeln ihre Lieder, von wilden Jungs und gleich zwei mal von „Things That Are Bad For Me“. Im ersten Part dieses Zweiergespanns heißt es noch:

„I gotta stop doing things that are bad me! I’m thinking maybe I could change my body’s destiny and start listening to my own advice. Then maybe my life could be twice as nice!“

Doch die besungenen Dinge bahnen sich ihren Weg zurück in die Lebensrealität der Protagonistin wie die unaufhaltsamen Gitarrenanschläge und Kick-Kick-Snare-Bretter im darauffolgenden zweiten Part – „I wanna do drugs right now! I wanna get fucked up, I don’t care how!“

So hat Colleens erste Platte definitiv Konzeptcharakter und verliert nie den roten Faden, ohne dabei langweilig zu werden – düstere Elektroeinflüsse („Deeper Than Love“) finden sich genau so wie der aufgewühlte Punk-Pop-Brecher „Grind My Teeth“. In ihrem straighten Songwriting macht sich das L.A.-Girl keine Gedanken um Regeln und Normen und beschließt passenderweise ihr Werk mit dem träumerischen Hitkandidaten „Whatever I Want“ – denn das darf und soll sie bitte weiterhin tun, weil „I Want To Grow Up“ schon so ein hohes Repeat- und Ohrwurmpotential bietet!

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